Thalwil

Sie will Thalwil für das Lesen begeistern

Annette Boll stellt aus eigener Initiative das Lesefestival «Thalwil liest vor» auf die Beine. Sie findet es enorm wichtig, das Lesen und Vorlesen in den Fokus der Gesellschaft zu stellen.

Sie ist froh, wenn’s endlich losgeht mit dem Festival «Thalwil liest»: die Initiantin und Organisatorin Annette Boll.

Sie ist froh, wenn’s endlich losgeht mit dem Festival «Thalwil liest»: die Initiantin und Organisatorin Annette Boll. Bild: Manuela Matt

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Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Da liegen mehrere. Ich komme aber im Moment während der letzten Vorbereitungen zum Lesefestival viel zu wenig dazu, für mich zu lesen.

Motiviert Sie Ihre eigene Leidenschaft dazu, andere für das Lesen zu begeistern?
Wenn mir die Begeisterung dafür fehlen würde, könnte ich andere nicht dazu motivieren. Als ich 2018 vom ersten Schweizer Vorlesetag erfuhr, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich habe mich mit der Schule meiner Söhne in Verbindung gesetzt und Veranstaltungen organisiert. Die Reaktionen darauf waren durchwegs positiv.

Wie ging es danach weiter?
Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen. Ich war inspiriert von den positiven Erlebnissen und wollte etwas Grösseres daraus entstehen lassen. Mit der Idee, viele Menschen aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten in Thalwil und darüber hinaus für das Vorlesen, für Bücher und das Lesen zu begeistern, machte ich weiter. Das Projekt wurde immer grösser, und nun ist «Thalwil liest vor» daraus entstanden.

Ein grosses Projekt, bei dem das Lesen und insbesondere das Vorlesen im Zentrum steht. Was bedeutet das Lesen für Sie persönlich?
Lesen bedeutet sehr viel für mich. Eintauchen in neue Welten, Informationen gewinnen, Geschichten erleben, und natürlich macht es mir einfach Freude. Je mehr ich in das Thema eintauche, desto wichtiger finde ich es, das Lesen und das Vorlesen in den Fokus der Gesellschaft zu stellen.

Welche Gründe sprechen dafür?
Es gibt diverse Studien wie die Pisa-Studien der letzten Jahre, die aussagen, dass jeder fünfte bis sechste Schweizer Jugendliche nach Ende der Schulzeit keine ausreichenden Lesekompetenzen hat. Viele haben Mühe, richtig zu lesen oder überhaupt zu verstehen, was sie lesen. Man muss sich vor Augen führen, was das bedeutet.

«Es gibt diverse Studien, die aussagen, dass jeder fünfte bis sechste Schweizer Jugendliche nach Ende der Schulzeit keine ausreichenden Lesekompetenzen hat.»

Das hat wohl Konsequenzen für das ganze Leben.
Genau. Das hat Auswirkungen auf die persönliche Entwicklung, die Bildungschancen und damit auf die Gesellschaft ganz allgemein. Man kommt nirgends um das Lesen herum, auch wenn man digitale Medien nutzt. Das Lesen hat einen so wichtigen Stellenwert, dass es sich auf die ganze Teilhabe an der Gesellschaft auswirkt. Darauf, dass man überhaupt mitreden kann.

Ist der Bildungsaspekt der wichtigste Teil für Sie im Hinblick auf das Lesen?
Die Bildung, aber auch die Integration. Wenn Kinder und Jugendliche keinen Zugang zu Büchern und zum Lesen haben, geben sie das später den eigenen Kindern auch so weiter. So zieht sich dieser Kreislauf durch. Es geht aber nicht nur um das Lesen selbst. Es fehlt der Zugang zu Geschichten, zu Kultur, zu Werten, die vermittelt werden.

