Oberrieden

«Schwimmen bedeutet für uns Freiheit»

Seit letztem Sommer besuchen vier Frauen, die in die Schweiz geflüchtet sind, kostenloser Schwimmunterricht in der Schwimmhalle Pünt. Sie sind sehr glücklich über das Angebot, das Erna Hauser ihnen bietet.

Zum letzten Mal vor der Schwimmhalle: Wo und ob Erna Hauser den vier Frauen in Zukunft Schwimmlektionen gibt, ist unklar.

Zum letzten Mal vor der Schwimmhalle: Wo und ob Erna Hauser den vier Frauen in Zukunft Schwimmlektionen gibt, ist unklar. Bild: Patrick Gutenberg

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Die Erweiterung des Primarschulhauses Pünt in Oberrieden beginnt nächsten Freitag mit dem Spatenstich. Zusätzlich wird auch die Lehrschwimmhalle Pünt gesamtsaniert. Ab dann findet kein Schwimmunterricht mehr statt. Keine Freude daran haben nicht nur die Kinder, sondern auch vier Frauen, welche seit letztem August immer dienstags in den Schwimmunterricht von Erna Hauser gehen. Die Schwimmlehrerin klärt nun ab, wo in Zukunft der Unterricht stattfinden könnte. Eine Möglichkeit ist das Hallenbad in Gattikon.

Dank Deutschkurs im Hallenbad

«Wir freuen uns jedes Mal extrem auf das Schwimmen», betonen die vier Frauen zu Beginn des Gesprächs, welches gleich vor dem Unterricht stattfand. Voller Vorfreude erklären sie: Schwimmen bedeute für sie Freiheit. Drei der vier Frauen, welche alle mit ihren Familien in die Schweiz geflüchtet sind, haben im angebotenen Unterricht zum ersten Mal versucht, zu schwimmen. Die Nervosität vor dem ersten Versuch sei gross gewesen. Es sei schwieriger, als es aussieht, stellten sie nach den ersten Lektionen fest. Trotzdem blieben sie motiviert und ehrgeizig, denn sie haben ein Ziel vor Augen: Im Sommer wollen sie mit ihren Kindern in die Badis und selber mitschwimmen statt am Ufer bleiben.

Auch Erna Hauser hat Spass an ihren erwachsenen Schülerinnen: «Wir lachen oft in diesen Lektionen». Es gehe ihr um die Freude, die sie vermitteln kann. Deshalb unterrichtet sie die Frauen gratis. Zudem hat sie anschliessend an die 40-minütigen Lektionen mit den Frauen sowieso normalen Schwimmunterricht mit Kindergartenkindern. Im Gegensatz zu diesen, ist Hauser aufgefallen, seien die Frauen allerdings viel vorsichtiger in der Anfangsphase.

Die Idee des Schwimmunterrichts stammt ursprünglich aus dem Deutschkurs, den die Frauen besuchen. Die ehrenamtlich arbeitende Anita Baumgartner hatte eine der Frauen gefragt, ob sie schwimmen könne. Die negative Antwort und der geäusserte Wunsch, diese Fähigkeit zu beherrschen, verleitete Baumgartner zur Anfrage an Hauser.

Ob mit oder ohne Burkini hängt von den Zuschauern ab

Unter den vier Schwimmerinnen befinden sich drei Muslimas und eine Frau orthodoxen Glaubens. Zwei der drei muslimischen Frauen tragen während dem Unterricht einen Burkini-ähnlichen Badeanzug. Im Gegensatz zum zweiteiligen Schwimmanzug, welcher immer wieder für Schlagzeilen sorgt, schwimmen die Frauen allgerdings in dünneren und leichteren Ganzkörperanzügen ohne Kapuze dafür mit Badekappe. Die dritte Muslima trägt ein normales Badekleid, weil während dem Schwimmunterricht kein Mann anwesend ist. Den Frauen, welche sich teilweise auch privat kennen, ist es wichtig, dass ihnen keine Männer beim Schwimmen zuschauen.

Heute findet der Schwimmunterricht zum letzten Mal in Oberrieden statt. Spätestens ab den Frühlingsferien sind die Lektionen dann definitiv beendet. Wenn es wärmer wird, möchte Hauser die Zeit und Möglichkeit nutzen, mit den Primarschülern an den See zu gehen und hat somit keine Zeit mehr für die Frauen. Im Sommer wird Hauser, welche seit 28 Jahren Schwimmunterricht gibt, pensioniert. Sie möchte danach auf Reisen gehen. Die Frauen hingegen wollen dann selber versuchen, eine Möglichkeit zu organisieren, ihrer «liebsten Freizeitbeschäftigung» weiterhin nachzugehen.

Erstellt: 30.01.2017, 15:02 Uhr

Burkinis im Bezirk

Die typischen Ganzkörperbadeanzüge strenggläubiger Musliminnen stehen immer wieder im internationalen Fokus. In den regionalen Hallenbäder sind sie allerdings nicht oft zu sehen. Im Hallenbad Untermosen in Wädenswil sind Burkiniträgerinnen ganz selten anzutreffen, wie Horst Schreier, stellvertretender Bademeister, sagt. Seitdem sie Vorschriften vom Kanton erhalten haben, sei die Situation aber einfacher. Man wisse, was erlaubt sei und aus welchem Stoff die Burkinis bestehen müssen. Negative Reaktionen von Seiten anderer Badegäste habe es bei ihnen keine gegeben. Im Hallenbad Schweikrüti in Thalwil reagierten andere Schwimmgäste teilweise mit neugierigen oder verwunderten Blicken, sagt Heidi Egli, Pressesprecherin der Gemeinde Thalwil. Das dürfte auch daran liegen, dass die Anzahl gesichteter Burkinis im Hallenbad Schweikrüti an einer Hand abzuzählen seien.

In den Hallenbädern Kilchberg und Adliswil sind keine Fälle von Burkiniträgerinnen bekannt, wie es auf Anfrage lautet. Falls es aber dazu käme, würde zuerst die Meinung anderer Badegäste eingeholt und anschliessend das weitere Vorgehen geplant werden, wie Stephan Bosshard, Leiter Bäder in Kilchberg, sagt. (ret)

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