Dreimal durch Oberriedner Fotolinsen gesehen

«Fotografie im Wandel der Zeit» heisst die neue Ausstellung im Ortsmuseum Oberrieden. Sie zeigt, wie unterschiedlich drei lokale Fotografen das Thema interpretieren.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Irgendwie passt da etwas nicht recht zusammen. Auf den Schwarz-Weiss-Fotografien blicken ernste Gesichter dem Betrachter entgegen. Keine Spur eines Lachens. Das ist an alten Aufnahmen an sich nichts Neues. Genauso, wie die leicht abgegriffene Optik, die den Lauf der Zeit in sich trägt. Aber – dieser Eindruck erweist sich bei einigen der Fotos eben als trügerisch. Denn unübersehbar sind die Indizien der Gegenwart: an Kleidungen oder Frisuren der Abgebildeten, an den Personen selber. Handelt es sich doch um lokale Zeitgenossen, die auf einigen der historisch wirkenden Bilder im Ortsmuseum Oberrieden posieren. Das Spiel mit der Inszenierung um das Heute und Gestern kommt von Barbara Sigg. Die Fotografin stellt seit Samstag mit Bruno Hitz und Arie Wubben – alle drei langjährige Oberriedner – im Ortsmuseum aus. Dies zum Thema «Fotografie im Wandel der Zeit».

«Die Fotos sind eine Hommage an die beschwerliche Zeit der Fotografie», sagt Sigg. Damit erweist sie auch ihren eigenen Vorfahren die Referenz: Ihr Ur-Urgrossvater wie auch dessen Schwiegersohn gehörten im Toggenburg zu den ersten Fotografen. Sigg stellt ihren Inszenierungen aktueller Dorfbewohner zudem echte historische Aufnahmen gegenüber: Die heutigen Modelle nehmen eine ähnliche Haltung wie die ursprünglichen ein – und dieselbe versteinerte Mimik.

Herausfordernd für Kinder

«Die Leute für einmal nachdenklich dreinblicken zu lassen, war eine interessante Erfahrung», sagt sie. Unter den Aufgenommenen von heute sind etwa Gemeindepräsident Martin Arnold (SVP) oder Aldo Semadeni vom Sängerbund. Und auch Kinder. «Für sie war das ernste Posieren besonders herausfordernd», erinnert sich Sigg. Bei genauem Hinsehen lässt sich erahnen, wie hier und da ein Herauslachen nur mit Mühe unterdrückt wird.

Als Berufsfotografin hat Sigg die Bilder in ihrem Zürcher Studio gemacht. Einen Gegensatz hierzu zeigen die Werke von Bruno Hitz: Er fotografiert «Züge in schöner Landschaft», wie er sein Hobby, das er sich autodidaktisch angeeignet hat, nennt. So idyllisch sich das anhört; der 56-jährige Schreinereitechniker nimmt für seine Passion einiges in Kauf. Würden sich doch die schönsten Aufnahmewinkel mitnichten gleich neben der Bahnstation befinden. Gut zweistündige Wanderungen durch mitunter wegloses Gebiet und mit der rund zwölf Kilogramm schweren Fotoausrüstung seien Usus.

«Ich will einmalige Fotos machen, nichts, das es schon hundertmal gibt», erklärt er. Letztes Jahr ist er auf der Suche hierfür in einen Schneesturm auf der Kleinen Scheidegg geraten. «Das war grenzwertig», sagt er, «der Sturm blies so heftig, dass ich mich öfters auf den Boden legen musste.» Bei ihm drückt sich der Wandel der Zeit in den porträtierten Zügen nieder: Vor allem bilde er ältere Modelle ab. «Sie haben noch Ecken und Kanten.»

Fotos wie Ölbilder

Ein Anreiz von Hitz ist nicht zuletzt, Aufnahmen ohne Nachbearbeitungen zu machen. Just das Nachbearbeiten begeistert dagegen Arie Wubben. Bei den Werken des gebürtigen Holländers liest sich der Wandel der Zeit in deren technischer Machart ab: Mithilfe von Sofwareprogrammen bearbeitet er die Fotos soweit, dass sie danach die Optik eines Ölbildes haben. Dieses sogenannte Paintingverfahren gestaltet er in unterschiedlichsten Abstufungen und Fokussierungen. «Bei Bildern mit vielen Leuten painte ich im Zentrum weniger stark als am Rand», sagt er etwa zu seinen Arbeiten, die den letztjährigen «Donnschtig-Jass» in Oberrieden zeigen. «So bleiben die Gesichter in der Mitte erkennbar.» Jedes Bild verlange nach einem eigenen Verfahren, erklärt der 65-Jährige. Dies lässt sich an den Motiven mit Oberriedner Anlässen, Landschaften und Szenerien gut nachvollziehen.

Die Ausstellung dauert bis zum 1. Juni. Am Karsamstag, 20. April, findet ein Osterei-Tütschen statt; Besucher können dann eine Porträtaufnahme von Barbara Sigg erstellen lassen. Ortsmuseum Oberrieden, Altweg 9. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 24.02.2019, 14:35 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.