Horgen

Ein Stück für Freunde des schwarzen Humors

Der Dramatische Verein Horgen hat die Premiere der Komödie «Miss Sophies Erbe», die Fortsetzung des TV-Klassikers «Dinner for One», gefeiert. Zu lachen gibt es in diesem Stück mindestens so viel wie im Kult-Sketch.

An der Première waren gut 100 Zuschauer zugegen.

An der Première waren gut 100 Zuschauer zugegen. Bild: Michael Trost

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Geheuchelte Tränen in den Augen, Geldscheine fest im Blick und im Gepäck Koffer voller Bösartigkeiten für die jeweils anderen – so trifft die illustre Runde potenzieller Erben auf dem herrschaftlichen Anwesen Kübelstein ein. Miss Sophie, hochbetagte Besitzerin des Hauses, ist gestorben. Die Lady war kein Kind von Traurigkeit und liess vier verblichene Ehemänner am Wegesrand zurück. Um «Miss Sophies Erbe» geht es nun im zweiten Kapitel von «Dinner for One», geschrieben vom deutschen Autor Andreas Wenig.

Am Freitagabend verwendet der Dramatische Verein Horgen an der Premiere vor rund 100 Zuschauerinnen und Zuschauer im nicht ganz ausgebuchten Saal des reformierten Kirchgemeindehauses die schweizerdeutsche Bearbeitung des Aargauers Peter Waber. Einstudiert ist das Stück unter der Leitung von Karin Sifrig worden, die für das traditionsreiche Ensemble zum sechsten Mal Regie führt.

Nicht auf den Mund gefallen

Die Komödie besticht durch tiefschwarzen Humor, angereichert mit schlagfertigen Dialogen und punktgenau gesetzten, bitterbösen Beleidigungen. Auch makabre und frivole Sprüche folgen Schlag auf Schlag. Das Publikum kommt aus dem Lachen derart nicht mehr heraus, aber es ist kein Humor zum Schenkelklopfen, hierfür ist der Sprachwitz zu subtil. Dies verdeutlicht bereits der erste Dialog: Die alternde, arrogante Operetten-Diva Ludmilla – eine Paraderolle für Andrea Furrer – reist mit ihrer Assistentin Gundula, gespielt von Denise Seidel, als mögliche Erbin an. Gundula ist zwar charakterlich das genaue Gegenteil von Ludmilla, aber keineswegs auf den Mund gefallen.

Das Stück besticht durch seinen tiefschwarzen Humor. Bild: Michael Trost.

Respekt füreinander ist zwischen den beiden Frauen nicht gefragt. Es wird gestichelt, wo es nur geht, sarkastisch und treffend kommentiert Gundula jedes Wort ihrer Arbeitgeberin, die es nur zu einer Rolle in «Die keusche Baronin» gebracht hat, aber für ihre vermeintlichen Fans nun die 7. Abschiedstournee plant. «Bei der 8. Tour fragen wir dann das Historische Museum als Sponsor an», bemerkt Gundula spöttisch.

Eine explosive Mischung

Empfangen werden die beiden vom hochnäsigen Erblass-Verwalter Harry Ross, alias Thomas Seidel. Weitere Personen, die im Testament der Verstorbenen bedacht sind, sind der skurrile Modemacher Siegfried Roy, hervorragend gespielt von Rolf Traxler, der mit unnachahmlich geschmeidigem Hüftschwung die Bühne des Geschehens betritt. Ernst Jörg gibt den Dandy Richard, der sich augenblicklich in die Pflege von Gilla begibt. Die Rolle der aufgetakelten Krankenschwester und Tabledancerin spielt gekonnt Barbara Roth. Das Stück lässt aber auch die Angestellten des Hauses, Butler Paul alias Markus Weber und Sonja Heule als Köchin Marlies, ausgiebig zu Wort kommen.

Eigentliche Protagonisten und Komparsen gibt es nicht, die Laienschauspielerinnen und -schauspieler gehen höchst professionell ans Werk. Mit Fortdauer des Stücks wird erkenntlich, welch schaurig nette Gesellschaft, deren dunkle Familiengeheimnisse nach und nach enthüllt werden, zusammengekommen ist, ehe es zur Testamentseröffnung kommt. «Es ist alles gut gegangen», sagt Regisseurin Karin Sifrig nach der gelungenen Premiere. Für ihn sei es kaum nachvollziehbar, was es brauche, um so eine Aufführung einzustudieren, spricht ein Zuschauer sie an.

Sifrigs Antwort lautet:«Es war viel Aufwand dahinter.» Mit den ersten Leseproben hätten sie vor rund einem halben Jahr begonnen. «Geprobt wurde danach zwei Mal pro Woche.» Die verdiente Anerkennung für den Dramatischen Verein Horgen war der nicht enden wollende Applaus des Publikums.

Weitere Vorstellungen: Samstag, 18. Januar: 20 Uhr. Sonntag, 19. Januar: 14 Uhr. Dienstag, 21. Januar bis und mit Samstag 25. Januar. Jeweils 20 Uhr im reformierten Kirchgemeindehaus Horgen, Kelliweg 21.

Vorverkauf: Online unter: dvh.ch. Telefonisch unter: 077 486 00 82. Dienstag: 9 bis 11.30 Uhr und Donnerstag: 13.30 bis 15.30 Uhr.

Erstellt: 18.01.2020, 19:27 Uhr

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