Finanzen

Schulden sind für eine Gemeinde nicht unbedingt ein Makel

Der bezirksweite Überschuss von gut 100 Millionen Franken würde sich eignen für den Schuldenabbau. Könnte man meinen. Die Gemeinden haben andere Prioritäten.

Mit der Gewissheit über die massiven Mehreinnahmen dürfte an den bevorstehenden Gemeindeversammlungen im Bezirk Horgen auch der Ruf nach Steuersenkungen laut werden.

Mit der Gewissheit über die massiven Mehreinnahmen dürfte an den bevorstehenden Gemeindeversammlungen im Bezirk Horgen auch der Ruf nach Steuersenkungen laut werden. Bild: Symbolbild/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Rechnungsjahr 2017 wird den meisten Finanzvorstehern der Zimmerbergregion in posi­ti­ver Erinnerung bleiben. Können sich doch viele über einen un­er­war­te­ten Millionensegen freuen. Besonders gross war die Differenz zwischen Ergebnis und Budget­ mit 27,9 Mio. Franken in Rüsch­li­kon. Wesentlich besser als budgetiert schlossen 2017 auch die Rechnungen von Adliswil (+19,3 Mio.), Kilchberg (+14,1 Mio.), Horgen (+13,8 Mio.), Rich­ters­wil (+9,25 Mio.) und Wädens­wil (+5,9 Mio.).

Die Überschüsse werden zwei­fel­­los spätestens im Herbst den Ruf nach Steuersenkungen laut wer­­den lassen. Eine zweite Möglichkeit könnte für die Gemeinden sein, die Schulden abzubauen. Das passiert aber nur zum Teil.

Zwar ist beispielsweise auch die Stadt Adliswil – die lange nicht auf Rosen gebettet war – schuldenfrei. Noch 2014 betrug ­ihre Nettoschuld 10 Mio. Franken, dar­aus ist mittlerweile ein Nettovermögen von 8 Mio. Franken geworden. Dennoch taucht in ihrer Rechnung der Posten langfristige Schulden auf: 30 Mio. Franken. Um 5 Mio. Franken hat die Stadt die­sen Posten zwischen Anfang und Ende 2017 reduziert. Für verschiedene Gemeinden ist es jedoch kein primäres finanzpoli­tisches Ziel, die langfristigen Schulden – das sind oft Darlehen mit einer Laufzeit von mehreren Jahren – abzubauen.

Schulden helfen optimieren

Horgens Finanzvorsteherin Daniela Mosbacher (FDP) erklärt, dass gute Abschlüsse und Schuldenabbau nicht zwingend Hand in Hand gehen. «Schulden sind für eine Gemeinde nicht unbedingt ein Makel, wenn sie finanzkräftig ist», sagt sie.

Das Nettovermögen von Horgen beträgt 82 Mio. Franken, das Eigenkapital 136,5 Mio. Franken. Davon sind 45 Mio. Franken langfristige Schulden, in Form von Darlehen. «Bei uns stehen die langfristigen Schulden in einem sehr guten Verhältnis zum Vermögen.» Das erlaube es der Gemeinde, das Schuldenmanagement – und letztlich den gesamten Haushalt – zu optimieren. Denn zurzeit ist die Zinsbelastung gering. «Sollten die Zinsen wieder anziehen, wird ein Schuldenabbau für uns eher wieder zum Thema.»

Thalwils Finanzvorstand Hans­ruedi Kölliker (FDP) doppelt nach: «Zurzeit ist es für eine Gemeinde nicht opportun, Millionen auf dem Konto zu haben, sonst muss sie Negativzinsen bezahlen.» Seine Gemeinde verfügt über ein Vermögen von 32,3 Mio. Franken. Das Problem: Es ist nicht liquid, sondern steckt in den Liegenschaften, deren Wert 60 Mio. Franken beträgt. «Um liquide­ zu sein, müssen wir Geld aufnehmen», sagt Kölli­ker. Es sei kein primäres finanzpolitisches Ziel von Thalwil, keine Schulden mehr zu haben. Wichtiger sei es, den Selbstfinanzierungsgrad der Gemeinde zu erhöhen. Er betrug im letzten Jahr 156 Prozent, im Fünfjahresschnitt aber lediglich 45 Prozent.

Zurückzahlen nicht vergessen

Ähnlich äussert sich auch der Rüesch­li­ker Finanzvorstand Fa­bian Müller (FDP). Seine Gemeinde war bis vor kurzem schuldenfrei. «2015 haben wir ein Darlehen von 20 Millionen aufgenommen», sagt er. Der Grund war ein Investitionshöhepunkt. Standen doch der Neubau des Campus Moos – des gemeinsamen Sekschulhauses mit Kilchberg –, die Sanie­rung des Schulhauses Moos und die Erneuerung der Seeuferanlagen an. «Als kleine Gemeinde haben wir keinen stabilen Investitionsflow», sagt Müller. Des­wegen habe Rüschlikon 2015 eine Liqui­ditäts­spritze gebraucht. «Bei der aktuellen Zinssituation ist das problemlos tragbar.»

