Adliswil

Stadtrat will zwei Landflächen verkaufen

Mit dem Verkauf von zwei Parzellen für 9,1 Millionen Franken direkt neben dem Friedhof erfülle der Stadtrat den Willen des Stimmvolks. Die Linken sehen die Veräusserung skeptisch.

Der Adliswiler Stadtrat will zwei Landparzellen nahe dem Friedhof verkaufen.

Der Adliswiler Stadtrat will zwei Landparzellen nahe dem Friedhof verkaufen. Bild: Quelle: Swisstopo

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Die Stadt Adliswil hat heute nicht mehr viel Grundeigentum zur Verfügung, um den sozialen Wohnungsbau zu fördern. Anfangs Juni hat das Parlament daher ein 36 Jahre altes Postulat abgeschrieben, das den Stadtrat aufforderte für bezahlbaren Wohnraum besorgt zu sein. In einem Leserbrief ergänzte Marianne Oswald, Gemeinderätin und Mitglied der Sachkommission, dass das Thema dennoch weiterhin aktuell sei und schrieb: «Der Stadtrat wurde deshalb aufgefordert, darauf bedacht zu sein, nach Möglichkeiten Liegenschaften oder Land für Genossenschaften oder andere Institutionen für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen».

Kaum gesagt, erfolgt bereits der Praxistest. Soeben hat der Adliswiler Stadtrat nämlich beschlossen, zwei angrenzende Parzellen an der Rütistrasse und der Obertilistrasse direkt neben dem Adliswiler Friedhof und nahe dem Schulhaus Kopfholz, zu verkaufen. Die Gesamtfläche beläuft sich auf 3502 Quadratmeter und soll für 9,1 Millionen Franken an die Firma Schütze Immobilien veräussert werden - sofern die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission und das Parlament dem Geschäft zustimmen.

Schätzung von 5,6 Millionen

Der Adliswiler Stadtrat liess im September 2016 eine Verkehrswertschätzung für die Parzellen erstellen und bekam einen Gesamtverkaufswert von 5,6 Millionen Franken bestätigt. Dass nun eine Firma bereit ist 3,5 Millionen Franken mehr zu bezahlen und das entsprechende Höchstgebot abgab, kam durch einen mehrstufigen Verkaufsprozess im Bieterverfahren zu Stande, welcher der Stadtrat durchführte.

Von wenigen stadteigenen Parzellen und einer Berücksichtigung für einen sozialen Wohnungsbau ist im Stadtratsbeschluss zu diesem Geschäft nichts zu lesen. Auf Nachfrage sagt der zuständige Stadtrat Farid Zeroual, dass sich die Parzellen in der Zone W2 befinden würden. In dieser Zone seien hochgeschossige Gebäude nicht erlaubt, was die Landflächen für soziale Genossenschaften nicht attraktiv machen würden. «Wir haben darum keine Gespräche mit entsprechenden Institutionen geführt».

Kritik von linker Seite

Die Grüne Politikerin Marianne Oswald ist darüber nicht glücklich und wird im Parlament gegen den Landverkauf stimmen, wie sie sagt. «Es ist nachhaltiger für eine Stadt, ihr Grundeigentum nicht zu verkaufen. So ist sie auch in Zukunft nicht vom Goodwill privater Grundbesitzer abhängig, wenn sie ein Bauprojekt umsetzen möchte.» Unterstützung bekommt sie von SP-Gemeinderat Wolfgang Liedtke. «Auch ich bin dafür, dass das Land höchstens im Baurecht abgegeben wird», sagt er. Adliswil könne es sich nicht leisten, weitere Landflächen zu veräussern. Er weist darauf hin, dass man das Grundstück an der Obertilistrasse auch zum Tauschen gegen ein anderes Grundstück einsetzen könnte, an dem dann beispielsweise hochgeschossig gebaut werden könnte. Beide Politiker sagen aber auch, dass es sich hierbei um ihre persönliche Meinungen handle und das Geschäft noch nicht in der Fraktion besprochen worden sei.

Farid Zeroual verteidigt indes den geplanten Verkauf. «Wir erfüllen damit den Willen des Stimmvolks», sagt er. Die Veräusserung der Parzellen sei als Absichtserklärung im Projekt für den Schulhausneubau Kopfholz integriert gewesen, dem das Stimmvolk im Frühling 2012 zugestimmt habe. Die Voraussetzungen für den Verkauf seien mit der Inbetriebnahme des Schulhausneubaus Kopfholz im Sommer 2014 und des Hortneubaus im Werd Ende Februar 2016 geschaffen worden.

Schulhaus zum Nulltarif

Bei der Abstimmung über den Schulhausneubau haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger damals einen Kredit von rund 9 Millionen Franken gesprochen. Kommt der Verkauf der beiden Parzellen an der Rütistrasse und der Obertilistrasse nun für das Höchstgebot von 9,1 Millionen Franken zu Stande, hätte Adliswil das Schulhaus durch die Landabgabe praktisch zum Nulltarif gebaut. Das sei aber nicht das Hauptargument für die Veräusserung, sagt Zeroual. «Viel wichtiger ist, dass wir damit Geld generieren, dass wir für die weiteren Schulbauten im Wilacker und Dietlimoos brauchen können», sagt er. Hier kommen in den nächsten Jahren Kosten von rund 38 Millionen Franken auf Adliswil zu. (zsz.ch)

Erstellt: 16.07.2017, 15:07 Uhr

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