Öffentlicher Verkehr

So fahren die Züge am See in Zukunft

In knapp 20 Jahren soll das ÖV-Netz im Kanton Zürich deutlich besser sein als heute. Der Zürcher Verkehrsverbund hat sich erstmals in die Karten Blicken lassen, wie 2035 die Züge durch den Kanton rollen.

Bereit für noch mehr Pendler: Das Bahnangebot soll bis 2035 im Kanton Zürich deutlich ausgebaut werden.

Bereit für noch mehr Pendler: Das Bahnangebot soll bis 2035 im Kanton Zürich deutlich ausgebaut werden. Bild: Thomas Egli

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Langsam, aber sicher bereiten sich die Pendler auf den Fahrplanwechsel von Bahn und Bus im Dezember vor. Sie suchen sich aus dem Fahrplan die besten neuen Verbindungen heraus. Denn der Fahrplanwechsel schliesst die vierte Angebotserweiterung der Zürcher S-Bahn ab. Nach dem linken Seeufer 2014 profitieren nun Pendler zwischen Zürich und Winterthur von mehr Verbindungen und ab Juni 2019 mit der S 20 ab Stäfa auch Fahrgäste am rechten Seeufer.

Die Planer der SBB und des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) sind aber längst einen grossen Schritt weiter. Sie denken bereits jetzt über die Zukunft des ÖV-Netzes im Kanton Zürich nach und haben den Fahrplan für die Jahre nach 2035 im Blick. Das ist auch dringend nötig: Denn bis 2040 rechnet der Kanton mit einem Bevölkerungswachstum von 33 Prozent – und 45 Prozent mehr Personenverkehr.

Stabiler Takt

Am Donnerstagabend gaben die Verantwortlichen erstmals detailliert Einblick, wie sich das S-Bahn-Netz bis dann entwickeln soll. Die Planer von SBB und ZVV versprechen den Pendlern kantonsweit mehr Viertelstundentakte, weniger Wartezeiten, bessere Anschlüsse und mehr Züge. Das heisst etwa: Alle 26 Sekunden wird ab 2035 ein Zug den Hauptbahnhof Zürich verlassen.

Grundlage für diesen Ausbau sind ein viertes Gleis am Bahnhof Stadelhofen und der Bau des Brüttener Tunnels auf der Strecke zwischen Zürich und Winterthur. Am linken Seeufer wird mit dem zweiten Zimmerbergtunnel zudem der Verkehr Richtung Zentralschweiz umgekrempelt.

Damit all diese Projekte aber realisiert werden können, braucht es den Segen der Bundespolitik. Die Massnahmen sind Teil des Bahnausbauschrittes 2035, der voraussichtlich im kommenden Jahr von National- und Ständerat behandelt wird. Schweizweit sind rund 12 Milliarden Franken für die Infrastrukturprojekte budgetiert, fast die Hälfte davon entfällt auf die Grossregion Zürich.

Die wichtigsten Fragen und Antworten für die See-Region

Was ändert sich am rechten ­Zürichseeufer? Am rechten Zürichseeufer sollen die Züge ganztags bis nach Meilen (mit Halt an allen Stationen) und Stäfa (ohne Halt bis Meilen ab Stadelhofen) im exakten Viertelstundentakt verkehren. Heute ist der Viertelstundentakt nur bis Herrliberg-Feldmeilen möglich. Ab Mitte 2019 zu den Stosszeiten auch ab Stäfa. Grundlage für das Fahrplankonzept ist der neu geplante Doppelspurausbau auf der Strecke von Herrliberg-Feldmeilen bis nach Meilen. Die Strecke zwischen Männedorf und Stäfa bleibt zwar einspurig, im Bahnhof Männedorf soll das vor Jahren entfernte zweite Gleis aber wieder in Betrieb genommen werden.

Ziel der Planer ist es, die S-Bahnen mit Halt an allen Stationen von Meilen bis nach Uetikon zu verlängern, um mehr Kapazitäten für die Schüler der Kantonsschule Uetikon zu schaffen. Weil der Standortentscheid für die Kantonsschule erst nach dem Planungsstart für den Bahnausbau startete, konnte das Projekt bisher nur teilweise miteinbezogen werden. Klar ist aber, dass in Uetikon die Perronanlagen verlängert werden sollen, um Platz für längere S-Bahn-Züge zu schaffen.

