Wädenswil

«Ich bin kein Politiker, sondern ein politischer Mensch»

Erich Schärer (SVP) präsidiert für ein Jahr den Gemeinderat Wädenswil. Damit schliesst sich für ihn ein Kreis. Denn er arbeitete schon als Lehrling für das neue Parlament. Dass man sich für das öffentliche Leben engagiert, hat der gebürtige Schönenberger vom Elternhaus mitbekommen.

Erich Schärer mag den Rosenmattpark. Hier feierte er im Kirchgemeindehaus seine Wahl zum Ratspräsidenten. Dass er den Rat ein Jahr lang leitet, ist für ihn speziell und emotional.

Erich Schärer mag den Rosenmattpark. Hier feierte er im Kirchgemeindehaus seine Wahl zum Ratspräsidenten. Dass er den Rat ein Jahr lang leitet, ist für ihn speziell und emotional. Bild: Sabine Rock

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Erich Schärer schätzt seinen kurzen Arbeitsweg zu Fuss durch den Rosenmattpark. Ihm gefällt dieser Ort mit den grossen, alten Bäumen und dem ehrwürdigen Kirchgemeindehaus, und er nimmt mit einem Augenzwinkern zur Kenntnis, dass dort die Büsten der beiden Wädenswiler Bundesräte Walter Hauser und Robert Haab stehen. Politik ist ihm nämlich wichtig. Sie wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Schon seine Eltern engagierten sich in Schönenberg, wo er aufgewachsen ist. Sein Vater war Mitglied der Schulpflege, seine Mutter gehörte der reformierten Kirchenpflege an.

Was interessiert Sie an der Politik?
Erich Schärer: Für mich war immer klar, dass man sich am öffentlichen Leben beteiligt. Meine Eltern haben es mir schon vorgelebt. Ich strebte aber nicht Macht an, sondern es ging mir immer darum, mich für das Gemeinwohl zu engagieren.

Wie haben Sie sich erstmals in die Politik eingebracht?
Ich nahm in Schönenberg an den Gemeindeversammlungen teil, bevor ich volljährig war und abstimmen durfte. Schon an der ersten Versammlung stellte ich zwei Fragen zu den Finanzen.

Wollten Sie gar Bundesrat werden wie Walter Hauser und Robert Haab?
Nein, ich wollte mich immer in der Wohngemeinde einsetzen. Dieser Wirkungskreis ist überschaubar, man kennt die Leute und hat ein Netzwerk. Ich suchte nichts Höheres. Eigentlich bin ich auch kein Fan des Parlamentes, es geht mir zu langsam. Ich bin es gewohnt, zu entscheiden und zu handeln. Und trotzdem reizt es mich immer wieder.

Was reizt Sie?
Das Mitgestalten, Mithelfen und Mitmachen. Ich würde mich auch nicht als Politiker bezeichnen, sondern als politischer Mensch. Ich will im Hintergrund mitarbeiten und Lösungen suchen. Deshalb muss ich als Gemeinderat auch nicht viele Vorstösse einreichen oder im Rat oft das Wort ergreifen.

Jetzt sind Sie Gemeinderatspräsident und stehen im Scheinwerferlicht. Was bedeutet Ihnen dieses Amt?
Das ist ein schon ein Höhepunkt und ein Abschluss.

Ein Abschluss?
Ich habe keine Ambitionen mehr und bleibe noch höchstens diese Legislatur Mitglied im Gemeinderat. Dass ich das Parlament leiten kann, ist für mich emotional und speziell. Denn als ich in der Lehre auf der Gemeindeverwaltung in Wädenswil war, habe ich für dieses Parlament gearbeitet. Ich kannte auch den ersten Präsidenten, Andreas Ganz, sehr gut.

