Gesundheit

See-Spital verlagert Operationen nach Kilchberg

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu den Mindestfallzahlen hat Konsequenzen. Das See-Spital verschiebt Operationen von Horgen nach Kilchberg. Das Paracelsus-Spital hat mehrere Leistungsaufträge verloren.

Die Mindestfallzahlen für Operateure hat personelle Konsequenzen für die regionalen Spitäler (Symbolbild).

Die Mindestfallzahlen für Operateure hat personelle Konsequenzen für die regionalen Spitäler (Symbolbild). Bild: Archiv ZSZ

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Die Gesundheitsdirektion will die Qualität der Operationen steigern. Nach den Mindestfallzahlen für Spitäler ist jetzt auch die Mindestfallzahl für einzelne Ärzte gerichtlich bestätigt worden. Dies, nachdem das Bundesverwaltungsgericht eine entsprechende Beschwerde des Spitals Bülach abgewiesen hat. Zwar sind noch immer acht Beschwerden von Spitälern hängig. Doch es ist davon auszugehen, dass das Gericht in diesen Verfahren nicht anders entscheidet.

Für das See-Spital hat das Urteil unmittelbare Konsequenzen. 14 Ärzte des See-Spitals gehören in den betroffenen Bereichen zu den aktivsten, die auf der relevanten Liste der Gesundheitsdirektion registriert sind. Wie Mediensprecher Manuel Zimmermann sagt, hatte das Spital der Gesundheitsdirektion vorgeschlagen, gewisse Operationen in Kilchberg zu konzentrieren. Auf diese Weise konnte das See-Spital diese Leistungsaufträge behalten.

Die Patienten können weiterhin am See-Spital operiert werden. Der Entscheid bringt allerdings mit sich, dass der vorge­sehene Arzt einen Kollegen als sogenannten Kernoperateur einsetzen muss. Also einen Arzt, der es auf die Liste der Gesundheitsdirektion geschafft hat, weil er pro Jahr genügend Eingriffe ­leistet.

Das Paracelsus-Spital in Richterswil hat bereits mehrere Leistungsaufträge verloren. Denn ­dafür ist die Mindestfallzahl am gesamten Spital entscheidend. So muss das Paracelsus-Spital auf Hüft- und Knieoperationen sowie Operationen von gynäkologischen Tumoren verzichten. Eine Anfrage zu weiteren Konsequenzen des Urteils hat das Spital gestern nicht beantwortet.

Im Spital Männedorf sind von der Mindestfallregelung zurzeit keine Chirurgen betroffen. Das sagt dessen Direktor Stefan Metzker. «Wir stellen uns seit längerem auf den Konzentrationsprozess ein und bieten neben der Grundversorgung nur die Spezialitäten an, die wir auf dem Niveau der Besten anbieten können.» Die Operationen gy­näkologischer Tumoren hat Männedorf daher auf 2019 freiwillig abgegeben.

Auch was die Belegärzte betrifft, löst das Urteil des Bundesverwaltungsgericht in diesem Spital keine Sorgenfalten aus. Rund 15 Belegärzte sind in jenen Bereichen tätig, in denen sie das Chirurgenteam unterstützen könnten «oder in denen es für uns keinen Sinn macht, um eigene Chirurgen anzustellen», erklärt Metzker. In diesen Bereichen zeichneten sich aber kaum Minimalfallzahlen ab. «Bei der Auswahl von Belegärzten schauen wir selbstverständlich auf deren Erfahrung», sagt er.

Gegen freie Berufsausübung

Für die vom Spital Männedorf selbst eingereichte Beschwerde steht das Urteil noch aus. «Doch aufgrund des Urteils zum Spital Bülach leiten wir ab, dass die von den Regionalspitälern sehr ähnlich aufgebaute Argumentation abgeschmettert wird», sagt der Direktor.  «Wir sind daher perplex über die einseitige Interpretation des Bundesverwaltungsgerichtes zu fundamentalen Regeln wie der freien Berufsausübung.»

Das Spital Männedorf habe sich nicht grundsätzlich gegen eine Konzentration der Leistungen gestellt. Es bemängelt aber die Art und Weise wie dies umgesetzt werden soll. «Ich bin überzeugt, dass die Qualität nicht nur von Fallzahlen abhängig ist, sondern auch von einem guten Teamwork und langjähriger Erfahrung», sagt Metzker.

Die Direktorin des Spitals Zollikerberg, Orsola Vettori, sieht von einem Kommentar zum vorliegenden Urteil ab und teilt auf Anfrage mit: «Ich äussere mich zu dieser Sachlage erst, wenn ich das Urteil zu unserem Spital erhalten habe.»

Erstellt: 27.09.2018, 21:20 Uhr

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