Horgen

Streit in der Schulpflege von Horgen eskaliert

Die Schulpräsidentin, Carla Loretz, steht mit dem Rücken zur Wand. Ihre Kollegen in der Schulpflege üben harte Kritik und haben die Aufsichtsbehörde eingeschaltet.

In der Schulpflege von Horgen, hier im Bild das Primarschulhaus Rotweg, ist ein Streit um das Präsidium eskaliert.

In der Schulpflege von Horgen, hier im Bild das Primarschulhaus Rotweg, ist ein Streit um das Präsidium eskaliert. Bild: Manuela Matt

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Eigentlich sind die folgenden zwei Sätze aus dem jüngsten Verhandlungsbericht der Horgner Schulpflege völlig harmlos. Eigentlich. «Der Bereich Finanzen ist ein wichtiger und sehr zeitintensiver Faktor. Das Schulpräsidium wird deshalb seit 29. August in diesem Bereich entlastet.»

Doch hinter den zwei Sätzen versteckt sich auch ein handfester Knatsch innerhalb der Schulpflege. Im Fokus: Schulpräsidentin Carla Loretz (parteilos). Wie Recherchen dieser Zeitung zeigen, machen ihr ihre Amtskollegen in der Schulpflege happige Vorwürfe. Mangelnde Kommunikation, schlechte Erreichbarkeit und fehlende Transparenz sind dabei noch die harmlosesten Probleme und Missstände.

Bezirksrat eingeschaltet

Involviert in den Knatsch ist auch der Horgner Gemeinderat, in dem Loretz von Amtes wegen Mitglied ist. Mit den Bedenken rund um die Amtsführung der Schulpräsidentin ist der Gemeinderat Mitte Juli an den Bezirksrat gelangt. Bezirksratspräsident Armin Steinmann (SVP) bestätigt auf Anfrage, dass ihn ein Brief der Horgner Exekutive in dieser Sache erreicht hat. «Wir haben ein entsprechendes Geschäft eröffnet», sagt er. Noch sei es allerdings zu früh, um inhaltlich Stellung zu nehmen.

«Wir haben ein entsprechendes Geschäft eröffnet.»Armin Steinmann, Präsident Bezirksrat

Auch Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP) «darf und will» sich aufgrund des laufenden aufsichtsrechtlichen Verfahrens nicht zu konkreten Problemen mit der Schulpräsidentin äussern. Zurückhaltend sagt er jedoch: «Der Gemeinderat hat in seinem Schreiben an den Bezirksrat den Paragrafen 166 des Gemeindegesetzes erwähnt und um Unterstützung respektive klare Anweisungen ersucht.»

Theo Leuthold gratuliert Carla Loretz am Tag ihrer Wahl. Archivfoto: André Springer

Der entsprechende Paragraf macht deutlich, dass es beim Knatsch mit Schulpräsidentin Loretz nicht einfach nur um persönliche Befindlichkeiten gehen kann. Im Gemeindegesetz ist die Rede von «Ordnungswidrigkeiten», die eine Behörde beheben müsse. Leuthold sagt dazu: «Der Gemeinderat hat die Aufsichtsbehörde im Rahmen seiner Möglichkeiten auf die entsprechende Situation aufmerksam gemacht.» Dies auch deshalb, weil der Exekutive eine hohe Schulqualität für die Schülerinnen und Schüler der Gemeinde Horgen am Herzen liege. «Ausserdem ist die Gemeindeverwaltung auf funktionierende Prozesse im Schulbereich angewiesen.» Auch deshalb habe man den Bezirksrat um Hilfeleistung ersucht.