Ein Höhepunkt ist die 1.-August-Feier. Es ist Tradition, dass der Gemeinderatspräsident die Ansprache hält.
Diese Feier im Geeren zieht seit Jahren schon nicht mehr so viele Besucher an. Ich will deshalb etwas ändern und habe mit dem Stadtrat und dem Verkehrsverein Gespräche über den Austragungsort geführt. Meine Idee ist, dass sie auf dem Seeplatz stattfindet.

Erich Schärer hat sich nebst dem Beruf und der Politik vielfältig engagiert. 15 Jahre lang arbeitete er zwei Tage pro Woche als Laienrichter am Bezirksgericht Horgen. Unter anderem waren dort seine Kenntnisse als Treuhänder gefragt. Auch für soziale Institutionen setzte er sich ein. Er war elf Jahre lang Mitglied des Stiftungsrats des Kinderheims Bühl, wie die Stiftung Bühl in Wädenswil früher hiess. Die letzten drei Jahre präsidierte er den Stiftungsrat. Vor zwei Jahren wurde er in den Vorstand des Wohnzentrums Fuhr gewählt.

Sie wirken besonnen und entsprechen nicht dem Klischee des SVP-Polterers.
Es gibt in meiner politischen Arbeit Parallelen zu meiner Arbeit als Laienrichter. In all den Familienprozessen in den 15 Jahren musste ich nur ein einziges Scheidungsurteil fällen. Die anderen Fälle konnte ich durch Vergleiche erledigen. Darauf bin ich stolz. Ich habe immer versucht, Lösungen zu finden. Man muss zuhören und vermitteln können.

Wieso haben Sie sich für die SVP entschieden?
Ich bin klar bürgerlich und trat in jungen Jahren zusammen mit meinem Jugendfreund Ernst Stocker der SVP bei. Ich habe absolut das Gefühl, ich passe in die SVP, auch wenn ich vielleicht nicht der typische SVP-Politiker bin und nicht mit dem Holzhammer auftrete. Ich höre anderen zu und finde, dass an ihren Ansichten auch etwas Gutes sein kann.

Was würden Sie in Wädenswil gerne ändern?
Es geht mir ähnlich wie den Einbürgerungskandidaten, die sagen, es gebe nicht viel zu ändern. Ich finde, Wädenswil funktioniert gut. Unbefriedigend ist die Verkehrssituation im Bereich Zugerstrasse. Ungelöst ist auch noch, wie Wädenswil konkret günstigen Wohnraum fördern will. Viel zu reden geben wird die Frage einer Fusion mit Schönenberg und Hütten. Ich will darauf hinwirken, dass die Diskussion sachlich geführt wird.

Was machen Sie als Ausgleich zum Beruf und zur Politik?
Ich bewege mich gerne. Früher lief ich Marathons, spielte Fussball und war Fussballschiedsrichter. Ich fahre immer noch Velo, mache Langlauf und durchquere zu Fuss in Etappen die Schweiz. Von Rorschach bis Genf bin ich bereits gewandert. Jetzt geht es von Puntrut bis Chiasso. Die letzte Etappe führte bis Sörenberg. Wenn ich Sport treibe, gibt mir das Energie. Je länger, je lieber jasse ich auch. Inzwischen bin ich in drei Jassgruppen aktiv. Das Jassen ist für mich Erholung.

Ihre Agenda scheint gefüllt. In Ihrem Präsidialjahr werden Sie viele Einladungen erhalten.
Darauf freue ich mich und ich werde die Einladungen auch annehmen. Ich bin meine Ferienplanung auch entsprechend zurückhaltend angegangen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 24.03.2015, 09:00 Uhr

Zur Person

Erich Schärer, 59, ist in Schönenberg aufgewachsen, wohnte 20 Jahre in Samstagern und ist vor neun Jahren nach Wädenswil gezogen. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre in der Gemeindeverwaltung Wädenswil. Erich Schärer ist Inhaber der Acanta AG, Treuhand und Immobilien, in Wädenswil. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. dh

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