Horgen

«Mein Gottvertrauen ist durch die Krankheit gewachsen»

Zehn Jahre lang führte Theder Pfister das Alterszentrum Haus Tabea. Ende August gibt der 59-jährige Geschäftsleiter das Zepter wegen einer Nervenerkrankung weiter.

Aus gesundheitlichen Gründen gibt Theder Pfister nach zehn Jahren die Leitung des Horgner Alterszentrums Tabea ab.

Aus gesundheitlichen Gründen gibt Theder Pfister nach zehn Jahren die Leitung des Horgner Alterszentrums Tabea ab. Bild: Moritz Hager

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Wertschätzung, Respekt und Achtsamkeit sind für Theder Pfister (59) zentral. Der abtretende Geschäftsleiter des Hauses Tabea sieht sie als «Schmierseife» im Zusammenleben. Die Achtsamkeit sich und anderen gegenüber hat Theder Pfister denn auch bewogen, die Geschäftsleitung des Alterszentrums Haus Tabea nach zehn Jahren früher als geplant weiterzugeben. Mit ein Grund sind aber auch seine langjährigen Krankheiten.

Er lebt seit fünfzehn Jahren mit der Diagnose Zöliakie, seit acht Jahren zudem mit Parkinson. Besonders der Morbus Parkinson, eine Nervenerkrankung, schränkt ihn je länger, je mehr ein. Gegen das Muskelzittern nimmt er alle drei Stunden Medikamente. Die mit der Krankheit verbundene Steifigkeit erschwert ihm zudem die Arbeit am Computer und bei Auftritten. «Diese Beeinträchtigungen ärgern mich manchmal», gibt er unumwunden zu. Er ist aber zum Schluss gekommen: «Ich wollte die Führung abgeben, bevor ich zur Belastung würde.» Dem Haus Tabea bleibt Pfister aber erhalten. Er wird ab September in Teilzeit für verschiedene Projekte des Alterszentrums arbeiten. Die Führung wird neu Markus Buck übernehmen (siehe Kasten).

Mit Krankheiten leben

Theder Pfister hadert nicht mit seinem Schicksal. «Das würde die Situation nur erschweren», sagt er. Pfister ist im christlichen Glauben verwurzelt und vertraut auf Gottes Führung. «Mein Gottvertrauen ist durch die Krankheit gewachsen», sagt er. Zwar behindern ihn die Symptome der Krankheiten oft, doch das helfe ihm, die Bewohner besser zu verstehen, «die sich auch nicht mehr über Leistung und Ansehen definieren und sich ihrer Endlichkeit bewusst sind».

Sein Fazit als Leiter des Hauses Tabea ist positiv: «Wir haben in den letzten zehn Jahren viel erreicht.» Konkret konnte die Bettenkapazität nach dem Bau 2013 verdoppelt werden. Neue Angebote wie die Demenzabteilung und die Abteilung für Menschen in Übergangssituationen sind entstanden. Das Haus habe einen guten Ruf und sei grossmehrheitlich ausgelastet. Zudem dürfe das Alterszentrum «ein kirchlicher Ort sein, wo Glaube kein Tabu ist». Dies würde auch den Umgang mit den Menschen prägen. Theder Pfister sagt dazu: «Als Mensch gebe ich anderen eine Chance, als Christ möchte ich dem Mitmenschen eine zweite Chance zu geben.»

Lob als Motivator

Professionelle Arbeit allein genüge nicht, um in einer Institution eine gute Kultur entstehen zu lassen, sagt er. Der auffallend schlanke Mann mit dem freundlichen Augen sitzt im Sessel seines stilvoll eingerichteten Büros. Er wirkt ruhig, diszipliniert und nahbar. «Ich war mit Leib und Seele und viel Herzblut Geschäftsleiter in diesem Haus», sagt er.

Zum guten Umgang im Haus Tabea gehörte für Pfister die Wertschätzung. Dazu zählt er auch die Ermutigung. «Wichtig ist die Botschaft: Du kannst etwas, ich traue dir etwas zu und gebe dir darum Spielraum in deinem Tun.» Dies gelte sowohl für die rund 150 oft beeinträchtigten Bewohner im Haus wie auch für die über 200 Mitarbeitenden. Auch für sie sei Lob und Wertschätzung ein wichtiger Motivator. Dass im Haus Tabea alle persönlich mit ihrem Namen angesprochen werden, habe ebenfalls mit Wertschätzung zu tun. Auch im Alter seien Menschen Individuen mit persönlichen Lebensgeschichten und nicht einfach Patienten.

Erstellt: 24.08.2019, 08:51 Uhr

Markus Buck wird neuer Leiter

Markus Buck (60), Betriebswirtschafter mit Führungserfahrung in der Privatwirtschaft, wird ab 1. September die Geschäftsleitung des Alterszentrums Haus Tabea übernehmen. Er verfügt über eine Zusatzausbildung in Gerontologie und ist akkreditierter Mediator. Buck ist seit knapp zwei Jahren im Haus Tabea als Leiter Zentrale Dienste und Mitglied der Geschäftsleitung tätig und seither Stellvertreter des abtretenden Geschäftsleiters Theder Pfister.

«Ich freue mich auf die neue Herausforderung und werde mein Bestes geben, um bei den bevorstehenden Veränderungen gemeinsam mit allen Mitarbeitenden die professionelle Pflege und Betreuung im Haus Tabea weiterhin zu garantieren», sagt er. Das Alterszentrum, ideell verwurzelt in der evangelisch-methodistischen Kirche, will sein Angebot weiter ausbauen und die Möglichkeiten der Digitalisierung gezielt ausschöpfen.

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