Adliswil

Schule Adliswil im Sturm der Kritik

Die Eskalationsspirale rund um die Adliswiler Schulpflege und den Schulpräsidenten dreht sich weiter. Im Zuge des Zwists am Schulhaus Zopf äussern nun auch ­ehemalige Angestellte der Schule Dietlimoos Kritik.

In den Provisorien des Schulhauses Dietlimoos hing der Haussegen bei der Lehrerschaft schief.

In den Provisorien des Schulhauses Dietlimoos hing der Haussegen bei der Lehrerschaft schief. Bild: Sabine Rock

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«Wir haben in Adliswil fünf Schuleinheiten, in vier dieser fünf läuft es sehr gut» – diese Aussage machte Schulpräsident Raphael Egli (CVP) im Interview mit der «Zürichsee-Zeitung» vor wenigen Tagen, um die Zerwürfnisse am Schulhaus Zopf in Kontext zu setzen.

Daraufhin haben ehemalige Dietlimoos-Angestellte das Gespräch mit der «Zürichsee-Zeitung» gesucht. Diese Aussage habe alte Wunden aufgerissen und das Fass zum Überlaufen gebracht, denn: «Im Dietlimoos lief es überhaupt nicht gut. Die passive und defensive Haltung der Schulpflege war vor einem Jahr dieselbe wie jetzt im Zopf», konstatieren die Betroffenen. Sie wollen anonym bleiben.*

Zwei Fälle und was sie eint

Alle drei waren im letzten Schuljahr noch im Dietlimoos tätig. «Dann kam es zum Exodus.» ­Innert kurzer Zeit hätten neun Personen des Lehrerkollegiums das Dietlimoos verlassen. Rausgeekelt seien sie worden. Die damals neue Schulleiterin habe ein «Angstregime» aufgezogen, habe in Einzelfällen die Autorität der Lehrpersonen im Klassenzimmer grob unterlaufen und ein Denunziantentum zugelassen. In beiden Fällen – im Dietlimoos und im Zopf – werfen die Kritiker der Schulpflege vor, dass sie nicht transparent kommuniziere. Und: «Die Schulpflege tritt nicht in Erscheinung» – diese Sentenz fällt von der Eltern- wie auch Lehrerschaft.

«Im Dietlimoos lief es überhaupt nicht gut. Die passive und defensive Haltung der Schulpflege war dieselbe wie jetzt im Zopf»Betroffene

Dies, obwohl sich offenbar diverse ehemalige Dietlimoos-Mitarbeitende an die Schulpflege gewandt haben, als sie mit der Schulleitung in Konflikt standen. Die angesprochenen Schulpflegen hätten zwar ­zugehört, sagen die Betroffenen, hätten sich aber ausserstande gefühlt, tätig zu werden. «Schlimmer noch: Anstatt den Mitarbeitenden die in Aussicht gestellte Unterstützung zu geben, hat sich die Schulpflege urplötzlich auf die Seite der Schulleitung geschlagen.»

Eine der drei Wortführerinnen verfasste anlässlich ihres Rückzugs von ihrer Tätigkeit am Dietlimoos eine zweiseitige Mail an Schulleitung und Schulpräsidenten, in der sie alle Probleme detailliert aufführte. Diese Mail liegt der ZSZ-Redaktion vor. Ebenso wie die Antwort, welche zwei Sätze umfasst: «Ihre Rückmeldung nehmen wir zur Kenntnis», schrieb der damalige Geschäftsleiter Caspar Salgo.

Politiker als Vermittler

Diese Schreibende hat die Vorgänge aufs politische Parkett gehoben: Monate vor ihrem Austritt hat sie sich an einen Lokalpolitiker gewandt, mit der Bitte, sich direkt beim Schulpräsidenten zu erkundigen, ob er über die Gründe für die Kündigungswelle im Bilde sei. FDP-Gemeinderat Mario Senn hat hier die Rolle des Vermittlers eingenommen, bestätigt er. Die Antwort des Schulpräsidenten, die umgehend erfolgt sei, erschien ihm stimmig. Er habe sie weitergeleitet, danach habe er aber nichts mehr gehört und die Sache deshalb nicht weiterverfolgt. «Es kommt vor, dass wir als Gemeinderäte angefragt werden, einer Sache nachzugehen. Da ich nichts mehr gehört habe, habe ich auch keinen weiteren Handlungsbedarf gesehen», sagt Senn.

Eglis Antwort auf Senns Nachfrage verwies auf pädagogische Differenzen, welche die Kündigungen zur Folge gehabt hätten. Ausserdem sei das Dietlimoos lange ohne Führung gewesen, wodurch das Kollegium grosse Autonomie genossen habe. Da sei der Führungswechsel wohl etwas «straff rübergekommen».

Ein Umwälzungsprozess

Die Antwort des Schulpräsidenten taxieren die Dietlimoos- Abgängerinnen als «symptomatisch»: «Er schiebt die Schuld auf andere, indem er den Lehrpersonen pädagogische Mängel vorwirft – statt genauer hinzusehen, ob die neue Schulleiterin die Lage im Griff hat.»

Schulpräsident Raphael Egli steht zu seiner damaligen Aus­sage: «Durch den Wechsel von Autonomie zu einer eher strengen Führung kann es zu Unruhen im Team kommen», sagt er. Es sei häufig der Fall, dass bei einem Führungswechsel auch ein Umwälzungsprozess in Gang komme. «Die alte Garde geht, die neue kommt.» Egli sagt, er stehe klar hinter der Schulleiterin, in deren Namen er zu den Vorwürfen Stellung nimmt. Inzwischen hätten sich unter der neuen Leitung die Wogen geglättet. Egli bedauert insbesondere, dass die Kritiker nicht persönlich auf ihn zugekommen seien. «Es ist schwierig, zu anonymen Vorwürfen Stellung zu nehmen, weil man die Sachverhalte und Hintergründe nicht klären kann.»

«Im Dietlimoos wird gegenüber dem Vorjahr eine gestärkte Homogenität im Team festgestellt.»Raphael Egli, Schulpräsident

Die geschilderten Vorgänge würden sich allesamt auf das letzte Schuljahr beziehen, seither hätten Schulpflege und -leitung auf die Vorwürfe reagiert. «Offensichtlich erfolgreich», resümiert Egli. Um das zu unterstreichen, verweist er auf einen Bericht der Schulpflege, der besagt: «Im Dietlimoos wird gegenüber dem Vorjahr eine gestärkte Homogenität im Team festgestellt.»

«Lage beruhigt»

Ende November habe auch die Besuchswoche der Schulpflege gezeigt, dass sich die Lage beruhigt habe. «Auch ausserhalb dieser Woche haben wir keine Kritik erhalten», hält Egli fest. Für die Schulpflege bestehe im Dietlimoos daher zurzeit kein Handlungsbedarf. «Hingegen sehen wir Handlungsbedarf in unserer Kommunikation», lenkt Egli ein. Momentan erarbeiten zwei Mitglieder der Schulpflege ein Kommunikationskonzept.

Mit Blick in die Zukunft sagt Egli: «Ich hoffe sehr, dass mit der neuen Schulleitung im Zopf und der Umsetzung des neuen Kommunikationskonzeptes ab dem neuen Schuljahr Ruhe in die Schule Adliswil einkehren kann.»

*Namen der Redaktion bekannt

Erstellt: 19.03.2018, 16:08 Uhr

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