Abgeschafft wird die Direktverbindung der heutigen S 16 an den Flughafen Zürich. Laut dem ZVV ist die Verbindung nicht mehr möglich, weil die Trassen in ­Oerlikon für andere Züge genutzt werden müssen. Ab dem Hauptbahnhof Zürich bestehen dereinst jedoch stündlich zwölf Züge an den Flughafen.

Der Fahrplanentwurf für das rechte Ufer - für grosse Ansicht klicken

Wie wird der Bahnhof ­Stadelhofen umgebaut? Am Bahnhof Stadelhofen ent­stehen ein viertes Gleis und ein zweites Tunnelportal zum Bahnhof Tiefenbrunnen. Gleichzeitig wird auch das heutige enge Mittelperron verbreitert. Der Ausbau mit dem vierten Gleis muss während des laufenden Betriebs erfolgen. Deshalb planen die SBB, das Gleis in einem Tunnel zu realisieren. Das Perron in diesem Tunnel wird mit vier Zugängen aus dem heutigen Bahnhof erschlossen. Bis 2020 wollen die SBB das Vorprojekt des rund 900 Millionen Franken teuren Ausbaus abschliessen.

Wie verändert sich der ­Fahrplan am linken ­Zürichseeufer? Am linken Ufer soll der Regio-Express Richtung Chur im Halbstundentakt verkehren. Nebst den heutigen Halten in Thalwil, Wädenswil und Pfäffikon werden neu auch Horgen und Zürich- Enge angefahren. Dafür entfällt die heutige S 25. Reisende ins Glarnerland müssen in Ziegelbrücke künftig wieder umsteigen. Zusammen mit einer schnellen S-Bahn – der heutigen S 2 – entsteht für die Gemeinden mit ­Regio-Express-Halt ein exakter Viertelstundentakt mit direkten Verbindungen an den Flughafen. Das Angebot wird mit einer S-Bahn ergänzt, die an mehr ­Stationen hält. Allerdings sollen nicht mehr alle Verbindungen am Seeufer umsteigefrei sein.

Zwischen Wädenswil und Einsiedeln hält die heutige S 13 zukünftig auch beim Campus der Zürcher Hochschule im Wädenswiler Gebiet Reidbach. Aus dieser Richtung bestehen in Wädenswil halbstündlich Anschlüsse an den Regio-Express. Zudem wird der Bahnhof Wä­dens­wil komplett umgebaut.

Kann man auch zukünftig von Thalwil direkt nach Luzern fahren? Nein. Mit dem Bau des zweiten Zimmerbergtunnels entfallen die direkten Verbindungen nach Luzern. Zukünftig müssen Pendler in Zug umsteigen. Nach Zug bestehen halbstündliche Verbindungen ab allen Haltestellen zwischen Zürich HB und Horgen Oberdorf. Bis nach Horgen Oberdorf verkehren die Züge ganztags im Viertelstundentakt, heute ist das nur bis Thalwil möglich.

Der Fahrplanentwurf für das linke Ufer - für grosse Ansicht klicken

Wie oft fahren die Züge im Sihltal? Im Sihltal soll die S-Bahn-Linie von Zürich bis nach Adliswil zu den Stosszeiten im 7,5-Minuten-Takt fahren. Zu den übrigen Zeiten – und bis nach Langnau – besteht ganztags ein Viertelstundentakt. Auch die zweite Strecke der Sihltalbahn (SZU) Richtung Uetliberg erhält bis in die Zürcher Binz einen 7,5-Minuten-Takt während der Hauptverkehrszeiten. Solch dichte Takte werden nötig, weil für das Sihltal ein überproportionales Wachstum prognostiziert wird. Grundlage für den Ausbau bei der SZU sind diverse Doppelspuraus­bauten und eine Erweiterung der unterirdischen Haltestelle im Hauptbahnhof Zürich.

