Horgen

Ein Schmerzarzt des See-Spitals steht in der Kritik

Das See-Spital in Horgen sieht sich mit happigen Vorwürfen konfrontiert. Die Spitalleitung soll einen Schmerzarzt schützen, der falsche Kosten verrechnet, weil das Spital mitverdiene.

Die Leitung des See-Spitals in Horgen muss sich zusammen mit einem Arzt diversen Vorwürfen stellen.

Die Leitung des See-Spitals in Horgen muss sich zusammen mit einem Arzt diversen Vorwürfen stellen. Bild: zvg

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In den letzten Wochen erschienen in der «Weltwoche» zwei Artikel, die sich kritisch mit einem Schmerzarzt des See-Spitals in Horgen befassten. Unter den Titeln «Dubiose Spritzen» und «Die Methoden des Neurochirurgen D.» zeichnete das Blatt mithilfe angeblicher Zeugen das Bild eines geldgierigen Arztes, der fragwürdige Schmerzbehandlungen zu hohen Preisen durchführt. Beispielsweise habe er einem Patienten aus Ruanda die Implantation eines Neurostimulators empfohlen, der sich im Nachhinein als unnütz herausgestellt habe. Dies sei keine Überraschung gewesen, da angeblich Bildaufnahmen existierten, die Auffälligkeiten an der Wirbelsäule des Patienten zeigen sollen, die mutmasslich die Schmerzen verursacht haben.

Mängel erkannt

Auch die ZSZ hat im Jahr 2008 über den Schmerzarzt D. und seine Arbeit mit dem Neurostimulator berichtet. Das Gerät, das operativ in den Körper eingesetzt wird, sendet Stromimpulse an das Gehirn, die dafür sorgen, dass die Schmerzimpulse beispielsweise bei chronischen Kopf- und Nackenschmerzen nicht mehr wahrgenommen werden. Die ZSZ porträtierte damals eine Patientin, die dank des Neurostimulators wieder ein schmerzfreies Leben führen konnte. Vor dem definitiven Einsatz durfte die Patientin das Gerät einige Tage nach Hause nehmen, um zu testen, ob es Wirkung zeigte. Genau das sei aber bei dem Patienten aus Ruanda nicht passiert. Das Gerät sei ihm ohne vorangegangene Testphase eingesetzt worden, erzählte er der «Weltwoche». Im Operationsbericht von Schmerzarzt D. stehe jedoch das Gegenteil. Nämlich, dass der Patient während der Testphase eine Schmerzreduktion entwickelt habe.

In einem weiteren Fall beschuldigt das Wochenblatt Arzt D., er habe bei einem Patienten eine Ozontherapie durchgeführt, die als wissenschaftlich ungesicherte Methode gelte. D. habe dann der Krankenkasse eine andere angebliche Schmerzbehandlung für rund 10 000 Franken in Rechnung gestellt. Der Patient wollte anschliessend Einsicht in seine Krankenakte und habe feststellen müssen, dass der Arzt davon nichts festgehalten habe. Auch weitere Fälle mit ähnlichen Behandlungsverläufen zeigte die «Weltwoche» auf, die allesamt den Arzt D. belasten.

Von der ZSZ auf die Vorwürfe angesprochen, gibt das See-Spital eigene Fehler zu. «Wir haben die Mängel erkannt und haben sofort nach Bekanntwerden entsprechende Massnahmen eingeleitet und umgesetzt», sagt der Mediensprecher des See-Spitals, Manuel Zimmermann. Ab sofort werde dafür gesorgt, dass jede Behandlung lückenlos dokumentiert werde und vor Beginn jeder Injektions- oder anderen interventionellen Behandlung eine schriftliche Einwilligung des Patienten eingeholt werde (siehe Interview unten).

Persönliche Fehde

Bestritten wird von Manuel Zimmermann hingegen der Vorwurf, die Spitalleitung lasse Schmerzarzt D. gewähren, weil das Spital an den überteuerten Rechnungen mitverdiene. «Das See-Spital bringt für seine Behandlungen die gleichen Tarife zur Anwendung wie die anderen Schmerzkliniken des Kantons Zürich auch», sagt Zimmermann.

Für den Mediensprecher sind die Anschuldigungen gegen D. in erster Linie eine Fehde zwischen zwei Ärzten. «Die Zeugen sind uns bekannt. Sie haben ein persönliches Motiv», sagt Zimmermann zum «Weltwoche»-Artikel.

So gab es laut dem Mediensprecher eine Fehde zwischen dem Neurochirurgen D. und dem früheren Arzt A. P. Letzterer erhebe nun auch die Vorwürfe gegen D. «Die Spitalleitung hat in vielen Gesprächen versucht, zur Beilegung dieses Streits beizutragen», sagt Zimmermann. Ohne Erfolg: «Inzwischen musste A. P. vom See-Spital infolge wiederholter und erheblicher Verstösse gegen das Krankenversicherungsgesetz und gegen Reglemente als Belegarzt deakkreditiert werden. Das heisst, dass A. P. nicht mehr am See-Spital Patienten operieren oder behandeln darf.»

Erstellt: 07.04.2015, 22:22 Uhr

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