Horgen

«SSM passt sehr gut zu Rieter»

Der Konzernchef von Rieter, Norbert Klapper, will die Erfolgsgeschichte der neu erworbenen Schweiter-Tochter SSM aus Horgen eins zu eins weiterführen. Die Integration in die Winterthurer Industriegruppe soll bis Ende Jahr unter Dach und Fach sein.

Rieter-Konzernchef Norbert Klapper: Integration von SSM in die Winterthurer Industriegruppe soll mit Augenmass erfolgen.

Rieter-Konzernchef Norbert Klapper: Integration von SSM in die Winterthurer Industriegruppe soll mit Augenmass erfolgen. Bild: Keystone

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Norbert Klapper, was an SSM Textilmaschinen hat Sie so überzeugt, dass Rieter bereit war, für diese Firma fast 125 Millionen Franken auf den Tisch zu legen?
Norbert Klapper: Ich kann es auf einen einfachen Nenner bringen: SSM ist eine starke Firma, mit einer starken Technologie, einer starken Marke und einem starken Team. Und die Firma passt sehr gut zu Rieter. Wir sind in einem Bereich in der Textilindustrie tätig, der sehr nah an dem ist, was SSM macht.

Die industrielle Logik dieser Übernahme ist klar: Wie froh sind Sie dabei, dass es sich um eine Schweizer Lösung handelt?
Das Thema war nicht auf unserem Radar. Ich habe aber verstanden, dass dieser Aspekt eine Rolle in der Bewertung dieser Trans­aktion gespielt hat. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Für uns war es einfach eine ausgezeichnete Möglichkeit, das Geschäft von Rieter zu ergänzen und in das Wachstum unseres Unternehmens zu investieren.

Gab es mehrere Kaufkandidaten auf Ihrer Liste?
Natürlich sprechen wir in der Öffent­lichkeit nicht über das ­Verfahren. In erster Linie geht es dar­um, ob eine mögliche Akquisition für Rieter Wert schafft. Und dann stellt sich natürlich immer die Frage: Ist ein Gesellschafter, ein Aktionär interessiert, zu verkaufen, und kriegen wir auch einen Preis zustande, der für beide in Ordnung ist?

Sie haben in Aussicht gestellt, alle Mitarbeitenden von SSM zu übernehmen: Stehen Sie nach wie vor zu dieser Aussage?
Ja, dazu stehen wir. Wir denken, dass die Art und Weise, wie SSM heute aufgestellt ist, sehr gut ist und wir von daher daran nichts ändern müssen.

Bleibt die Marke SSM erhalten, oder wird dem Bereich die Bezeichnung Rieter vorangestellt?
Die Marke SSM bleibt selbstverständlich erhalten. Wir führen bei Rieter – im Geschäftsbereich Components, zu dem SSM neu gehört – bereits vier Marken, die nicht Rieter im Namen tragen: die Firma Graf in Rapperswil, Bräcker in Pfäffikon ZH, Novibra und Suessen. In diese Konstellation passt SSM vorzüglich hinein. SSM ist ein Wert in dem Markt, in dem wir tätig sind, und wir wollen diesen Wert weiterführen.

Bleibt das Management von SSM an Bord, oder ist es im ­Rahmen des Besitzerwechsels zu Abgängen gekommen?
Wir sind sehr froh, dass uns das gesamte Management-Team von SSM erhalten bleibt. Wir freuen uns sehr auf die kommende Zusammenarbeit.

Wie überzeugt sind Sie vom Zukunftspotenzial von SSM? Wird es an der derzeitigen Strategie der Firma Änderungen geben?
SSM arbeitet ja sehr erfolgreich am Markt. Das war auch einer der Hauptgründe, weshalb wir uns überhaupt für diese Firma interessiert haben. Der nächste Schritt wird nun die Integration von SSM sein. Dabei machen wir diese Arbeit mit Augenmass und nur so weit wie nötig, denn, wie gesagt, SSM soll «stand alone» bleiben, also möglichst unabhängig am Markt operieren. Wir haben damit auch schon gute Erfahrungen gesammelt, wie eben beispielsweise mit unserer Tochterfirma Graf AG in Rapperswil. Wenn die Integration einmal abgeschlossen ist, wollen wir uns in aller Ruhe zusammensetzen und schauen, wie sich die Strategie von SSM innerhalb der Rieter-Gruppe weiterentwickeln wird.

Wie lange soll die Integrationsphase von SSM dauern?
Ich denke, dass wir bis Ende Jahr die wichtigsten Schritte hinter uns haben. So lautet der Plan.

Gibt es auch ein Synergiepotenzial zwischen Rieter und SSM, das Sie ausschöpfen können?
Wir haben das Geschäft nicht in erster Linie wegen der Synergien gemacht. Aber es gibt natürlich solche. Es gibt zwar keine Kostensynergien, wie man das in anderen Fällen hat. Die Synergien beziehen sich hier eher auf die Technologieseite. Das Thema Präzisionsspulen lässt sich sehr gut bei den Kurzstapelfaser-Spinnmaschinen von Rieter einbringen. Zu dem Punkt werden wir früher oder später kommen.

Wollen Sie den Standort Horgen weiterentwickeln, oder kommt es – wie bereits 2016 noch unter Schweiter-Ägide – zu Personal- und Produktionsverlagerungen?
Wie gesagt, so wie SSM heute aufgestellt ist, sind wir sehr zu­frieden. Das Geschäft läuft sehr erfolgreich. Von daher gibt es für uns keinen Anlass, am Istzustand irgendetwas zu ändern. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.07.2017, 16:33 Uhr

Rieter im ersten Halbjahr 2017

Der Textilmaschinenkonzern Rieter hat im ersten Halbjahr Gegenwind gespürt. Der Umsatz erreichte 415,2 Mio. Franken, wie das Winterthurer Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Das bedeutet zwar gegenüber dem zweiten Halbjahr 2016 eine deutliche Steigerung. Gegenüber der Vorjahresperiode hat sich jedoch der Umsatz um 5 Prozent reduziert. Mit 495,2 Mio. Franken fiel auch der Bestellungseingang um 3 Prozent ­tiefer aus. Den Konzerngewinn konnte Rieter dagegen mit 10,9 Millionen fast konstant halten.

Die Anfang Juli bekannt ge­gebene Akquisition von SSM in Horgen, dem Weltmarktführer bei Spultechnologien für Textilmaschinen, soll im zweiten Halbjahr einen positiven Beitrag zu Umsatz und Betriebsgewinn (Ebitda) bei Rieter leisten. Rieter hat SSM im Geschäftsbereich Components integriert – einem von insgesamt drei Geschäfts­feldern, neben Machines & ­Systems und After Sales. (ths)

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