Zürichsee

Schwyzer und St. Galler sollen mehr für Zürichsee-Schiffe bezahlen

Ein Brief fordert Schwyzer und St. Galler Gemeinden auf, mit dem Zürcher Verkehrsverbund über die Beteiligung an den Kosten der Zürichsee-Schiffe zu verhandeln. Die Gemeinden sind überrascht.

Die Stadt Rapperswil-Jona muss mit dem Zürcher Verkehrsverbund zur Zukunft der Schifffahrt an den Verhandlungstisch sitzen.

Die Stadt Rapperswil-Jona muss mit dem Zürcher Verkehrsverbund zur Zukunft der Schifffahrt an den Verhandlungstisch sitzen. Bild: Archivfoto: Manuela Matt

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Die Finanzlage bei der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) ist angespannt. Nachdem der Schiffsfünfliber am Widerstand der Passagiere scheiterte, versucht der Kanton Zürich mit allen Mitteln, die Finanzlage der ZSG aufzubessern – dies aber ohne einen konkreten Sparauftrag. Ab 2020/2021 soll ein besser auf die Nachfrage ausgerichteter Fahrplan für mehr Einnahmen sorgen.

Doch die Zürcher haben noch mehr Ideen, wie man an Geld für den Schiffsbetrieb auf dem See kommt. Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) will nämlich auch die Nachbarkantone Schwyz und St. Gallen stärker zur Kasse bitten. Rapperswil-Jona und Freienbach verfügen seit den 1990er- Jahren über sogenannte Schiffsstegvereinbarungen. Damit beteiligen sie sich im Vergleich zu Altendorf, Lachen und Schmerikon an den ungedeckten Kosten des Angebots. Allerdings halten in diesen drei Gemeinden nur in der Sommersaison Schiffe – meist maximal zwei pro Tag.

Der «Zürichsee-Zeitung» liegt ein Brief vor, den die Schwyzer und St. Galler Zürichseegemeinden vor wenigen Tagen erhalten haben. Darin heisst es: «Gemäss den Bestimmungen des kanto­nalen Personenverkehrsgesetzes kann das Verbundgebiet nur dann über die Kantonsgrenze hinaus erweitert werden, wenn die ungedeckten Kosten der ausserkantonalen Linienabschnitte vollständig durch die entsprechenden Gemeinwesen finanziert werden.»

Aufwand unverhältnismässig

Darauf hatte der Kanton Zürich über viele Jahre verzichtet. Denn, so heisst es weiter im Brief, bei der Obersee-Rundfahrt handle es sich lediglich um einen täglichen Kurs während der Saison. Damals – also in den 1990er Jahren – hätten die Informationen «für die Ermittlung der ungedeckten Kosten» nicht oder nur mit unverhältnismässig hohem Aufwand ermittelt werden können. Deshalb habe man auf Vereinbarungen mit den Obersee-Gemeinden verzichtet. «Heute sind die für die Bestimmung des Kostendeckungsgrads einer Linie notwendigen Daten jährlich verfügbar, womit die damalige Begründung für einen Verzicht nicht mehr aufrechterhalten werden kann.»

Die Geldforderung des Kantons Zürich kommt dann betont harmlos daher: «Wir möchten das neue Fahrplankonzept zum Anlass nehmen, um die Kostenbeteiligungssituation der ausserkantonalen Gemeinden mit ZSG-Leistungen per Fahrplanwechsel im Dezember 2019 gesetzeskonform zu bereinigen und zukunftsfähig auszugestalten.»

Die Gemeinden am Obersee reagieren überrascht auf den Brief – sie haben nicht damit gerechnet, vielleicht bald mehr für die Schifffahrt auf dem See zu bezahlen. «Wir werden überprüfen müssen, was uns das Angebot der ZSG wert ist», sagt etwa Daniel Landolt, Gemeindepräsident von Freienbach (CVP). Man habe die Ankündigung «zur Kenntnis genommen», teilt die Stadt Rapperswil-Jona mit. Und der Gemeindepräsident von Lachen, Pit Marty (FDP), meint: «Wir sind am Schiffsverkehr auf dem Zürichsee interessiert – aber nur zu vernünftigen Konditionen.»

Geld für den Kanton Zürich

Dass mit dem ausserkantonalen Geld die Kasse der ZSG entlastet würde, ist aber nicht der Fall. Vielmehr geht es direkt um die Zürcher Staatskasse, wie ZVV-Mediensprecher Thomas Kellenberger bestätigt: «Die Beteiligungen der ausserkantonalen Gemeinden führt zu einer Reduktion des Gesamtdefizits des ZVV, welches je zur Hälfte durch den Kanton Zürich und die Zürcher Gemeinden getragen wird.» Es gehe bei den geplanten Verhandlungen also um eine verursachergerechte Finanzierung des ZSG-Angebotes.

Wie teuer der Schiffsverkehr auf dem Zürichsee ist, zeigt das Beispiel einer zweiten Obersee-Rundfahrt, welche von 2012 an vollständig durch die genannten Gemeinden finanziert wurde. Alleine dieser eine Kurs in der Hochsaison verursachte jährliche Kosten von 259'000 Franken. Weil zu wenig Passagiere das Angebot nutzten, strichen die Gemeinden das Angebot wieder. Nach eigenen Angaben leistet Rapperswil-Jona derzeit knapp 150'000 Franken Beiträge an den Schiffsverkehr, Freienbach knapp 25'000 Franken.

Weil Freienbach mit dem Angebot der ZSG auf die Insel Ufen­au aber unzufrieden ist, finanziert die Gemeinde zusätzlich ein privates Taxiboot. Das neue Fahrplankonzept 2020/2021 der ZSG, das mehr Fahrten im Bereich Rapperswil-Ufenau-Pfäffikon vorsieht, betrachtet Daniel Landolt als eine Art Offerte, über die man nun verhandeln müsse.

Halte würden überprüft

Was ist, wenn die Gemeinden am Obersee nicht mehr für die ZSG-Schifffahrt bezahlen wollen? «Ob ein Schiffshalt bei einer ausbleibenden Kostenbeteiligung entfällt, kann nicht pauschal beantwortet werden», sagt ZVV-Sprecher Kellenberger gegenüber der ZSZ. Aber er macht unmissverständlich deutlich: «Unter Berücksichtigung von verkehrsplanerischen, betrieblichen und betriebswirtschaftlichen Aspekten» müsste dies im konkreten Einzelfall geprüft werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.12.2018, 17:16 Uhr

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