Wädenswil

«Sono un Wädenswiler»

Der Wädenswiler Grünliberale Angelo Minutella wurde am 20. März zum neuen Gemeinderatspräsidenten gewählt. In seiner Vision der Stadt produzieren Wädenswiler ihren Strom mit eigenen Solarzellendächern.

Solarzellen auf dem eigenen Dach: Der neue Gemeinderatspräsident Angelo Minutella (GLP) setzt sich für alternative Energiequellen ein.

Solarzellen auf dem eigenen Dach: Der neue Gemeinderatspräsident Angelo Minutella (GLP) setzt sich für alternative Energiequellen ein. Bild: Manuela Matt

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Weshalb wollten Sie als neuer Gemeinderatspräsident auf dem Solarzellendach Ihres Hauses abgelichtet werden?
Angelo Minutella: Die erneuerbare Energie und deren Speicherung sind ein Thema, das uns künftig stark beschäftigen wird. Es wäre möglich, die Energie, die wir brauchen, mit Solarzellen und Biogas selbst zu erzeugen. Dies wäre für das lokale Gewerbe und Industrie eine wichtige Wertschöpfung.

Wie sähe das in Wädenswil aus?
Wädenswil hat ungefähr 4000 Gebäude und 60 Prozent landwirtschaftlich genutzter Fläche. Wir haben also ein grosses Potenzial, diese Flächen wirtschaftlich für die Energieproduktion zu nutzen. Zusätzlich können wir frei entscheiden, ob wir den Strom selbst verbrauchen oder ins nationale Netz einspeisen.

Wann keimte in Ihnen erstmals die Faszination für erneuerbare Energien auf, die auch für die Grünliberale Partei (GLP) ein Leitthema ist?
Schon während meines Elektro-Ingenieur-Studiums begleitete mich das Thema. Es ist ein Irrsinn, Kriege wegen Erdöl zu tolerieren. Oder wegen des schwarzen Golds von diktatorischen Ländern abhängig zu sein. Die Kernreaktorkatastrophe in Fukushima war schliesslich das entscheidende Ereignis, dass ich mich politisch zu engagieren begann. Mir wurde klar: Wir müssen uns heute um diese Probleme kümmern und dürfen sie nicht den kommenden Generationen überlassen.

Ist dies der Grund, weshalb Sie sich für die GLP als Partei entschieden haben?
Genau, unser Leitspruch «Umwelt schützen und Wirtschaft fördern», entspricht meiner persönlichen Haltung. Als Unternehmer fühle ich mich der wirtschaftsfreundlich gesinnten GLP nahe. Ein weiterer Grund, der für die GLP sprach, war, dass man sich in einer kleinen und jungen Partei stärker einbringen und somit mehr Einfluss nehmen kann, als in etablierten Parteien.

Was schätzen Sie an der Schweizer Politik?
Dank der direkten Demokratie können wir hier entscheidend Einfluss nehmen. Sensibilisiert wurde ich auf diese Eigenart auch dank der Aussenperspektive meiner italienischen Verwandtschaft oder bei Projekteinsätzen im Ausland; wiederholt wurde ich auf Abstimmungsresultate angesprochen, die international für Aufsehen sorgten.

«Die Kernreaktorkatastrophe in Fukushima war entscheidend, dass ich mich politisch zu engagieren begann.»Angelo Minutella, Gemeinderatspräsident

Wie möchten Sie Ihr Jahr als Gemeinderatspräsident der Stadt Wädenswil nutzen?
Ich freue mich sehr auf dieses Amt. Nach so kurzer Gemeinderatszeit ist es eine Ehre für mich, diese Aufgabe übernehmen zu dürfen. Das Jahr als Gemeinderatspräsident werde ich nutzen, um öffentliche Einladungen wahrzunehmen, Vorträge zu halten und Sitzungen der verschiedenen Kommissionen zu besuchen.