Beim Vorlesen werden Kinder schon früher auf den Geschmack gebracht?
Ja, denn Vorlesen als Vorstufe zur Lesekompetenz fördert den Wortschatz und das Textverständnis. Zudem entsteht Nähe, Bindung zwischen Lesendem und Kind, es regt die Fantasie an und macht Lust auf mehr. Kinder, denen vorgelesen wird, können oft schneller lesen.

Ein riesiges Spektrum, das das Lesen abdeckt. Eigentlich haben Sie sich während Ihrer Ausbildung bereits damit beschäftigt, Sie haben zeitweise Germanistik studiert.
Unüblicherweise habe ich das mit Betriebswirtschaftslehre kombiniert und dann auch lange in diesem Bereich im In- und Ausland gearbeitet. Auf der Projektmanagementebene hat mir das jetzt bei der Organisation des Festivals sehr viel gebracht. Ich habe für «Thalwil liest vor» Fundraising betrieben, Partner gesucht, Autoren und Autorinnen angeschrieben, eigene Aktionen geplant, das ist schon eine riesige Organisation für mich allein. Mein Mann hat auch schon mal gesagt, ich sei mit «Thalwil liest vor» verheiratet. Zum Glück wurde ich von ihm und meinen zwei Söhnen sehr stark unterstützt und bin in der ganzen Gemeinde auf sehr grossen Zuspruch gestossen.

Wie sah dieser Zuspruch aus?
Renommierte Förderer unterstützen das Festival finanziell, sonst wäre ein solches Projekt gar nicht möglich. Ausserdem beteiligen sich zahlreiche Partner mit diversen Leseveranstaltungen und Vorleseaktionen. Durch all diese Zusammenarbeiten ist ein generationenübergreifendes Projekt entstanden, das für jeden Geschmack etwas bereithält und für alle zugänglich ist. Alle Veranstaltungen sind kostenlos, wir freuen uns aber über einen Beitrag in die Kollekte von denjenigen, die etwas geben können, um einen Teil der Kosten zu tragen.

Worauf freuen Sie sich am meisten?
Darauf, dass es endlich losgeht.

Und danach, dass Sie wieder einmal ein Buch vom Stapel auf dem Nachttisch lesen können?
Na ja, das dauert wohl noch eine Weile. Im Juni finden die Kulturtage in Thalwil statt, dort bin ich an einem Projekt beteiligt – es dreht sich wieder um Geschichten.

Thalwil liest vor: 19. bis 26. Mai. www.thalwil-liest-vor.ch.

Erstellt: 14.05.2019, 10:49 Uhr

Oberstufenschüler lesen in ihrer Sprache vor

Am Mittwoch, 22. Mai, findet bereits zum zweiten Mal der Schweizer Vorlesetag statt. Dieser nationale Aktionstag hat zum Ziel, zu zeigen, wie wichtig und schön Vorlesen ist. Initiiert hat den Vorlesetag das Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM) in Kooperation mit
«20 Minuten» und dem Bundesamt für Kultur. In der Zimmerbergregion finden in den Gemeinden Adliswil, Hirzel, Kilchberg, Richterswil, Thalwil und Wädenswil Veranstaltungen statt.

Die Stadtbibliothek Wädenswil zum Beispiel wird Oberstufenschülerinnen und -schüler aus Wädenswil zu Gast haben, die am Nachmittag unter dem Motto «In meiner Sprache» verschiedene Geschichten in ihrer Muttersprache vorlesen. Gelesen wird in Mandarin, Serbisch, Albanisch, Spanisch und Italienisch.

Wie die Veranstalter mitteilen, ist die Idee, dass die kleinen und grossen Zuhörer in einer entspannten Atmosphäre gemeinsam in bekannte und unbekannte Sprach- und Geschichtenwelten reisen. Dies ganz im Sinn des Vorlesetags, der zeigen soll, dass Vorlesen nicht nur Nähe und unvergessliche Erinnerungen schafft, sondern Kinder auch in ihrer sprachlichen Entwicklung unterstützt und fördert. (red)

Weitere Informationen unter www.schweizervorlesetag.ch

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