Adliswil

Stadthausareal: ein überholtes Projekt oder noch immer zeitgemäss?

Die Überbauung des Stadthausareals bewegt. Befürworter Patrick Stutz (SVP) verteidigt das geplante Hotel. Gegner Heinz Melliger (Freie Wähler) fordert ein Projekt mit mehr Freiraum.

Sind sich uneinig, was mit diesem Areal geschehen soll: Gemeinderat Heinz Melliger und Ex-Stadtrat Patrick Stutz (rechts).

Sind sich uneinig, was mit diesem Areal geschehen soll: Gemeinderat Heinz Melliger und Ex-Stadtrat Patrick Stutz (rechts). Bild: Michael Trost

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Patrick Stutz, letztes Jahr gaben Sie den Rücktritt aus dem Stadtrat. Nun werden Sie vom Pro-Lager vorgeschickt, um das Projekt Stadthausareal zu verteidigen.
Stutz: Ja, aber ich bin nicht als Alt-Stadtrat hier, sondern als Bürger von Adliswil, der die Vorlage kennt und klar befürwortet.

Melliger: Trotzdem finde ich es befremdlich, dass nicht ein Parteipräsident der Befürworter-Parteien hier Stellung nimmt.

Auch der Stadtrat ist für das Projekt. Stadtpräsident Farid Zeroual wollte sich für dieses Interview aber nicht zur Verfügung stellen. Was sagen Sie dazu?
Stutz: Das ist für mich nachvollziehbar. Die Exekutive hat sich im Weisungsheft geäussert. Im Abstimmungskampf an einem Streitgespräch teilzunehmen, ist nicht Aufgabe des Stadtrats.

Weil sich Stadträtin Karin Fein öffentlich gegen das Projekt geäussert haben soll, wird ihr vorgeworfen, das Kollegialitätsprinzip zu missachten. Was sagen Sie als Parteikollege, Heinz Melliger?
Melliger: Diese Frage kann nur Karin Fein selber beantworten. Was sie wann öffentlich gesagt haben soll, kann ich nicht verifizieren.

Stutz: Das Kollegialitätsprinzip ist ein wichtiges Element der Exekutive, das bewahrt werden muss. Auch wenn es einem nicht passt.

Ende 2015, als der Gemeinderat erstmals über die Vorlage entschied, waren Sie, Heinz Melliger, und Ihre Partei für das Projekt. Was hat sich geändert?
Melliger: Wir hatten schon damals ein ungutes Gefühl wegen des Landverkaufs. Wir wurden vom Stadtrat und der RGPK damals aber beschwichtigt. Doch nun ist bekannt, dass der meistbietende Investor 11 Millionen Franken mehr bezahlt hätte. Die Situation ist damit und auch wegen der veränderten Bedürfnisse eine völlig neue. Wir können nicht akzeptieren, dass die Stadt das Grundstück an zentralster Lage zu einem tiefen Preis weggeben will. Die versprochene Arealnutzung entspricht so in keiner Weise dem Landverlust an dieser Lage, den wir in Kauf nehmen müssten.

«Die künftige
Generation soll über die Perle im Zentrum verfügen.»
Heinz Melliger

Stutz: Alle Fakten lagen für den Gemeinderat auf dem Tisch. Es ging beim Investorenwettbewerb nie darum, möglichst viel Profit zu machen. Viel höher gewichtet wurde das Kriterium, wie gut die vorgegebene Arealnutzung erfüllt ist. Also der Anteil an öffentlich zugänglichen Freiflächen, Gewerbe, Wohnungen und so weiter. Das basierte auf einem Workshop mit der Bevölkerung im Jahr 2010. Daraus wurde auch klar, dass das Stadthausareal das Zentrum mit den Läden auf der anderen Sihl-Seite nicht konkurrenzieren soll.

Heinz Melliger, Sie und die Gegnerschaft kritisieren das geplante Hotel und das Ärztehaus. Beides war aber auch schon 2015 bekannt. Warum der Sinneswandel?
Melliger: Direkt vis-à-vis des Areals entsteht zurzeit ein Ärztehaus. Das konnten wir damals nicht wissen. Ein weiteres Gesundheitszentrum in unmittelbarer Nähe wird nicht ausgelastet sein.

Stutz: Da möchte ich korrigieren. Das Haus, das gerade fertiggestellt wird, ist kein Ärztezentrum. Es beinhaltet im ersten Stock eine Praxisgemeinschaft, darüberliegend sind Mietwohnungen. Im Erdgeschoss ist ein Gewerberaum.

Was stört Sie am Hotel, Heinz Melliger?
Melliger: Auch da hat sich die Ausgangslage geändert. Wir wissen heute, dass voraussichtlich in zwei Jahren im Greencity ein Billighotel mit 600 Betten eröffnet wird. Das wusste man 2015 nicht.

