Kirche

Seelsorger sind weiter­ im Clinch mit der reinen Lehre

Die Frage, wie die katholische Kirche mit ­Wiederverheirateten und gleichgeschlechtlichen Partner­schaften umgehen will, hat die Bischofssynode nicht beantwortet. Die Seelsorger finden ihre Antworten selbst.

Konkrete Antworten, wie sie mit wiederverheirateten Geschiedenen oder gleichgeschlechtlichen Partnerschaften umgehen, müssen die katholischen Ortskirchen (im Bild jene von Thalwil) auch nach der Familiensynode selber finden.

Konkrete Antworten, wie sie mit wiederverheirateten Geschiedenen oder gleichgeschlechtlichen Partnerschaften umgehen, müssen die katholischen Ortskirchen (im Bild jene von Thalwil) auch nach der Familiensynode selber finden. Bild: Archiv Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Erwartungen waren hoch. Viele Katholiken, die schon län­ger auf eine Öffnung ihrer Kirche ­hoffen, haben sich von der Synode zu Ehe, Familie und Sexualität ein Zeichen erhofft. Diese ist am letzten Wochenende nach drei Wochen zu Ende gegangen.

Das Schlusspapier, welches ­ am Samstag verabschiedet wurde, gibt allerdings auf drängende Fragen keine Antworten. Wie die katho­lische Kirche zu homosexuellen Partnerschaften steht, bleibt unbeantwortet. Und nur eine ­vage Antwort gibt es auf die Frage, ob wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zugelassen werden sollen: Es sei jeder Einzelfall zu beurteilen.

Annäherung an die Realität

Josip Knezevic, katholischer Pfarrer in Rüschlikon, ist dar­über nicht erstaunt. Er hat von der diesjährigen, ordentlichen, Synode «keine revolutionären Entscheide erwartet». Dass seine Kirche etwa die Schwulenehe gutheissen würde, damit hat er nicht gerechnet. Eine positive Entwicklung sieht er aber trotzdem. Es sei «ganz oben in der Kirche angekommen», dass das Ideal der konventionellen Familie in der Realität nicht immer erfüllt werde.

Ähnlich äussert sich auch Adrian Müller, Guardian im Kapuzinerkloster Rapperswil. Er sagt: «Die katholische Kirche kommt langsam in der Postmoderne an.» Er erachtet es als grossen Schritt, dass der Papst in seiner Schluss­rede von Wirklichkeiten im Plu­ral gesprochen hat – so seien auch Antworten im Plural möglich.

Dass die Kirche keine Antwort auf Weltebene gegeben habe, versteht Müller als Stärkung der Ortskirchen: Die Pfarrer vor Ort erhielten einen Ermessensspielraum und würden aufgefordert, jeden Einzelfall genau anzuschauen. Was im Übrigen eine alte Forderung sei, die auf das Zweite Vatika­nische Konzil zurückgehe.

Hoffen auf den Papst

Auch Josef Bernadic, Diakon in Thal­wil, findet es gut, dass die Orts­kirchen zum genauen Hinsehen aufgefordert werden. Trotzdem ist er enttäuscht. Er hätte sich gewünscht, dass die Kirche «als Institution der Barmherzigkeit» Position bezieht: «Die Kirche sollte für alle da sein – so ­sind wir es nicht ganz.» Er erklärt ­ sein Anliegen so: «Differenzieren erfordert zwar keine Rezepte, aber Kriterien. Und solche sollte die Kirche von mir aus gesehen festsetzen.»

Bernadic hofft nun, dass der Papst diese Kriterien nachliefert. «Er soll ja an manchen Sitzungen während der Ausführungen der Konservativen aufgewühlt gewesen sein und die Kardinäle sogar aufgefordert haben, die Sitzung zu verlassen.»

Die drei Seelsorger sind sich aber einig: Einen Einfluss auf ihren konkreten Alltag hat das Ab­schluss­papier nicht – sie schlies­sen niemanden von den Sakramenten aus. Müller sagt, dass Wiederverheiratete von der Kommunion ausgeschlossen würden, sei «kein Thema mehr». Das sei gar nicht praktikabel, sagt Knezevic: «Ich kann ja nicht jeden in ­ der Kirche fragen, ob er wiederverheiratet sei.» Auch Bernadic betont, er schliesse niemanden aus von der Kommunion, egal, ob jemand geschieden oder wiederverheiratet sei: «Das sind wich­tige Menschen für unsere Kirche.» Er gibt aber zu, dass er ruhiger schlafen würde, wenn er in die­ser Frage nicht im Clinch mit der ­reinen Lehre wäre. Er hofft hier «auf einen mutigen Schritt der Kirche». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.10.2015, 09:18 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.