Probleme haben sich verschärft

Es ist aber nicht beim Brief des Gemeinderates geblieben. Auch Nathalie Böttinger (parteilos), Vizepräsidentin der Schulpflege Horgen, bestätigt, dass seit längerer Zeit innerhalb der Schulpflege «gewisse Probleme und Spannungsfelder» bestehen und «sich diese vor den Sommerferien verschärft haben». Es hätten verschiedene Gespräche innerhalb der Schulpflege und mit dem Gemeinderat stattgefunden. «Leider haben diese nicht den gewünschten Erfolg erzielt, weshalb sich die Schulpflege an den Bezirksrat gewendet hat», sagt Böttinger.

Die heutige Vize-Präsidentin Nathalie Böttinger (rechts) und Schulpflegemitglied Christa Stünzi unterlagen im Wahlkampf 2018 Loretz. Archivfoto: André Springer

Der Brief der Schulpflege an den Bezirksrat, welcher dieser Zeitung vorliegt, macht deutlich, wie isoliert die Schulpräsidentin inzwischen sein muss. Die Schulpflegemitglieder hätten in den vergangenen Monaten feststellen müssen, «dass sie über gewisse Geschäfte falsch oder gar nicht von der Schulpräsidentin informiert wurden». Einzelne Beschlüsse seien deshalb unter «falschen Voraussetzungen und Informationen getroffen worden», zudem habe sie sich nicht an das Kollegialitätsprinzip gehalten.

Eskalation vor den Sommerferien

Vor den Sommerferien sei es dann «zur kompletten Eskalation zwischen der Schulpräsidentin und den Schulpflegemitgliedern» gekommen. Obwohl viele Missstände klar angesprochen worden seien, sei vonseiten der Schulpräsidentin kein Wille zum Handeln und zur Wahrnehmung der Führungsverantwortung spürbar gewesen, heisst es im Brief weiter. Eine weitere erfolglose Aussprache nach den Sommerferien hat dann zu einem Misstrauensvotum der Schulpflege gegenüber der Schulpräsidentin geführt.

Schulbetrieb nicht gefährdet

Böttinger will zu den konkreten Vorwürfen keine Stellung nehmen. Sie sagt: «Dies in der Öffentlichkeit auszutragen, war nicht die Idee dieses Schreibens.» Ihr ist es wichtig zu betonen: «Im Mittelpunkt der Schulpflege steht nach wie vor die Aufrechterhaltung des Schulbetriebes, welcher zu keinem Zeitpunkt gefährdet war oder ist.»

«Der Schulbetrieb war oder ist zu keinem Zeitpunkt gefährdet.»Nathalie Böttinger, Vize-Präsidentin Schulpflege Horgen

Carla Loretz selbst liess Anfragen dieser Zeitung unbeantwortet. Sie weilt derzeit offenbar in den Ferien. Loretz wurde 2017 in einer Ersatzwahl Mitglied der Schulpflege. Seit vergangenem Jahr amtet sie zudem als Schulpräsidentin. Die 40-Jährige kündigte ihre Kandidatur unmittelbar vor dem zweiten Wahlgang an und wurde dann mit mehreren Hundert Stimmen Vorsprung ins Amt gewählt.

In der Schulpflege drohen Rücktritte

Warum die Schulpflege die Verantwortung über die Finanzen von Loretz an André J. Ruggli (CVP) übertragen hat, bleibt indes noch im Dunkeln. Böttinger sagt: «Basierend auf den Erkenntnissen aus dem Budgetprozess wurde das Schulpräsidium in diesem Bereich entlastet.»

Klar ist: Der Knatsch in der Schulpflege dürfte das Gremium noch einige Zeit beschäftigen. Denn die Schulpflege ist offenbar nicht gewillt, die Situation einfach hinzunehmen. Dem Bezirksrat gegenüber macht sie in ihrem Brief klar, dass sie eine «weitere Eskalation bis hin zu Rücktrittsgesuchen von Schulpflegemitgliedern» vermeiden möchte. Die Schulpflege erhofft sich vom Bezirksrat deshalb «Unterstützung beziehungsweise klare Anweisungen».

Erstellt: 20.09.2019, 06:23 Uhr

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