Adliswil

Stadtrat erteilt Veloverkehrskonzept eine Abfuhr

In einer Motion verlangten drei Gemeinderäte vom Stadtrat, ein Veloverkehrskonzept für Adliswil auszuarbeiten. Dieser lehnt den Vorstoss ab. Doch die Motionäre lassen nicht locker.

Auf der steilen Wachtstrasse, die das Adliswiler Zentrum mit Rüschlikon verbindet, können Velofahrer arg in Bedrängnis geraten.

Auf der steilen Wachtstrasse, die das Adliswiler Zentrum mit Rüschlikon verbindet, können Velofahrer arg in Bedrängnis geraten. Bild: Sabine Rock

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Wer in Adliswil mit einem unmotorisierten Fahrrad unterwegs ist, braucht für manchen Anstieg zünftig Kraft in den Beinen. Die Topografie der Sihltalstadt hat es in sich. Doch ist nicht dies der Grund, weshalb Marianne Oswald, Daniel Schneider und Angela Broggini (alle Grüne Partei) in einer Motion finden, «dass es in Adliswil um die Bedingungen für Velofahrer nicht zum Besten steht».

In ihrem Vorstoss an den Stadtrat schrieben die drei Gemeinderäte letzten März, dass zum Beispiel auf den Hauptstrassen Velostreifen weitgehend fehlten oder sich an kritischen Stellen in Luft auflösten. Auf Strassen bergauf, etwa in der engen S-Kurve auf der Wachtstrasse, sei man mit dem Velo riskanten Überholmanövern von Autolenkern ausgesetzt. Auch seien viele Fusswege mit einem generellen Fahrverbot belegt. Velofahrer seien in Adliswil darum oft gezwungen zu wählen «zwischen der Gefahr durch unachtsame Autofahrende, grossen Umwegen und der Illegalität der Fusswege».

Es fehlt die Kompetenz

Der Vorschlag der drei Grünen-Politiker: Adliswil braucht ein Veloverkehrskonzept. Mit der Motion forderten sie den Stadtrat auf, ein solches auszuarbeiten. «Damit soll eine Gesamtschau entstehen, die aufzeigt, welche Bedürfnisse für Velofahrer bestehen und wo welche Massnahmen zweckmässig wären», sagt Marianne Oswald. Schon kleine, günstige Massnahmen würden viel bewirken, ist sie überzeugt. «Beispielsweise eine Fahrerlaubnis im Schritttempo auf ausgewählten Fusswegen.»

Beim Stadtrat hat die Forderung keine Chance. Er lehnt den Vorstoss ab, wie aus seiner schriftlichen Beantwortung hervorgeht. Der Grund: Die Motion sei gar nicht zulässig. Denn Planungsarbeiten wie die Ausarbeitung eines solchen Konzepts «liegen in der ausschliesslichen Kompetenz des Stadtrats», schreibt dieser. Für den Grossen Gemeinderat, zu welchem die drei Motionäre gehören, bestehe gemäss Gemeindeordnung hingegen gar kein Mitwirkungsrecht für ein solches Konzept.

Auch bezweifelt der Stadtrat dessen Nutzen. «Es macht nur Sinn, wenn man die Situation in einem grösseren Zusammenhang anschaut», erläutert die zuständige Stadträtin Carmen Marty Fässler (SP). Dazu müsse es angelehnt sein an ein kantonales Veloverkehrskonzept und an übergeordnete Richtpläne. Auch wäre bei regionalen Velorouten die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden nötig.

Thalwil machts vor

Die drei Grünen-Politiker geben sich mit dieser Antwort nicht zufrieden. «Ob der Grosse Gemeinderat wirklich keine Befugnis hat, ist rechtlich überhaupt nicht sicher», kontert Parlamentarierin Marianne Oswald. Und dass ein Konzept auch auf kommunaler Ebene möglich sei, beweise Thalwil. Die Gemeinde hat letztes Jahr nach einem Mitwirkungsverfahren ein 72 Seiten starkes Konzept für den lokalen Veloverkehr präsentiert. Dieses umfasst einen Katalog kleinerer und grösserer Massnahmen zur Verbesserung des Velowegnetzes. «In Adliswil datiert der aktuellste Velonetzplan hingegen vom Jahr 1998», sagt Oswald.

Wird dem Veloverkehr in Adliswil zu wenig Achtung geschenkt? Nein, stellt Werkvorsteherin Marty Fässler klar. «Wir machen jetzt schon sehr viel.» So würde zum Beispiel bei Strassenbauprojekten jeweils geprüft, wie die Sicherheit für Velofahrer optimiert werden kann.

Erledigt ist die Frage um ein Veloverkehrskonzept noch nicht. Die Motion wird voraussichtlich an einer der nächsten beiden Parlamentssitzungen Thema sein. Davor wollen die Grünen die anderen Parteien von ihrem Anliegen überzeugen.

Erstellt: 19.06.2019, 16:48 Uhr

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