Horgen

«Ein Adventstürchen hat sich aufgetan»

Der kantonale Synodalrat hat 30 000 Franken Nothilfe für Familien in Damaskus bewilligt. Zustande kam die Verbindung nach Syrien durch den Horgner Pfarrer Adrian Lüchinger.

Private Kontakte des Horgner Pfarrers Adrian Lüchinger machten es möglich: Der Synodalrat spendet 30 000 Franken für eine syrische Kirche.

Private Kontakte des Horgner Pfarrers Adrian Lüchinger machten es möglich: Der Synodalrat spendet 30 000 Franken für eine syrische Kirche. Bild: Archiv zsz

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit der Bürgerkrieg tobt, ist ein normales Leben in Syrien nicht mehr möglich. Besonders arme und kinderreiche Familien leiden unter der schlechten Wirtschaftslage, die der Krieg mit sich bringt. Da viele Leute Zuflucht in der Kirche suchen, hat sich die katholische Pfarrei St. Cyrill in Damaskus zum Ziel gesetzt, einen Drittel der rund 3000 kinderreichen christlichen Familien in Syrien zu unterstützen. Dank privaten Kontakten des Horgner Pfarrers Adrian Lüchinger wurde der Synodalrat auf das Engagement der Pfarrei St. Cyrill aufmerksam. In der letzten Sitzung des Jahres hat der Synodalrat eine Spende von 30 000 Franken bewilligt.

Adrian Lüchinger, wie kamen Ihre persönlichen Kontakte nach Syrien zustande? Adrian Lüchinger: Vor rund fünf Jahren kam Pater Georges Aboud, der die Pfarrei St. Cyrill in Damaskus mitleitet, für eine Vortragsreihe in die Schweiz. Das Hilfswerk Kirche in Not, das sich für verfolgte und diskriminierte Christen einsetzt, suchte in diesem Zusammenhang eine Wohnunterkunft für den Ordensmann. Während der Zeit, als Pater Georges bei mir wohnte, entwickelte sich eine Freundschaft zwischen uns. Der Kontakt mit ihm und der Kirche in Damaskus blieb all die Jahre über erhalten.

Wie sieht die Si­tua­tion der Christen in Syrien momentan aus? Die syrischen Christen leiden, wie alle Minderheiten, besonders unter der Vormachtstellung des IS. Laut Pater Georges ging es den Christen unter Bashar al-Assad um einiges besser als unter dem Terrorregime. Pater Georges redet das Assad-Regime nicht schön, merkt aber an, dass dieser zumindest die Existenz der Minoritäten geduldet und nicht versucht habe, sie aus dem Land zu vertreiben. Die Pfarrei St. Cyrill in der Hauptstadt Damaskus steht zwar nicht unter Dauerbeschuss, die Leute leiden aber unter dem Exodus der Bevölkerung und dem wirtschaftlichen Zerfall ihres Landes.

Woran fehlt es den Leuten in Damaskus? Aufgrund der kritischen Wirtschaftslage werden nur noch ausländische Devisen, wie etwa Dollar und Euro, als Zahlungsmittel akzeptiert. Viele Menschen haben Mühe, an diese Devisen zu kommen. Ansonsten fehlt es den Menschen vor allem an alltäglichen Dingen wie Kleidern, Strom oder Benzin.

Wofür werden die Spendengelder des Synodalrats eingesetzt? Auch wenn die Spende des Syn­odalrats grosszügig ist, liegt sie nicht in dem Bereich, wo man ein umfassendes Förderprojekt verwirklichen könnte. Neben der Beschaffung der oben erwähnten Dinge wird das Geld vor allem dafür gebraucht, den Menschen eine Perspektive zu geben. So soll etwa in die Schulbildung oder in die medizinische Versorgung investiert werden. Die Spenden sollen helfen, die Si­tua­tion den Menschen vor Ort ein wenig erträglicher zu machen und die Leute so zum Ausharren zu bewegen. In diesem Sinne geht es zu einem ­gewissen Grad auch darum, einen Beitrag zur Entspannung der Flüchtlingssi­tua­tion zu leisten.

Was bedeutet die Spende für Sie persönlich? Da keine Spendenaktion geplant war, ist die Spende des Synodalrats ein kleines Weihnachtswunder. Für mich hat sich ein Adventstürchen aufgetan, als ich vom Entscheid des Synodalrats erfuhr, 30 000 Franken Nothilfe für Familien in Damaskus zu spenden. Besonders gefreut hat mich auch, dass die Kirchenpflege der Horgner Pfarrei St. Josef und die Gottesdienstbesucher spontan Geld gespendet hatten. Auch Pater Georges Aboud sieht die Spende als glückliche Fügung und ist äusserst dankbar für die Unterstützung aus der Schweiz.

Erstellt: 26.12.2015, 10:10 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!