Oberrieden

Seilziehen um Oberriedner Käseladen

Eine Gruppe von Oberriednern befürchtet, der Verkauf einer zentrumsnahen Liegenschaft bedeute das Aus für den Käseladen. Nun will die Gruppe das Haus kaufen. Mitbesitzer und gar nicht erfreut ist Gemeindepräsident Martin Arnold.

Vielfältige Interessen sind an das Haus an der Haldenstrasse 2 geknüpft. Einfach nur bleiben möchte der Käseladen im Erdgeschoss.

Vielfältige Interessen sind an das Haus an der Haldenstrasse 2 geknüpft. Einfach nur bleiben möchte der Käseladen im Erdgeschoss. Bild: Patrick Gutenberg

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Es wirkt unscheinbar, das Haus an der Haldenstrasse 2 in Oberrieden. Doch die private Liegenschaft aus den 1940er-Jahren, in der drei Parteien sowie ein Milch- und Käseladen eingemietet sind, lässt zurzeit im Dorf die Wogen hochgehen. Denn sie steht zum Verkauf. Bis vor wenigen Tagen war sie auf der Internetplattform Homegate ausgeschrieben. Verhandlungsbasis für den Verkaufspreis: 2,2 Millionen Franken.

Bis zum Montag, 11. September, können erste Kaufangebote eingereicht werden. Wie viele davon bis jetzt eingegangen sind, dazu äussert sich der zuständige Sachbearbeiter der ZKB mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht. Sicher ist aber: Ein nicht alltägliches Kaufangebot wird mit dabei sein.

«Haben Angst um Käseladen»

In den letzten fünf Tagen haben sich sieben Nachbarn und Kunden des im Erdgeschoss eingemieteten Käseladens zusammengeschlossen. Sie haben am Donnerstag gemeinsam ein Kaufangebot für die Liegenschaft Hal­den­strasse 2 unterbreitet.

Nicht alltäglich ist auch, dass die Eigentümer im Dorf keine Unbekannten sind. Es handelt sich um den Oberriedner Gemeindepräsidenten Martin Arnold (SVP) und seine beiden Geschwister, Elisabeth Oberholzer (FDP), Schulpräsidentin von Horgen, und Andreas Arnold, ehemaliger Präsident der SVP Horgen. Ihnen will die Siebnergruppe also die Liegenschaft Haldenstrasse 2 abkaufen.

Federführend hinter der Aktion ist mit Beat Stünzi einer, der in Oberrieden ebenfalls bestens bekannt ist. Der Architekt, der auch in der Oberriedner Baukommission sitzt, sagt: «Wir haben Angst, dass die Liegenschaft an einen Investor verkauft wird, der sie renditemässig umbaut, und der Käseladen verschwindet. Und wenn der Käseladen verschwindet, werden auch die anderen beiden Quartierläden Mühe bekommen.»

Stünzi verfolgt vis-à-vis der Haldenstrasse 2, auf der grossen Wiese, selbst ein grosses Projekt. Das Projekt Winkelhalden sieht 50 Wohnungen für 70 ältere Personen vor. Er bewirbt das Projekt, das einer Gestaltungsplanpflicht unterliegt, unter anderem mit den im Quartier vorhandenen ­Läden. Entscheidender ist aber wohl, dass die Eigentümer der Haldenstrasse 2 einspracheberechtigt sind. Wenn Stünzi die Liegenschaft mit anderen zusammen kauft, schaltet er quasi einen Rekurrenten aus. Stünzi räumt denn auch ein, dieser Aspekt spiele in seinem Engagement eine Rolle, aber eine zweitrangige. «Uns geht es primär um die Lebendigkeit des Quartiers.»

Mehr als 250 Unterstützer

Zur Höhe des Gruppenangebots sagt Stünzi nur, es sei tiefer als die im Inserat genannten 2,2 Millionen Franken. «Wir haben nicht so viel Geld.» Um ihm mehr Nachdruck zu verleihen, hat die Gruppe um Stünzi Listen verteilt – unter anderem in den drei Quartierläden –, in denen sich Personen eintragen können, die das Vorgehen der Gruppe unterstützen. Mehr als 250 Namen waren bis Freitag zusammengekommen. Diese und alle, die bis Samstagabend noch dazukommen, sollen dem Angebot noch nachgereicht werden.

Die Listen liegen auch im Käseladen auf. Dessen Betreiberin, Ingrid Haltenberger, sagt auf Anfrage, ihre Kunden hätten sich fleissig eingetragen. «Es ist die Mehrheit der Kunden, die ihren Namen zur Verfügung gestellt hat. Ich hoffe, dass es etwas nützt und dass wir bleiben können.» Denn die Ungewissheit, wie es weitergehe, sei für sie sehr belastend. Haltenberger, die den Laden vor gut drei Jahren übernommen hat, sagt, das Geschäft laufe gut, sie habe treue Kunden nicht nur aus dem Quartier, sondern auch aus Horgen, Thalwil und Adliswil.

«Ich bin erstaunt»

Weniger erfreut über die Aktion sind die Eigentümer. Martin Arnold sagt, die Initianten hätten ihn informiert, er habe Kenntnis von ihrem Anliegen. Es stehe der Gruppe natürlich frei, ein Angebot einzureichen. Dennoch erstaunt ihn das Vorgehen: «Beat Stünzi und ganz viele Oberriedner sollten wissen, dass ich an der Haldenstrasse und mit dem Käseladen aufgewachsen bin. Das Vorgehen der Gruppe insinuiert, dass wir mit dem Verkauf das ­Risiko in Kauf nehmen, dass der Käseladen verschwindet.» Der Oberriedner Gemeindepräsident glaubt aber nicht, dass allein der Eigentümer der Liegenschaft über das Leben oder Nichtleben des Käseladens entscheidet. «Wir werden alle Angebote genau prüfen und dabei die verschiedenen Aspekte berücksichtigen», sagt Arnold, «nicht nur den finanziellen, aber den natürlich auch.»

Seltsam berührt ist der Oberriedner Gemeindepräsident davon, dass die Gruppe um Beat Stünzi mit den Namenslisten von Unterstützern zusätzlich Druck aufzubauen versuchen. «Damit nützen sie die Situation aus, dass wir Geschwister in der Öffentlichkeit stehen. Das ist unerhört.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.09.2017, 20:11 Uhr

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