Langnau

Langnauer Gemeinderat streicht Dorfmärt und Skilager

Der Gemeinderat von Langnau rechnet für 2020 mit einem kleinen Minus. Der Steuerfuss kann nur gleich bleiben, wenn die Langnauer die «spürbaren Konsequenzen» tragen.

Das Budget 2020 sieht nur ein kleines Minus vor. Um ein grösseres Defizit zu verhindern, müssen die Langnauer sparen.

Das Budget 2020 sieht nur ein kleines Minus vor. Um ein grösseres Defizit zu verhindern, müssen die Langnauer sparen. Bild: Archiv Sabine Rock

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Langnau muss sparen. Und das werden die rund 7'600 Langnauer merken. Dies wird im Budget für das kommende Jahr ersichtlich, das der Gemeinderat am Montag veröffentlicht hat. Er geht von einem kleinen Verlust von 500 Franken aus. Dies bei einem Aufwand von 24'202'900 Franken und einem entsprechend kleineren Ertrag.

Am Steuerfuss von 106 Prozent will der Gemeinderat nicht rütteln. Die Stimmbürger haben diesen an der Gemeindeversammlung vom letzten Dezember so festgelegt. Der Gemeinderat hatte damals eigentlich eine Erhöhung von 102 auf 108 Prozent verlangt.Das war den Langnauern zu viel. Dass die Exekutive nun trotz des tieferen Steuerfusses ein ausgeglichenes Budget präsentiert, hat unter anderem damit zu tun, dass sie das Sparkorsett enger schnallen will.

Dorfmärt gestrichen

Um sparsamer mit dem öffentlichen Geld umzugehen, hat der Gemeinderat unter dem Titel «Haushaltsgleichgewicht 2020» 45 Sparmassnahmen definiert. Er sei sich bewusst, dass diese «im Einzelfall spürbare Konsequenzen haben und von den Stimmberechtigten mitgetragen werden müssen», schreibt er.

Die Sparmassnahmen bedeuten einen Rückgang des Service Public. Konkret werden öffentliche Freizeitkurse wie Kochkurse gestrichen. Im schulischen Bereich fallen das Skilager sowie Schulsportkurse weg. «Bei den Massnahmen mussten wir dort ansetzen, wo wir überhaupt Spielraum haben», sagt Finanzvorstand Beat Husi (CVP). Die Kurse erachte der Gemeinderat zwar als sinnvoll, eine Streichung beeinträchtige die Schulqualität per se jedoch nicht.

«Bei den Massnahmen mussten wir dort ansetzen, wo wir überhaupt Spielraum haben.»Finanzvorstand Beat Husi (CVP)

Auch Langnauer Privatgrundbesitzer spüren die Konsequenzen. Wegen Einsparungen im Winterdienst müssen sie für die Räumung des Schnees auf ihrer Einfahrt künftig bezahlen. Der schonende Umgang mit der Langnauer Gemeindekasse hat Auswirkungen bis in den Kanton Fribourg. In der Gemeinde Jauns hat Langnau in den letzten Jahren eine Solidaritätsaktion durchgeführt. Im Budget 2019 war diese mit 30000 Franken budgetiert. Sie wird nächstes Jahr nicht mehr stattfinden.

Auch in Langnau muss kulturell mit Abstrichen gerechnet werden. So plant der Gemeinderat 2020 den Dorfmärt auf dem Dorfplatz nicht mehr durchzuführen. Damit werden 11'000 Franken gespart. Die Langnauer Vereine müssen zudem mit 10 Prozent weniger Beiträgen rechnen. Mit den 45 Massnahmen will der Gemeinderat jährlich 420'000 Franken einsparen.

Erste Kosten für Unterdorf

Trotz des Sparens kann Langnau nur dank einer ausserordentlich hohen Dividende der Zürcher Kantonalbank mit einem ausgeglichenen Budget rechnen. Diese feiert 2020 ihr 150-jähriges Bestehen und zahlt den Zürcher Gemeinden einen besonders hohen Betrag aus. In Langnau sind dies 226'000 Franken. Ohne den Zustupf müsste die Gemeinde mit einem entsprechenden Verlust rechnen. «Was mit dem Geld passiert ist noch nicht spruchreif. Es soll aber so investiert werden, dass die Bevölkerung etwas davon hat», sagt Husi.

Wegen Einsparungen im Winterdienst müssen Private für die Räumung des Schnees auf ihrer Einfahrt künftig bezahlen.

In Langnau stehen im kommenden Jahr Investitionen im Wert von 5,32 Millionen Franken an. Grosse Punkte sind die Sanierung des Reservoirs Kopfholz für rund 900'000 Franken oder die Sanierung der Kanalisation an der Sihltalstrasse für 860'000 Franken. Zudem könnte Langnau 2020 bereits die ersten Kosten für die Realisierung des Konzepts Unterdorf zu spüren bekommen. Im Juni sollen die Stimmberechtigten über einen Projektierungskredit von 1,6 Millionen Franken abstimmen.

Im Jahr 2020 budgetiert die Gemeinde Langnau im Bereich Bildung ein Mehraufwand von 630'000 Franken. «Diese zusätzlichen Kosten sind in erster Linie auf die Primarschule und Sonderschule zurückzuführen», heisst es in der Mitteilung. Hingegen rechnet der Gemeinderat mit 350'000 Franken mehr Steuern als im Vorjahr. Das letzte Wort zum Budget 2020 hat das Volk an der Gemeindeversammlung im kommenden Dezember.

Erstellt: 07.10.2019, 17:00 Uhr

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