Bezirksgericht Horgen

Sex beim Bahnhof Langnau war in den Augen der Richter eine Vergewaltigung

Ein abgewiesener Asylbewerber wurde am Dienstag zu über vier Jahren Gefängnis verurteilt, weil er in Langnau eine Frau vergewaltigt und bestohlen hat. Er bestritt die Tat bis am Ende und sprach von einvernehmlichem Sex.

Der 25-jährige Zentralafrikaner (vorne links) muss nach seinem Gefängnisaufenthalt die Schweiz verlassen.

Der 25-jährige Zentralafrikaner (vorne links) muss nach seinem Gefängnisaufenthalt die Schweiz verlassen. Bild: Robert Honegger

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Es ist ein hartes Urteil für den abgewiesenen 25-jährigen Asylbewerber aus dem Durchgangszentrum Adliswil: wegen Vergewaltigung und Diebstahl verurteilte ihn das Bezirksgericht Horgen am Dienstag zu 49 Monaten Gefängnis und anschliessend neun Jahren Landesverweis. Hart ist das Urteil für den Zentralafrikaner deshalb, weil es keine Zeugen für die Tat gibt. Die Richter stützten ihr Urteil auf die Aussagen des 21-jährigen Opfers und des Täters. Beide verstrickten sich in ihren Angaben aber immer wieder in Falschaussagen und ungenauen Angaben – schliesslich glaubten die Richter dem Opfer.

Aber der Reihe nach. In der Nacht vom 16. August 2017 trafen sich der jungen Mann, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern im Durchgangszentrum Adliswil wohnte, und die 21-jährige Griechin, welche in der Schweiz Ferien machte, in der Sihltalbahn Richtung Langnau. Die Griechin wollte zu einem Bekannten nach Langnau fahren. Sie hatte ordentlich getrunken. Eine spätere Kontrolle zeigte in ihrem Blut einen Alkoholgehalt von 0,8 bis 1,7 Promille. Der Zentralafrikaner hatte ebenfalls getrunken, sein Promillewert war aber nicht nennenswert hoch.

Klar ist, dass die beiden jungen Erwachsenen ins Gespräch kamen und die einzigen Passagiere im Abteil waren. Worum es im Gespräch ging, ist nicht abschliessend geklärt. Er behauptet heute, sie habe von ihm Kokain gewollt und dafür Sex geboten. Sie sagt, er habe sie aufgefordert mit ihm den Zug zu verlassen. Die Überwachungskamera im Zug zeigte unter anderem, dass die Frau zuerst an einem anderen Platz sass und sich danach zu ihrem späteren Vergewaltiger setzte. Daran, und auch daran, dass der Zentralafrikaner beim Aussteigen an der Endstation in Langnau direkt neben ihr stand, kann sich die Griechin, die für den Prozess extra anreiste, nicht mehr erinnern.

«Schön wärs» sagte der Richter

Es sind immer wieder Beweismittel, welche als Weglampen dieser Geschichte fungieren. Ausgeschmückt wird sie durch die beiden unterschiedlichen Versionen der Beteiligten. So hat beispielsweise ein DNA-Test gezeigt, dass es zum Sex kam. Dieser fand auf der Treppe nach der Unterführung am Bahnhof Langnau statt. Laut dem Zentralafrikaner war er einvernehmlich, laut der Griechin war es eine Vergewaltigung. Gleicher Meinung waren die beiden nur betreffend dem Diebstahl. «Nach der Vergewaltigung hat er meinen Rucksack gestohlen», sagte die junge Frau. Er gab zu, dass er nach dem aus seiner Sicht einvernehmlichen Sex ihren Rucksack mitgehen liess und entschuldigte sich dafür.

Zwischen den beiden Versionen hindurch mussten die Richter am Bezirksgericht Horgen nun Licht ins Dunkel bringen. Dass die Aussagen der Griechin für die Richter dabei mehr Gewicht haben könnten, zeigte sich bereits während der Befragung des Täters. Als dieser sagte, dass er aufgrund der Gräueltaten, welche er in seiner Heimat gesehen habe, nicht in der Lage sei, eine Frau zu vergewaltigen, sagte der Gerichtspräsident trocken: «Schön wärs».

Fall wird weitergezogen

Belastend für den Zentralafrikaner kam hinzu, dass die Griechin Blessuren am Körper aufwies, die auf gewaltsamen Geschlechtsverkehr hinwiesen. Der Verteidiger des Täters versuchte vergeblich darauf hinzuweisen, dass diese nicht zwingend von seinem Mandanten stammen mussten. Rund eine Stunde vor der Zugfahrt hatte die junge Griechin nämlich bereits Sex mit einem anderen Mann in der Nähe der Rimini Bar in Zürich, was das spätere Vergewaltigungsopfer zugab. Dass sie den ersten Sex des Abends aber mit Kondom hatte und der Akt bei der Bahnhofsunterführung ohne Schutz stattfand, war für die Richter ein weiterer Beweis dafür, dass die Intimitäten mit dem Zentralafrikaner nicht freiwillig geschahen.

Nach dem Urteil sagte die Verteidigung gegenüber dieser Zeitung, dass der Fall an die nächsthöhere Instanz weitergezogen werde. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.06.2018, 21:12 Uhr

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