Die Abstimmung über die Zukunft des Stadthausareals ist von einer emotionalen Debatte geprägt. Archivbild: Michael Trost

Ein vernünftiges Argument, nicht wahr, Patrick Stutz?
Stutz: Nein, der Bedarf an einem Hotel ist ungebrochen. Wir erhalten damit auch ein Restaurant mit Gartenwirtschaft und Seminarräume. Solche Räume mit Gastro-Service fehlen hier. Man muss immer nach Rüschlikon oder Thalwil ausweichen. Dort spricht niemand davon, dass die Hotels nicht ausgelastet seien.

Statt nur ein Teil, soll das ganze Areal im Baurecht abgegeben werden, so wollen es die Gegner. Das Land würde weiterhin der Stadt gehören. 2013 stellten sich die Freien Wähler im Sood gegen einen Landkauf der Stadt. Wieso dieser Strategiewechsel?
Melliger: Die beiden Geschäfte sind nicht vergleichbar. Damals wirkte es, als würde die Stadt Land ohne Plan auf Vorrat kaufen wollen. Im jetzigen Fall ist uns einfach wichtig, dass auch die künftige Generation die Möglichkeit hat, über dieses Grundstück, eine Perle im Zentrum Adliswils, verfügen zu können.

«Das Areal ist
für die Stadt
strategisch nicht relevant.»
Patrick Stutz

Stutz: Ob sie das möchte, wisst ihr gar nicht. Sie würde ein bebautes Land erhalten und müsste die Gebäude zurückkaufen. Ob sie diese Mittel haben wird, ist unklar. Es kann sein, dass die Gebäude dann in einem schlechten Zustand sind oder gar Leerbestände herrschen. Das Areal ist zwar wichtig, aber für die Stadt nicht strategisch relevant. Es braucht hier weder eine Schule noch eine Strasse oder sonst öffentliche Infrastruktur.

Bei einem Nein wird das Areal womöglich weitere zig Jahre leer stehen. Was sagen Sie der Bevölkerung, die endlich ein lebendiges Zentrum will?
Melliger: Es würde nicht mehr so lange dauern wie bis anhin. Verzögert wurde es ja vor allem durch das rechtliche Verfahren, in welchem der damalige Stadtrat und der Bezirksrat alle Fristen hinauszögerten. Wir würden jetzt nicht mehr bei Null beginnen. Natürlich wäre es Aufgabe des Stadtrats, eine neue und mehrheitsfähige Lösung zu präsentieren. Das Volk wird bereit sein, nochmals ein paar Jahre zu warten, wenn es dafür ein besseres Resultat erhält.

Stutz: Da sind die Projektgegner sehr optimistisch. Die Parteien und die Interessengemeinschaft haben keinen wirklichen Plan B. Bis jetzt ist jeder Versuch zur Entwicklung des Stadthausareals daran gescheitert, ein mehrheitsfähiges Projekt zu erarbeiten. Ohne Kompromisse wird es ein solches auch in Zukunft nicht geben.

Melliger: Es stimmt, dass wir mit der SP, den Grünen und der GLP bei dieser Vorlage eine aussergewöhnliche Allianz bilden. Doch wir alle finden, dass das Projekt jetzt gestoppt werden muss. Den Plan B können wir nachher ausarbeiten.

Warum sollte es bei einem nächsten Mal besser klappen?
Melliger: Das jetzige Projekt wurde nie im Detail mit dem Volk besprochen. Es ging am Workshop nur um Grundsätze. Bei der Auswahl aus den eingereichten Vorschlägen der Investoren hatte das Volk nichts mitzureden. Die Jury hatte nicht den Mut zu sagen, uns gefällt keines.

Stutz: Das Projekt hat die Jury vollumfänglich überzeugt. Es stand allen offen, die Projektvorschläge an einem öffentlichen Anlass anschauen zu gehen.

Melliger: Aber die Jury hatte da schon entschieden.

Stutz: Ja, aber der Gemeinderat und auch das Volk hatten im Rahmen der Gestaltungsplanauflage und anderer Verfahren mehrfach die Gelegenheit gegen das Projekt zu votieren. Das ist nie passiert. Jetzt müsst ihr Gegnerparteien der Bevölkerung gestehen, dass ihr euch jahrelang geirrt habt.

Wie müsste es denn umgesetzt werden, dass es Ihnen, Heinz Melliger, gefällt?
Melliger: Was fehlt, ist eine richtige Begegnungszone. Auch an der Albisstrasse bei der Migros wurde dem Volk einst eine Flaniermeile versprochen. Was wir jetzt haben, sind ein paar Stühle und ein Wurststand. Eine Erholungszone braucht genügend Freiraum. Auf dem Stadthausareal würde man auf engem Raum zwischen hohen Mauern sitzen. Das ist nicht angenehm.

Können Sie dieses Bedürfnis nachvollziehen, Patrick Stutz?
Stutz: Das hat man durchaus erkannt. Darum sieht das Projekt wie verlangt 60 Prozent Freiflächen vor. Mit einem noch höheren Anteil wäre es nicht mehr sinnvoll bebaubar. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.05.2019, 19:04 Uhr

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