Richterswil

Richterswil verhindert ein Einkaufszentrum bei der Autobahn

Die Gemeinde greift zu einem Not-Instrument, um eine unerwünschte Entwicklung im Gewerbegebiet bei der Autobahn zu verhindern.

Das Keso-Areal soll ein Arbeitsplatzgebiet bleiben. Der Gemeinderat Richterswil will verhindern, dass sich ein Grossverteiler niederlässt.

Das Keso-Areal soll ein Arbeitsplatzgebiet bleiben. Der Gemeinderat Richterswil will verhindern, dass sich ein Grossverteiler niederlässt. Bild: Manuela Matt

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Der Name tönt harmlos, die Massnahme hat aber eine grosse Wirkung: Es geht um die Planungszone. Gleich über fünf Areale hat der Kanton Zürich auf Ersuchen der Gemeinde Richterswil eine Planungszone erlassen. Sie liegen im Gewerbegebiet rund um die Zufahrt zur Autobahn A3. Verschiedenste Betriebe sind dort angesiedelt. Zu den bekanntesten zählen der Coop Obermatt und Assa Abloy, ein grosses Unternehmen für Sicherheitssysteme.

Die Gemeinde hat die fünf Planungszonen erlassen, um Bauvorhaben zu verhindern, die nicht im Sinn der langfristigen Planung sind. Drei Jahre lang bleiben die Planungszonen und damit ein weitgehendes Bauverbot bestehen.

Gute Lage

Auslöser für die Planungszonen ist die Befürchtung, dass ein Grossverteiler aus dem Dorfkern wegzieht und bei der Autobahn ein Einkaufszentrum erstellt. Konkret geht es um einen Grossverteiler und das Gebiet Unter Schwanden, das im Volksmund noch Keso-Areal nach dem Vorbesitzer heisst. «Das Gebiet würde sich von der Grösse und der Lage her für einen Grossverteiler eignen», sagt Planungs- und Bauvorstand Hansjörg Germann (CVP).

Der Gemeinderat will den Grossverteiler im Dorfzentrum behalten, denn er zieht Passanten an und trägt zur Belebung des Ortskerns bei. Er hofft, dass er die ersatzlose Abwanderung eines Detaillisten aus Richterswil verhindern kann, wenn die Verkaufsflächen in den Gewerbezonen beschränkt werden.

Verkehrskollaps befürchtet

Die zweite Befürchtung ist, dass der Verkehr um den Kreisel bei der Autobahnzufahrt kollabiert, wenn dort ein weiterer Grossverteiler hinzieht. Schon heute ist der Verkehr auf der Bergstrasse, dem Zubringer zur Autobahn, in Spitzenzeiten überlastet. Um den Verkehr zu verflüssigen, ist ein sogenannter Bypass geplant. Der Bypass ist eine zusätzliche Spur, die am Kreisel vorbei direkt auf die Autobahn Richtung Zürich führt.

Gleichzeitig mit dem Bau des Bypasses sollen auch die Fussgängerwege – betroffen sind insbesondere Schulkinder – aus Sicherheitsgründen umgeleitet werden. Eine neue Überbauung im Gebiet Unter Schwanden würde dieses Vorhaben aber behindern.

Assa Abloy hat am Tag vor der amtlichen Publikation Kenntnis erhalten von der Planungszone. «Das ist für uns eine neue Entwicklung, die wir so zur Kenntnis nehmen», sagt Geschäftsleitungsmitglied Simon Kühne. Richterswil sei ein guter Standort für Assa Abloy, und es bestünden keinerlei Verkaufsabsichten.

Die Migros gilt als möglicher Interessent, das Unternehmen winkt aber ab. «Die Planungszonen haben keinen Einfluss auf uns», sagt Gabriela Ursprung, Leiterin der Migros-Zürich-Unternehmenskommunikation. Will heissen, es gebe kein konkretes Projekt im besagten Gebiet. Auch wenn das linke Zürichseeufer für die Migros ein wichtiges Gebiet sei und man sich immer nach möglichen Standorten umschaue.

Die Gemeinde will in den drei Jahren, in denen die Planungszonen in Kraft sind, die Bau- und Zonenordnung (BZO) anpassen. Heute wäre ein Grossverteiler noch zonenkonform. «Wir müssen die politische Diskussion noch führen», sagt Gemeinderat Hansjörg Germann. Diese sei ergebnisoffen und schliesse auch ein Einkaufszentrum nicht im Voraus aus, sofern die künftige Nutzung dem Richtplan entspricht.

Klarheit schaffen

Allerdings sieht der regionale Richtplan Zimmerberg eine andere Nutzung vor. Die Gewerbezone Ober Schwanden ist als regionales Arbeitsgebiet ausgewiesen. In den anderen vier Gewerbezonen, Unter Schwanden, Obermatt, Ober Schwanden und Frohberg, sind gemischte Nutzungen mit Wohnen und Arbeiten vorgesehen.

Ein absolutes Bauverbot bedeuteten die Planungszonen im Übrigen nicht. Laut Hansjörg Germann sind Bauvorhaben weiterhin möglich, wenn sie den Zielen der Richtplanung entsprechen. Er rechtfertigt die Massnahme. Grundeigentümer wüssten jetzt, woran sie seien, bevor sie ein Bauprojekt ausarbeiteten oder eine Handänderung planten.

Die Festsetzung der Planungszonen ist am Freitag amtlich publiziert worden. Sie sind sofort in Kraft getreten. Zwar ist es möglich, beim Baurekursgericht zu rekurrieren. Allerdings würde einem allfälligen Rekurs die aufschiebende Wirkung entzogen.





Erstellt: 26.01.2020, 15:38 Uhr

Weitere Planungszonen in Kraft

Planungszonen sind ein Steuerungsinstrument der Gemeinden. Die Baudirektion setzt solche Planungszonen mehrmals pro Jahr im Kanton Zürich fest. Aktuell sind 13 Planungszonen in Kraft. Nebst jener in Richterswil gibt es zwei im Bezirk Meilen: das Eichtal in Hombrechtikon und der Dorfplatz in Zumikon, wie die Baudirektion auf Anfrage mitteilt.

Die Planungszone ist im kantonalen Planungs- und Baugesetz (PBG) vorgesehen. Gemeinden können das Mittel ergreifen, damit allfällige Baugesuche nicht ihren angestrebten Planungen zuwiderlaufen. Baubewilligungen können erteilt werden, wenn sie den Planungszielen entsprechen.

Planungszonen sind auf drei Jahre befristet. Falls notwendig, kann die Gemeinde eine Verlängerung um zwei Jahre beantragen. Innerhalb dieser Zeitspanne muss sie das Planungsverfahren abschliessen.

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