Richterswil

Widerstand gegen geplante Baumfällaktion am Richterswiler Seeufer

Neugestaltung des Seeufers sorgt für rote Köpfe: Nahe der Kantonsgrenze sollen in Richterswil 39 Kastanienbäume gefällt werden. Jetzt regt sich Widerstand gegen die Massnahme.

Diesen Bäumen soll es an den Kragen gehen. Das Ufer würde im Gegenzug natürlicher gestaltet werden.

Diesen Bäumen soll es an den Kragen gehen. Das Ufer würde im Gegenzug natürlicher gestaltet werden. Bild: Archivfoto: Manuela Matt

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Ganz überraschend ist die Opposition nicht. Der Kanton plant zwischen dem Seebad Richterswil und der Grenze zum Kanton Schwyz 39 Bäume zu fällen und ein natürliches Seeufer zu gestalten. Dass eine Interessensgemeinschaft, die sich Baumfreunde Richterswil nennt, damit nicht ganz einverstanden ist, ist irgendwie logisch. Tatsächlich ist die geplante Rodung der Punkt, der die IG am meisten stört.

In einer Stellungnahme lassen die Baumfreunde kein gutes Haar am Renaturierungsprojekt. «Ein Schilfanbau an einem Ort, der die Rodung von vitalen 39 Kastanienbäumen verlangt, ist unseres Erachtens widersinnig», heisst es in der Mitteilung.Vom Zürichsee her gesehen zeige das Dorf heute ein harmonisches Bild. Von der Badi würden sich zwei Engelsflügeln gleich die Baumalleen zum Bahnhof und bis zur Kantonsgrenze erstrecken. Die Menschen schätzten dieses Naherholungsgebiet. Ohne die Bäume würde es hingegen im Sommer unerträglich heiss, ist die IG überzeugt. Die Spaziergänger würden den Pfad im Schnelldurchlauf passieren.

Schilf bringt Nachteile

Um aufzuzeigen, dass die Kastanien noch voll im Schuss sind, hat die IG gar ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. Im Gegensatz zur Gemeinde kommt dieses zum Schluss, dass es nur Pilzbefall einzelner Astlöcher gebe. Wurzeln und Stämme seien davon nicht betroffen. Die Bäume würden auch diversen Vögeln eine Heimat bieten. Ob ein Schilfgürtel dies verbessern würde, glauben die Baumfreunde nicht. Durch Wellenschlag, Schwimmer und motorisierte Seenutzer kämen die brütenden Vögel nach Ansicht der Baumfreunde nicht zur Ruhe.

Die IG anerkennt, dass Richterswil dem Kanton noch eine Renaturierung schuldet, nachdem diese beim Bau des Hafens vergessen gegangen war. Doch sie hat einen anderen Vorschlag als Kanton und Gemeinde: Bei der ARA könne ein Projekt umgesetzt werden und so die Kastanien verschont bleiben. Der bestehende Schilfgürtel könnte demnach verlängert werden.

Was sagt die Gemeinde dazu? Immerhin haben die Behörden versucht, die Baumfreunde in die Planung einzubeziehen. «Wir nehmen den Widerstand sehr ernst», sagt Gemeindeschreiber Roger Nauer. Die Gemeinde stehe in engem Kontakt mit der IG Baumfreunde. Erst am Freitag fand eine Informationsssitzung zwischen der Gemeinde und der IG statt. Das Projekt der Kantonalen Baudirektion wurde den Baumfreunden somit noch vor der Öffentlichkeit vorgestellt.

Naturschützer für Projekt

Gemäss Nauer generiere das Projekt den kommenden Generationen einen einmaligen Seezugang in Richterswil. Auch wenn diverse Bäume weichen müssten: Es würden neue Bäume gepflanzt und ein ökologischer Ausgleich geschaffen. Der Gemeindeschreiber verweist darauf, dass andere Interessierte dem Projekt positiv gegenüberstünden. Der Verein Naturschutz Richterswil sei neben der IG Baumfreunde ebenfalls in die Projektentwicklung integriert worden und stehe hinter dem Projekt. «Es gibt also nicht nur Widerstand», so Roger Nauer.

Ersatzpflanzungen sind im aktuellen Projekt bereits vorgesehen. «Aus Sicht der Gemeinde müssen wir klar festhalten, dass wir verpflichtet sind, an dieser Stelle eine Renaturalisierungsmassnahme umzusetzen», sagt der Gemeindeschreiber. Bereits im Jahr 2003 sei partiell ein ganz ähnliches Projekt geplant – aber nie umgesetzt worden. Die Gestaltung des Richterswiler Seeufers dürfte noch für einigen Gesprächsstoff sorgen.

Erstellt: 17.03.2019, 14:39 Uhr

Die Projekte werden vorgestellt

Der Entlastungsstollen, der von der Sihl in den Zürichsee führen soll, ist der Hintergrund der Renaturierungsmassnahme in Richterswil. Aufgrund des Eingriffs muss der Kanton eine Ersatzmassnahme durchführen. Richterswil wurde ausgewählt, weil die Gemeinde es versäumt hatte, beim Bau des Hafens eine ökologische Ersatzmassnahme durchzuführen. Das geplante Flachufer ist so gross, dass gleich beide Ersatzmassnahmen umgesetzt werden könnten. Am Dienstag stellen die Behörden der Öffentlichkeit das Projekt in Richterswil vor. Am gleichen Tag wird in Thalwil über den geplanten Bau des Entlastungsstollens informiert. Schon Ende letzter Woche hat die Gemeinde Thalwil den Gestaltungsplan Seeufer Bürger aufgelegt. Dieser beinhaltet die Neugestaltung des Seeufers und der Bürger-Badis, die der Bau des Entlastungsstollens nötig macht. Auffällig ist, dass die Idee, auf dem über dem Auslauf liegenden Steg ein Restaurant zu errichten, definitiv beerdigt wurde. Zudem sind nur noch 30 statt 40 Parklätze eingeplant.

Dienstag, 19. März, 18 Uhr, Turnhalle Schweikrüti, Obstgartenstrasse 2, Gattikon. Dienstag, 19. März, 20.30 Uhr, Haaggeri-Saal, Stationsstrasse 17, Samstagern.

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