Welche Anliegen der Kommissionen interessieren Sie denn?
Es fasziniert mich generell, einen tieferen Einblick in die gesetzgebende Seite zu erhalten. Hier geht es um die Wurst. Wichtig für Wädenswil ist zum Beispiel das verdichtete Bauen — ein Thema der Raumplanungskommission. Aber auch der mögliche Zusammenschluss mit Schönenberg und Hütten wird künftig viel zu reden geben.

Einzig GLP stellte sich dem Zusammenschlussvertrag mit den Berggemeinden in den Weg. Wie stehen Sie dazu?
Die kritischen Stimmen kommen nicht nur von der GLP. Wir bemängelten vor allem die zu oberflächliche finanzielle Prüfung. Als Gemeinderatspräsident werde ich aber eine neutrale Haltung einnehmen und mich für einen sachlichen Austausch engagieren. Entscheiden wird das Stimmvolk.

Welche Herausforderungen kommen mit dem neuen Amt auf Sie zu?
Die Vorbereitung der anstehenden Geschäfte wird mich zeitlich spürbar mehr beanspruchen — und dies parallel zu meiner Unternehmertätigkeit. Eine Herausforderungen wird wohl die 1.-August-Rede. Eine einmalige Gelegenheit, in zehn bis zwanzig Minuten eine Botschaft auf den Punkt zu bringen.

Welches Thema sollte Wädenswil Ihrer Ansicht nach anpacken?
Als Unternehmer ist die Förderung des lokalen Gewerbes für mich ein wichtiger Aspekt. Es leidet zurzeit unter dem starken Franken. Mässige und stabile Steuerfüsse ermöglichen sinnvolle Investionen, bei denen alle Beteiligten gewinnen können. Im Hinblick auf eine weltwirtschaftliche turbulente Zeit müssen wir besonderen Wert auf einen ausgeglichenen Finanzhaushalt legen und weitere Defizite vermeiden. Wohn- und Mietergenossenschaften sollten wir gegen steigende Wohnkosten aktiver in ihren Vorhaben fördern.

Worin überzeugt Wädenswil bereits?
Wädi ist äusserst attraktiv für Lernende jeder Stufe, die Ausbildungsmöglichkeiten sind vielfältig. Die gut ausgebaute Infrastruktur und das Einkaufsangebot ergänzen die gute Lage der Stadt. Die abwechslungsreiche Landschaft und die gelebte Kultur geniessen wir sehr. Hier sind meine Kinder gross geworden, mit Stolz sage ich: «Sono un Wädenswiler».

Welche Visionen haben Sie für Wädenswil?
Wenn ich einfach mal träumen darf, dann hätte Wädenswil eine grosszügige, durchgängige Fussgängerzone mit direktem Zugang zum See. Start-ups und etablierte Unternehmen arbeiten eng mit der ZHAW zusammen. Das lokale Gewerbe floriert. Die Fahrzeuge fahren ohne Benzin oder Diesel. Solarzellen produzieren genügend Strom für alle Haushalte in Wädenswil. Touristen würden nach Wädenswil kommen, um die erste energieautarke «Smart City» der Schweiz zu sehen. So sieht mein Wädenswil 2050 aus. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.03.2017, 15:42 Uhr

Zur Person

Angelo Minutella ist seit 2010 Mitglied der GLP Wädenswil. Der studierte Elektroingenieur ETH machte sich schon in den Neunzigerjahren als Entwickler von Softwarelösungen selbstständig. Der Vater von zwei Töchtern (17 und 19 Jahre) gründete 2006 die Winnovation AG, welche IT-Dienstleistungen für grosse und mittelgrosse Unternehmen erbringt. Minutella ist als italienischer Secondo in Stans aufgewachsen, verheiratet und lebt seit 1999 in Wädenswil. Minutella hält auch in der Region Vorträge zu Umweltthemen. Der nächste hat den Titel «Energieautarkie: Chancen und Wege» und findet am Montag, 8. Mai, um 19 Uhr im Hotel Engel in Wädenswil statt. (aes)

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