Der Fahrplanentwurf für das Sihltal - für grosse Ansicht klicken

Was ändert sich sonst im Kanton Zürich? Die Stossrichtung von mehr Viertelstundentakten gilt für den ­gesamten Kanton Zürich. Der grösste Kapazitätsausbau wird zwischen Zürich und Winterthur und ins Zürcher Oberland realisiert. Richtung Oberland wird das Angebot um 50 Prozent ausgebaut. Mit dem 2,5 Milliarden teuren Brüttener Tunnel können zwischen Zürich und Winterthur 30 Prozent mehr Züge verkehren. In Zukunft verlässt alle zwei ­Minuten ein Zug den Zürcher Hauptbahnhof Richtung Eulachstadt. Die Fahrzeit verkürzt sich von heute 20 auf 15 Minuten.

Was sind die nächsten Schritte? Grundlage für die Infrastrukturausbauten ist der sogenannte Step 2035, der von den eidgenössischen Räten im kommenden Jahr genehmigt werden muss. Dieser kostet schweizweit 12 Milliarden Franken. Die Planungen für die Projekte am Bahnhof Stadel­hofen und am Brüttener Tunnel laufen auch ohne gültigen Bundesbeschluss schon jetzt auf Hochtouren. Die Planer wollen den Zeitplan bis Ende 2035 un­bedingt einhalten. Nebst der Feinplanung der Fahrpläne braucht es für die Umsetzung des ZVV-Konzepts auch 60 neue S-Bahn-Züge und 10 Kilometer neue Abstellgleise.

Erstellt: 22.11.2018, 22:42 Uhr

Ein Blick zurück

Die Zürcher S-Bahn – eine Erfolgsgeschichte

Die Zeiten, als 1847 die Spanischbrötlibahn noch mit einer Dampflokomotive frische Backwaren von Baden nach Zürich transportierte, sind längst ­vergangen. Auch jene rund 100 Jahre danach: Mit dem Wirtschaftswachstum in den 1950er- und 1960er-Jahren ver­änderten sich auch die Lebensgewohnheiten. Die Mobi­lität der Menschen nahm zu, plötzlich entstanden Staus auf den Strassen und Parkplatznot in den Städten. In dieser Zeit dachte man erstmals über ein schnelles Eisenbahnnetz im Kanton Zürich nach. Die Planung allerdings harzte: 1973 lehnen die Zürcher Stimmbürger eine Kombination von einer U-Bahn und einer S-Bahn ab. Erst im zweiten Anlauf, diesmal mit dem Konzept einer reinen S-Bahn, klappt es: Die Stimmberechtigten stimmen einem 500-Millionen-Franken-Bau- und -Betriebsprojekt zu.

Herzstück dieses Projekts ist der Bau des Bahnhofs Zürich Museumstrasse (heutige Gleise 41 bis 44 im Hauptbahnhof) und der Neubaustrecke von ­Zürich-Hardbrücke über den Hauptbahnhof und Stadelhofen bis nach Stettbach und ein Taktfahrplan. Gleichzeitig mit der Eröffnung der neuen Linien startet 1990 auch der ZVV und ermöglicht das Reisen mit einem Ticket für alle Verkehrsmittel.

Das neue Angebot wurde rasch zu einem Renner. 2017 nutzten 651 Millionen Fahr­gäste das Angebot des Zürcher Verkehrsverbundes. Zum Vergleich: Die Zahl jener Fahrgäste, die täglich mit der S-Bahn die Stadtgrenze von Zürich queren, hat sich seit 1990 verdreifacht.

In diesem Dezember wird die 4. Teilergänzung der Zürcher S-Bahn mehrheitlich abgeschlossen. Mitte 2019 folgt noch die S 20 am rechten Seeufer. Der Ausbau bringt laut dem ZVV eine Angebotssteigerung von 25 Prozent. Herzstück dieses Ausbaus ist unter anderem der 2014 eröffnete Bahnhof Zürich- Löwenstrasse (Gleise 31 bis 34). Die letzte Etappe dieser Ergänzung bringt ab Dezember nun mehr Kapazität zwischen ­Zürich und Winterthur.

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