Horgen

Grüne Wiese wird zum Politikum

In Horgen bahnt sich ein Rechtsstreit um das Gebiet Ebnet an. Anwohner haben gegen den Gestaltungsplan Einwendungen eingereicht. Sie kritisieren die zu hohe Dichte.

70 zusätzliche Wohnungen sieht der private Gestaltungsplan Ebnet auf der rund 18 000 Quadratmeter grossen Obstwiese zwischen Ebnet- und Kummrütistrasse vor.

70 zusätzliche Wohnungen sieht der private Gestaltungsplan Ebnet auf der rund 18 000 Quadratmeter grossen Obstwiese zwischen Ebnet- und Kummrütistrasse vor. Bild: pd

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Auf der 17 700 Quadratmeter gros­sen Obst­wiese nordwestlich der Firma Feller AG im Ebnet sollen an Hang­lage sieben Mehrfamilienhäuser mit rund 70 Wohnungen und allenfalls ein weiteres Gebäude entstehen. Der private Gestaltungsplan dazu lag bis am 18. Juni für das Einwendungsverfahren öffentlich auf – am 13. Dezember entscheidet dann die Gemeindeversammlung Horgen dar­über.

Am Donnerstag hat nun die Delegiertenversammlung der Zürcher Planungsgruppe Zimmerberg (ZPZ) im Anhörungsverfahren zuhanden von Horgen Stellung bezogen: Sie kommt zum Schluss, dass der zwischen Bauherrschaft und Gemeinde ausgehandelte private Gestaltungsplan den «Zielsetzungen und Vorgaben der Region entspricht». Was zumindest keinen selbstverständlichen Befund darstellt. Denn: Im regionalen Richtplan wird das Areal als Gebiet mit niedriger bau­licher Dichte und mit geringer bis mittlerer Nutzungsdichte und als Wohngebiet an landschaftlich empfindlicher Lage ausgewiesen. Und dort soll nun in Abweichung von der Regelbauweise dank dem Gestaltungsplan eine Baumassenziffer von fast 2 Kubikmetern statt 1,2 Kubikmeter pro Quadratmeter und damit eine hohe bau­liche Verdichtung zulässig werden.

«Formale» Überschreitungen

Bei der Erläuterung der ZPZ- Stellungnahme räumte Oscar Merlo, Fachberater der ZPZ, denn auch ein, dass die Vorgaben des Richtplans zumindest «formal» nicht überall eingehalten würden. Dafür überzeuge das Vor­haben in qualitativer Hinsicht und mit einer ausserordentlich guten Eingliederung in die Landschaft, was man letztlich vonseiten der ZPZ höher ge­wichte. Überschritten wird gemäss Merlo etwa die gemäss Richtplanung vorgegebene «mittlere Nutzungsdichte».

Wie die ZPZ in ihrer Stellungnahme zudem ausführt, dürfen gemäss Richtplan in Gebieten mit niedriger bau­licher Dichte «in der Regel» zwei Vollgeschosse erstellt werden und beträgt zumindest der «Richtwert» bezüglich maximaler Gebäudelängen 25 Meter. Tatsächlich aber «treten die Gebäude als Dreigeschosser in Erscheinung und sind zum Teil deutlich länger als 30 Meter», hält die ZPZ in der Stellungnahme fest. Dank der Konzentration auf acht Gebäude und deren Ausrichtung in der Fall­linie des Hangs und dank einer intensiven Neubepflanzung mit Obstbäumen «gelingt jedoch eine gute landschaftliche Eingliederung», urteilt sie.

Auch erlaube die neue Siedlung «trotz hoher bau­licher Dichte, umfassende Durchblicke und Sichtbezüge». Sie befinde sich zudem gemäss kantonaler Planung im Gebiet «urbane Wohnlandschaft», die 80 Prozent des Bevölkerungswachstums aufnehmen soll. «Die ZPZ ist somit der Ansicht, dass der Gestaltungsplan Ebnet die Vorgaben des regio­nalen Richt­plans erfüllt und überdies den Anforderungen des kantonalen Richtplans entspricht», heisst es in der einstimmig verabschiedeten Stellungnahme.

«Knifflig und politisch»

Teilweise kritisch hatte sich in der Diskussion der externe Fachberater von der Regionalplanung Zürich und Umgebung, Roger Strebel, geäussert. Er sprach von einer «kniffligen» und letztlich «eben auch klar politischen» Stellungnahme der ZPZ und wies dar­auf hin, dass man sich mit dem Gestaltungsplan auf planungsrechtlich heiklem Grund bewege. Letzteres wurde auch von Horgens Hochbauvorstand und ZPZ-Vizepräsident Joggi Riedtmann (SP) nicht bestritten. Die Horgner Gemeindebehörde wolle eben den Spielraum zugunsten einer guten Lösung ausschöpfen, zumal eine Regelbebauung mit Punktbauten über den ganzen Hang verstreut, keine Alternative sei. Auch wolle die Gemeinde einen Teil des zu erwartenden Mehrwerts abschöpfen. Bei der Behandlung der Stellungnahme war der für Planungsfragen bei der ZPZ angestellte Fachberater Urs Meier in den Aus­stand getreten. Grund: Meier ist Partner, Verwaltungsrat und Geschäftsleitungsmitglied der Firma Planpartner AG, welche den privaten Gestaltungsplan Ebnet­ ausgearbeitet hat.

An der Delegiertenversammlung wurde auch bekannt, dass die ZPZ-Geschäftsleitung als Nachfolger für den nach zehn Jahren zurücktretenden ZPZ-Präsidenten Ruedi Hatt (FDP, Richterswil), den Oberriedner Gemeindepräsidenten und früheren Kantonsrat und Ex-Geschäftsführer des kantonalen Gewerbeverbands, Martin Arnold (SVP), vorschlägt. Die Wahl soll in der neuen Amtsperiode am 27. September 2018 stattfinden.

Erstellt: 21.06.2018, 15:30 Uhr

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