Müller betont, Schulden seien für eine Gemeinde nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. «Man sollte einfach im Fokus haben, sie auch wieder zurückzuzahlen und sie nicht auf ein zu hohes Niveau anwachsen zu lassen.» Rüschli­kon beispielsweise ­strebe an, seine Schuld ab 2020 um mindestens 10 Mio. Franken zu reduzieren.

Eine Frage der Investitionen

Auch Heinz Montanari vom Gemeinde­amt relativiert den kau­salen Zusammenhang von guten­ Abschlüssen und dem Schuldenabbau: «Schulden haben einen Zusammenhang mit der Finanzie­rung von Investitionen. Gute Abschlüsse helfen bei der Eigenfinanzierung, können aber nicht ausschliessen, dass sich eine Gemeinde weiter verschuldet.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.05.2018, 10:02 Uhr

Rechnungsabschlüsse 2017

(für eine vergrösserte Ansicht auf die Tabelle klicken)

Die Rechnungs-Gemeindeversammlungen im Überblick

In den kommenden Wochen wird in sämtlichen Gemeinden über die Rechnung 2017 abgestimmt. Wann welche Versammlung stattfindet, zeigt die Übersicht der ZSZ:

Adliswil: Mittwoch, 6. Juni, 19.30 Uhr, Aula Schulhaus Hofern. In Adliswil befindet der Grosse Gemeinderat über die Rechnung. Die Sitzung ist öffentlich.

Hirzel/Horgen: Donnerstag, 7. Juni, 20 Uhr, Gemeindesaal Schinzenhof. Zehn Geschäfte sind traktandiert: neben der Horg­ner auch die Hirzler Jahresrechnung und unter anderem die Teilrevision Bau- und Zonenordnung Bahnhof Horgen Oberdorf, zwei private Gestaltungspläne – Silo Bahnhof Horgen Oberdorf und Alter Sternen –, der Projektierungskredit für die Zusammenlegung der ARA Horgen und Thalwil zur ARA Zimmerberg und die kommunale Gebührenordnung.

Hütten: Dienstag, 12. Juni, 20 Uhr, Gemeindesaal im Primarschulhaus.
Kilchberg: Dienstag, 26. Juni, 20 Uhr, Gemeindesaal. Geschäfte sind die Jahresrechnung und die Wahl der Wahlbüro-Mitglieder (Amtsdauer 2018–22).

Langnau: Donnerstag, 14. Juni, 20 Uhr, Schwerzi-Saal. Neben der Jahresrechnung und dem neuen Rechnungslegungs­modell HRM2 befindet die Versammlung über die interkommunale Vereinbarung über die polizeiliche Zusammenarbeit mit der Stadt Adliswil, den Wärmeverbund Schwerzi, eine Teilrevision der Entschädigungsverordnung und eine Bauabrechnung. Weiter werden die Wahlbüromitglieder gewählt.

Oberrieden: Mittwoch, 27. Juni, 20 Uhr, Multifunktionsgebäude Langweg. Traktandiert sind neben der Jahresrechnung zum zweiten Mal der Verkauf des Grundstücks unterhalb der Villa Schönfels, ein Einbürgerungsgesuch und die Wahl der Wahlbüro-Mitglieder (Amtsdauer 2018–22).

Richterswil: Mittwoch, 6. Juni, 20 Uhr, reformierte Kirche. Die Versammlung befindet über die Jahresrechnung und die Schlussabrechnung zur Neugestaltung des Bushofs.

Rüschlikon: Montag, 4. Juni, 20 Uhr, Hotel Belvoir. Abgestimmt wird über die Jahresrechnung, das neue Rechnungslegungsmodell HRM2 sowie mehrere Einbürgerungsgesuche. Traktandiert sind des Weiteren Informationen des Gemeinderats.

Schönenberg: Donnerstag, 14. Juni, 20 Uhr, Dorfhuus.
Thalwil: Mittwoch, 6. Juni, 19 Uhr, Alters- und Begegnungszentrum Serata. Geschäfte sind die Jahresrechnung und das neue Parkierungskonzept.

Wädenswil: Montag, 18. Juni, 19 Uhr, Gemeinderatssaal Untermosen. In Wädenswil befindet der Gemeinderat über die Rechnung, die Sitzung ist öffentlich. Bereits am Dienstag, 29. Mai, 20 Uhr, berät die Versammlung der Oberstufenschulgemeinde Wädenswil-Schönenberg-Hütten die Rechnung, dies in der Aula des Schulhauses Rotweg.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.