Wädenswil

Schon vor der Fusion gab es eine gemeinsame Geschichte

Die Historische Gesellschaft zeigt in einer Ausstellung den Werdegang der Gemeinden Hütten, Schönenberg und Wädenswil. Thematisiert werden neben der Fusion auch frühere Kriege, der Glaube oder eine Eisenbahnlinie durch die Bergdörfer.

Pflegefachfrau Carole Morel – hier mit ihren Kindern Nelio, Runa und Lorenzo – hält Vorträge über Krankheiten und Notfällen bei Kindern.

Pflegefachfrau Carole Morel – hier mit ihren Kindern Nelio, Runa und Lorenzo – hält Vorträge über Krankheiten und Notfällen bei Kindern. Bild: Michael Trost

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Die Schaufenster der Kulturgarage zieren derzeit mehrere Postkarten. Sie zeigen eine heile Welt. Mit Blumen und hübschen Vignetten verziert werben sie für den Molkekurort Hütten und das idyllisch zwischen sanften Hügeln gelegene Schönenberg. Zahlreiche Tafeln fordern die Besucher auf, sich etwas Zeit zu nehmen und sich in die Geschichte der Region zu vertiefen.

Diese Geschichte wird nämlich in der neuen Ausstellung in der Kulturgarage thematisiert. Die Historische Gesellschaft Wädenswil hat 900 Jahre gemeinsame Geschichte der Gemeinden Wädenswil, Schönenberg und Hütten aufgearbeitet. Kurator ist Christian Winkler.

Kämpferische Vergangenheit

Anlass zur Ausstellung ist die Vereinigung der drei so unterschiedlichen Gemeinden. Dazu erläutern Tafeln nicht nur die reinen Zahlen zu Kaufkraft, Steuerfuss, Viehzählungen, Wald- und Siedlungsanteil, sie zeigen auch die politischen Parolen, mit denen für oder gegen die Vereinigung gekämpft wurde. Aber nicht nur die Fusionsfrage spaltete die Gemüter. Auch früher schon ging es zum Teil kämpferisch zu und her. Vom alten Zürichkrieg über die Villmerger Kriege bis zum Sonderbundskrieg wurden immer wieder Gefechte in der Region ausgetragen.

Die Ausstellung ist in verschiedene Bereiche gegliedert, welche mit Bildern und Gegenständen illustriert sind. Ein altes Weihwasserbecken weist auf die altgläubige, katholische Vergangenheit Schönenbergs hin. Eine Kanonenkugel auf die gar nicht immer so friedliche Zeit vor der Gründung der Neuen Eidgenossenschaft 1848. Einige Flurnamen etwa die Schanze in Hütten erinnern daran, dass sich hier vor Jahrhunderten feindliche Heere gegenüber gestanden haben. An einigen Orten, wie beim Sternenweiher kann man die Reste von Befestigungsanlagen auch heute noch in der freien Natur betrachten.

Die Ruhe in Hütten lockte früher prominente Gäste an.

Es wurde aber nicht nur gekämpft in der Region. Schön früher waren die drei Gemeinden ein Hafen für Innovationen und Kultur. So gab es ein konkrete Pläne für eine Eisenbahnlinie, welche über Samstagern nach Schönenberg führen sollte. Die Fahrpläne waren schon gedruckt, der Bau wurde aber auf alle Zeiten vertagt.

Die Ruhe in Hütten lockte früher prominente Gäste an. So war der berühmteste Gast, der in Hütten zur Molkekur einkehrte, der Dichterfürst Johann Wolfgang Goethe. Er kehrte nicht nur ein, sondern lobte in seinem Tagebuch auch die Fische und Krebse, im Hüttnersee gefangen wurden. Die Ausstellung geht auch auf die Molkekur ein, eine Kurmethode, bei der Molke getrunken wurde und die bis zum ersten Weltkrieg in Mode war, dann aber in Vergessenheit geriet.

Grossformatige Fotos

Die Ausstellung verharrt aber nicht in der reinen Vergangenheit. Man kann auf grossformatigen Fotos sehen, wie der Autobahnbau fortschreitet und die bis dahin unsichtbare Grenze zwischen Dorf und Berg quasi in Beton in der Landschaft nachzeichnet wurde.

Ausstellung «Wädenswil - Schönenberg - Hütten: 900 Jahre gemeinsame Geschichte», 19. Januar bis 21. April, Florhofstrasse 15, Wädenswil. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.01.2019, 14:42 Uhr

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