Horgen

Schweizer Ländler trifft auf Countrymusik

Die Geschwister Maja und Carlo Brunner gelten hierzulande als musikalische Bekanntheiten. Die Brüder Jens und Uwe Krüger sind in den USA zu Stars geworden. Auf einer gemeinsamen Tournee mit Start in Horgen lassen sie nun Ländler und Country miteinander verschmelzen.

Carlo Brunner (links), seine Schwester Maja und Uwe Krüger feilen im Tonstudio von Philipp Mettler (Zweiter von rechts) an ihrem Programm.

Carlo Brunner (links), seine Schwester Maja und Uwe Krüger feilen im Tonstudio von Philipp Mettler (Zweiter von rechts) an ihrem Programm. Bild: Moritz Hager

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Einen Augenblick lang ringt Maja Brunner mit den Worten. Sie, als Schlagersängerin, Schauspielerin und Entertainerin beileibe nicht auf den Mund gefallen, öffnet erst die Arme zu einer anerkennenden Geste. Als wolle sie die Begeisterung, die ihr in den Gedanken zu drehen scheint, so zu fassen kriegen. Um schliesslich festzustellen: Es gebe nur einen einzigen Ausdruck: «Weltklasse.» Absolut fasziniert sei sie gewesen, als sie erstmals die Gebrüder Krüger gesehen habe. Davon, was diese mit Gitarre und Banjo anstellten. Und wie zu alldem die warme Stimme von Uwe, der einen Hälfte des Brüderpaars, passe.

Der Angesprochene sitzt mit am Tisch und lächelt bescheiden. Er mache, sagt er, nur, was ihm Spass und dem Publikum eine Freude bereite. Vor mehr als 20 Jahren ist der Sohn deutscher Einwanderer dafür mit seinem Bruder Jens und dessen Familie aus dem Aargau in den Osten der USA ausgewandert. Wo die beiden – als Krüger Brothers mit Bassist Joel Landsberg – nicht lange auf den Durchbruch als Country- und Bluegrass-Musiker warten mussten.

Auftritte an bedeutenden Festivals, am New Yorker Broadway, in der David-Letterman-Show im Fernsehen oder die Freundschaft mit Doc Watson, einer 2012 verstorbenen Legende der Szene, sprechen eine deutliche Sprache. Und nun also hält sich letzte Woche mit dem 57-jährigen Uwe Krüger der Gitarrist des Trios in seinem Heimatland auf, genauer in einem Tonstudio in einer ehemaligen Fabrik in Siebnen.

Nachgeholte Tournee

Dies, um eine baldige Konzerttournee zu Faden zu schlagen – die seinem Selbstverständnis als «Wanderer zwischen den Welten» entgegen kommt. So trifft er sich nicht nur mit Maja Brunner, sondern auch mit deren vier Jahre jüngerem Bruder Carlo, dem «Ländlerkönig» hierzulande. Zudem mit Philipp Mettler, der in Carlo Brunners Band mitwirkt, nebst dem, dass er das Tonstudio betreibt.

«Die Krügers haben ein grosses musikalisches Denken.»Carlo Brunner

Was die vier hier besprechen, ist die Realisierung einer länger gehegten Idee: die Schweizer Volksmusik in der Interpretation der Brunner-Geschwister mit den Countryklängen der Krüger Brothers zu verschmelzen. Anfang Januar nun starten die beiden Geschwisterpaare und ihre Bandmitglieder im Horgner Schinzenhof ihre Tournee. Sie heisst «Fernweh Heimweh» und führt an insgesamt sieben Orte in der Deutschschweiz. Ursprünglich hätte die Konzertreise bereits diesen Frühling stattfinden sollen. Sie musste aber infolge Erkrankung von Jens Krüger verschoben werden. Der 56-jährige wieder Genesene weilt, als seine Kollegen in Siebnen die Konzerttour planen, in den USA – und ist doch eine Zeitlang mit dabei: Skype macht es möglich. «Auf diese Weise konnten wir trotz der Distanz das Konzertprogramm zusammenstellen und miteinander diskutieren», sagt Bruder Uwe.

Über die Weihnachtstage ist nun auch er nach seinem kurzen Besuch in der Schweiz wieder zurück in den USA. Erst wenige Tage vor der Tourneepremiere trifft sich dann die Vollbesetzung der Musiker, um reell miteinander zu proben.

«Eine temporäre Familie»

Die Idee einer gemeinsamen Konzertreise sei vor zwei Jahren gereift. «Damals produzierte Filmredaktor Heikko Böhm eine Dokumentation über uns für das Schweizer Fernsehen», erklärt Gitarrist Krüger. Dabei sei Carlo Brunner spontan an einem Schweizer Konzert der Krüger Brothers aufgetreten. Das wiederum habe sich dadurch ergeben, weil Brunner vordem am Fernsehen gesehen hatte, wie die Krügers in den USA die «Steiner Chilbi» spielen. «Das hat mein Interesse an einer Zusammenarbeit geweckt», sagt der 63-jährige Klarinettist und Saxophonist, der wie Schwester Maja in Küsnacht aufgewachsen ist. Es sei dann schnell festgestanden, dass sich die Ländler und die Ausgewanderten verstehen. «Die Krügers haben ein grosses musikalisches Denken», sagt Carlo Brunner, «das längst nicht nur die Countrymusik umfasst». Tatsächlich treten diese immer wieder mit Musikern unterschiedlichster Stilrichtungen auf.

Aber auch menschlich würden sie gut harmonieren. «Wir sind eine temporäre Familie geworden», illustriert Uwe Krüger. Wenig später greift er zur Gitarre, wechselt zwei, drei Stichworte mit Carlo und Maja Brunner – worauf die drei drauflos spielen und singen, als würden sie dies seit Jahr und Tag miteinander tun. «Die amerikanische und die Schweizer Volksmusik sind organisch gewachsen, deshalb lassen sie sich gut miteinander verbinden», erklärt Krüger.

Sie seien nun selber gespannt, wie aus der Kombination und in der Interaktion mit dem Publikum etwas Neues entstehe.

Mittwoch, 9. Januar, 20 Uhr, Schinzenhof, Alte Landstrasse 24, Horgen. Tickets: www.starticket.ch.

Erstellt: 04.01.2019, 15:58 Uhr

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