Adliswil

Von Adliswil aus auf die grosse Theaterbühne

Laura Sophia Becker ist in Adliswil aufgewachsen. Die international gefragte Schauspielerin gastiert ab Mittwoch mit einem Zweipersonenstück in Zürich.

Die Arbeit in einem reinen Frauenkollektiv findet die junge Schauspielerin Laura Sophia Becker befreiend.

Die Arbeit in einem reinen Frauenkollektiv findet die junge Schauspielerin Laura Sophia Becker befreiend. Bild: Sabine Rock

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«Das gibt eine Punktlandung.» Laura Sophia Becker spricht vom Theaterstück «Im Bett», das im Zürcher Kleintheater Keller 62 erstmals in der Schweiz aufgeführt wird. Wir treffen die Schauspielerin zwei Tage vor der Premiere vom Mittwoch. Vieles entwickle sich noch, sagt sie. «Obwohl dafür eigentlich gar keine Zeit mehr bleibt.» Gestresst oder nervös wirkt die 27-Jährige dennoch nicht.

Das Stück beruht auf dem chilenischen Film «En la cama» von Matias Bizet aus dem Jahr 2006. Laura Sophia Becker und Rasmus Max Wirth spielen zwei Fremde, die sich in einem Raum begegnen und ein Gespräch beginnen. Dieses fängt mit Lügen an und endet mit der Wahrheit; je länger es dauert, desto unmöglicher wird es für die beiden, auseinander zu gehen. «Das Stück fragt, was passiert, wenn wir mal wirklich miteinander reden», erklärt Becker. Ein Thema, das in Zeiten des digitalen Dauerrauschens umso dringlicher scheint. Regisseurin Lisa Violetta Gass hat den Text denn auch leicht aktualisiert.

Mitreissende Energie

Laura Sophia Becker ist in Adliswil aufgewachsen und hat schon als Kind oft und gern Theater gespielt, etwa als Mitglied im Kinder- und Jugendtheater Metzenthin. Mit 15 ist sie im Rahmen eines Austauschjahres nach Mexiko gegangen. Dieses Jahr, in dem sie viel getanzt und mit einer Gruppe auf der Strasse Theater gespielt habe, sei der prägende Anfang ihrer Schauspielkarriere gewesen. «Diese Direktheit, Schnelligkeit und Energie rissen mich einfach mit und ich wusste: Das ist es, was ich machen will», erzählt Becker.

Es folgten ein Studium am Drama Centre London und bald die ersten Engagements. So tanzt sie in der Carmen-Produktion der deutschen Choreographin Sasha Waltz und wirkt in einer Performance der serbischen Künstlerin Marina Abramovi? mit. Seit 2015 ist Becker freie Schauspielerin und arbeitet regelmässig mit der Digitalbühne Zürich zusammen. Ihr Netzwerk ist inzwischen so gross, dass sie für ihre Rollen meist direkt angefragt wird.

Arbeit im Kollektiv

2017 hat Laura Sophia Becker zusammen mit Marion Bott die internationale Theaterkompanie Blauhauch gegründet. Die acht Schauspielerinnen entwickeln Stücke ausgehend von Träumen und haben es sich zum Ziel gesetzt, eine neue Form der Kollektivarbeit mit flachen Hierarchien zu finden. Vor jeder Probe schildere jede Schauspielerin kurz, wo sie gerade stehe und was sie allenfalls belaste, erklärt Becker einen Aspekt der Zusammenarbeit. «Wir haben festgestellt, dass die Proben anschliessend viel leichter laufen, weil wir weniger persönlichen Ballast mitschleppen.»

Die Arbeit in einem reinen Frauenkollektiv findet die junge Schauspielerin befreiend. Der Konkurrenzdruck, das Ellbögeln, das die Schauspielerei häufig präge, falle in dieser Gruppe weg. «Auf einmal ist es wichtig, zusammen etwas zu erarbeiten, und nicht, dass man besser ist als die andere.»

Das Thema Gleichberechtigung in der Schauspielbranche treibt Becker um. Sie kommt auf eine deutsche Studie zu sprechen, die 2014 Haarsträubendes ans Licht brachte: Schauspielerinnen verdienen bis zu 50 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, was nicht verwundert angesichts der Tatsache, dass 80 Prozent der Stücke von Männern für Männer geschrieben wurden.

Einzig beim Soufflieren, dem am schlechtesten bezahlten Job, seien die Frauen in der Überzahl. Dass, angestossen durch die Me-Too-Debatte, jetzt ein Bewusstwerdungsprozess anlaufe, findet Becker dringend nötig.

Rote Zora und Harter Brocken

Wenn Laura Sophia Becker in der Schweiz auftritt, probt sie häufig in Adliswil, in einem Probenraum der Siedlung, in der sie aufgewachsen ist. Dort sei schon vieles entstanden. Schon bald wird Becker als Schauspielerin und Co-Regisseurin für das Stück «Zora» proben. Die Adaption von Kurt Helds Jugendroman «Die rote Zora und ihre Bande» hat im Sommer im Winterthurer Theater am Gleis Premiere.

Ebenfalls im Sommer wird Becker in einer neuen Folge der deutschen Krimireihe «Harter Brocken» zu sehen sein. Die Dreharbeiten fanden im Oktober im Harz statt und Becker schwärmt heute noch von der familiären Atmosphäre rund um den Hauptdarsteller Aljoscha Stadelmann.

Weitaus spektakulärer als im deutschen Mittelgebirge war die Landschaft auf Spitzbergen, wo die Schauspielerin zuvor für den amerikanisch-norwegischen Spielfilm «Civil Twilight» vor der Kamera stand. Becker spielt eine deutsche Touristin, der merkwürdige Dinge passieren. Die sonnenverwöhnten Kalifornier hätten am Set im hohen Norden regelrechte Astronautenanzüge angehabt, um nicht zu erfrieren. Sie, die Schweizerin aus Adliswil, fand es dagegen gar nicht so kalt.

Das Stück «Im Bett» mit Laura Sophia Becker wird vom 15. bis 25. Januar jeweils am Mittwoch, Freitag und Samstag um 20 Uhr im Kellertheater 62 in Zürich gespielt.

Erstellt: 14.01.2020, 14:22 Uhr

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