Horgen

Horgner Schulpräsidentin nimmt erstmals Stellung zu den Vorwürfen

Die Horgner Schulpräsidentin nimmt erstmals Stellung zur Kritik an ihrer Amtsführung. Sie sagt, sie setze sich trotz des Verfahrens nach bestem Wissen und Gewissen für die Schule ein. Auf die Vorwürfe geht sie aber nicht ein.

Carla Loretz – hier im Juni 2018 nach ihrer Wahl zur Schulpräsidentin von Horgen – nimmt Stellung zum anhaltenden Streit in der Schulpflege.

Carla Loretz – hier im Juni 2018 nach ihrer Wahl zur Schulpräsidentin von Horgen – nimmt Stellung zum anhaltenden Streit in der Schulpflege. Bild: Archiv André Springer

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Die Horgner Schulpräsidentin Carla Loretz (parteilos) steht mit dem Rücken zur Wand. Happige Vorwürfe stehen im Raum. Die übrigen Mitglieder der Schulpflege werfen ihr mangelnde und fehlerhafte Kommunikation, schlechte Erreichbarkeit und fehlende Transparenz vor. Obwohl die Probleme und Missstände bekannt seien, sei bei ihr kein Wille zum Handeln wahrnehmbar. Sie übernehme keine Führungsverantwortung, kritisieren die anderen acht Mitglieder der Schulpflege. Sowohl der Gemeinderat wie auch die Schulpflege sind an den Bezirksrat, das Aufsichtsorgan gelangt mit der Bitte um Unterstützung.

Die übrigen Mitglieder der Schulpflege werfen Loretz mangelnde Kommunikation, schlechte Erreichbarkeit und fehlende Transparenz vor.

Als diese Zeitung den Konflikt am 20. September aufdeckte, weilte Carla Loretz in den Ferien und bezog auf Anfrage keine Stellung. Sie stellte aber ein Statement für nach den Ferien in Aussicht und vereinbarte mit dieser Zeitung einen Interviewtermin für Freitag. Carla Loretz sagte den Termin jedoch kurzfristig ab und verschickte stattdessen eine schriftliche Stellungnahme.

Die Schulpräsidentin schreibt, sie nehme die Kritik an ihrer Amtsführung selbstverständlich ernst. Auf die Kritikpunkte selber geht sie nicht ein. «Im laufenden Verfahren des Bezirksrates werde ich mich nicht öffentlich zu Interna der Schulbehörde äussern.» Wie sie auf die Vorwürfe konkret reagiert und was sie an ihrer Amtsführung ändert, bleibt damit unbeantwortet. Sie verweist darauf, dass der Bezirksrat die Vorwürfe der Schulpflege und des Gemeinderates sorgfältig und objektiv prüfen werde.

Von der Schule Horgen, den Lehrpersonen oder den Eltern seien bisher keine Vorwürfe an sie gerichtet worden, schreibt Carla Loretz. Im Bild die Oberstufenschulhäuser Berghalden und Rainweg. Archivfoto: Sabine Rock.

Ohne politische Hausmacht

Im Statement betont Carla Loretz ihr Parteilosigkeit. Zur Erinnerung: Carla Loretz schnappte sich bei den Erneuerungswahlen 2018 das umkämpfte Schulpräsidium, das bisher eine FDP-Frau inne hatte. Verschiedene fordern denn auch, dass der Konflikt geklärt und das Problem behoben werden. «Ich kann nicht auf die Unterstützung einer politischen Hausmacht zählen», hält sie im Schreiben fest.

«Ich kann nicht auf die Unterstützung einer politischen Hausmacht zählen»Carla Loretz, Schulpräsidentin von Horgen

Zu ihrer Verteidigung bringt Carla Loretz weiter vor, dass der Gemeinderat und die Schulpflege mit ihrer Kritik alleine stehen. «Seitens der Horgner Schule, der Schulleitungen, Lehrpersonen und Eltern wurden bisher keine Vorwürfe an mich herangetragen», teilt sie mit. Das sei für sie wichtig und sie werde sich im laufenden Verfahren «nach bestem Wissen und Gewissen» für die Horgner Schule einsetzen. Als Schulpräsidentin sei sie der Schule und ihren Wählerinnen und Wählern verpflichtet.

«Öffentlich vorverurteilt»

Zur Zusammenarbeit in der Schulpflege und dem Gemeinderat, dem sie von Amtes wegen angehört, verliert sie in der schriftlichen Stellungnahme kein Wort. Sie teilt aber einen Seitenhieb gegen den Gemeinderat aus. Dieser habe sie öffentlich vorverurteilt. Als Beispiel erwähnt sie die Mitteilung des Gemeinderates vom Dienstag. In dieser hielt er fest, dass die Zusammenarbeit in der Schulpflege belastet sei. Er begrüsse, dass die Schulpflege die Verantwortung für die Finanzen der Schule, welche bis anhin bei der Schulpräsidentin lagen, einem anderen Mitglied übertragen hat. Dies, weil die Amtsführung der Schulpräsidentin auch für den Gemeinderat zunehmend zur Belastung werde.

Die grosse Frage ist: Wie geht es jetzt weiter? Der Bezirksrat Horgen, das Aufsichtsorgan, hat formell ein Geschäft eröffnet. Carla Loretz sei zu einem Gespräch auf Ende Oktober eingeladen. Bezirksratspräsident Armin Steinmann bestätigt, der Bezirksrat befinde sich in der Klärungsphase. «Wir haben Gespräche geführt und eines steht noch an.» Die Rolle des Bezirksrates sei es im jetzigen Zeitpunkt, die Schulpflege und den Gemeinderat auf ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten hinzuweisen.

Vorläufig greift der Bezirksrat nicht ein und spricht keine Massnahmen aus.

Vorläufig greife der Bezirksrat nicht ein und spreche keine Massnahmen aus. Schulpflege und Gemeinderat müssten jetzt nachweisen, welche Bemühungen sie unternommen hätten, um die Ordnungswidrigkeiten zu beseitigen. Erst wenn sie alles ausgeschöpft haben und keine akzeptable Situation hergestellt sei, ergreife der Bezirksrat Massnahmen. Beispielsweise könne er eine Behörde anweisen, konkrete Massnahmen zu treffen.

Knapper Schulraum

Der Konflikt um die Präsidentin kommt für die Schule Horgen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Es stehen grosse Aufgaben an, die über das Tagesgeschäft hinausgehen. Dazu gehört die Schulraumplanung, die hohe Investitionen auslösen wird. Die Schule Horgen leidet unter Platznot, musste Notmassnahmen ergreifen und Kindergartenklassen nach Oberrieden und in den Hirzel auslagern. Auch die Frage der ausserschulischen Betreuung muss geklärt werden. Die Schulpflege hat angekündigt, dass sie die verschobene Bedarfsumfrage Ende Oktober durchführen will. Es ist zu erwarten, dass grosse Forderungen an die Schule gestellt werden. Auf das Tapet wird beispielsweise wieder die strittige Frage nach der Anzahl schulfreier Nachmittage in der Unterstufe kommen kommen.

Die Behörden sind also gefordert. Der Gemeinderat werde sich Ende Oktober erstmals wieder mit Schulpräsidentin Carla Loretz zu einer ordentlichen Gemeinderatssitzung treffen, wie Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP) sagt.

Erstellt: 04.10.2019, 15:21 Uhr

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