Adliswil

Stadtrat soll mithelfen, die Klimakrise zu bewältigen

SP-Parteipräsident Wolfgang Liedtke will mit einem Postulat das Bewusstsein für die Klimakrise auf lokaler Ebene schärfen. In seiner Heimat ist der gebürtige Deutsche gleichzeitig in einer Gewerkschaft, die vor einer übereilten Energiewende warnt.

Der Adliswiler Stadtrat soll bei seiner Arbeit den Fokus verstärkt auf die Klimadebatte setzen – das fordert Wolfang Liedtke.

Der Adliswiler Stadtrat soll bei seiner Arbeit den Fokus verstärkt auf die Klimadebatte setzen – das fordert Wolfang Liedtke. Bild: Emanuel Ammon / AURA

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Die SP in Adliswil will die weltweite Klimadebatte verstärkt in das Bewusstsein des Adliswiler Stadtrats rücken. Wolfgang Liedtke und drei Mitunterzeichnende haben deshalb ein Postulat eingereicht und zeigen damit auf, welche drei Massnahmen auf lokaler Ebene aus ihrer Sicht zum Erreichen der globalen Klimaziele beitragen könnten.

So soll die Exekutive eine Strategie erarbeiten, die eine Senkung der CO2-Nettoemissionen auf null bis im Jahr 2030 anstrebt und diese bis spätestens 2050 erreicht. Geht es nach den Sozialdemokraten, muss sich der Stadtrat auf kantonaler Ebene und im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit dafür einsetzen, das die Grundlagen für die angestrebte CO2-Senkung realisiert werden.

Schliesslich soll der Stadtrat auch die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden anstreben, um Massnahmen zu finden, welche die zukünftige globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad begrenzen.

Ursprung für das Postulat ist der neuste Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen, der in den Medien auch oft als «Weltklimarat» bezeichnet wird. «Der Bericht zeigt wissenschaftlich mit aller Klarheit auf, dass wir uns mitten in einer von Menschen gemachten Klimakrise befinden», schreiben die Postulanten an den Stadtrat. Dabei werde von den Expertinnen und Experten eine Erwärmung um 1,5 Grad bis 2050 als Grenze definiert, damit die damit zusammenhängenden Probleme noch zu bewältigen seien. «Dem Kanton Zürich als grösstem Schweizer Kanton und den hiesigen Parlamentsgemeinden kommen bei der Bewältigung der existierenden und sich verschärfenden Klimakrise mit ihren vielfältigen negativen Auswirkungen eine besondere Verantwortung zu», schreiben die SP-Mitglieder weiter. 

Ein Widerspruch

Wolfgang Liedtke als Erstunterzeichner des Postulats anerkennt auf Anfrage, dass die Stadt Adliswil durch das Energiestadt-Label, mit dem der Stadtrat unter anderem das Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft verfolgt, bereits aktiv Klimaziele anstreben. «Es ist aber wichtig, dass wir das Bewusstsein für die anstehenden Probleme weiter schärfen», sagt er.

Das Postulat mit dem Titel «Massnahmen zur Erreichung der Klimaziele» haben Liedtke und die Mitunterzeichnenden als dringend eingestuft. Als Begründung dafür wird angefügt, dass «die aktuelle Situation schnelles Handeln» erfordere.

Diese Aussage lässt aufhorchen. Der in Deutschland geborene Wolfgang Liedtke ist seit 1978 Mitglied der deutschen Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie. Diese setzt sich in Deutschland gegen ein vorschnelles Abschalten konventioneller Energieträger wie Atomenergie ein. Auch der Kohleausstieg soll verlangsamt werden. «Ich gebe zu, dass es hier einen Widerspruch gibt», sagt Liedtke.

Er sei zwar klar gegen den weiteren Abbau von Braunkohle, dies sei für ihn aber kein Grund, deshalb aus der Gewerkschaft auszutreten. «Zumal die Gewerkschaft auch die Beschäftigten aus den Bereichen der Erzeugung erneuerbarer Energie vertritt und sich deshalb auch für den Ausbau erneuerbarer Energiegewinnung einsetzt.» Und es sei zentral, dass es innerhalb einer solchen Organisation auch kritische Stimme wie die seine gebe.

Erstellt: 11.04.2019, 09:27 Uhr

Fordert in Adliswil mehr Tempo beim Klimaschutz, ist in Deutschland aber Mitglied einer Gewerkschaft, die vor einer übereilten Klimawende warnt: SP-Politiker Liedtke. (Bild: pd)

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