Wädenswil

In 48 Stunden umrundet er Graubünden

Selbst im Rentenalter gedenkt der 64-jährige Wädenswiler Louis Flepp, seine sportlichen Grenzen auszuloten. Am Wochenende will der Extremsportler auf dem Rennrad nonstop die Tour des Grisons meistern.

Die Tour de Grisons versteht Louis Flepp als Hommage an seinen Heimatkanton. Der 64-jährige Wädenswiler ist in Chur aufgewachsen.

Die Tour de Grisons versteht Louis Flepp als Hommage an seinen Heimatkanton. Der 64-jährige Wädenswiler ist in Chur aufgewachsen. Bild: Moritz Hager

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Louis Flepp ist gross gewachsen, gertenschlank, sein Körper ist drahtig wie jener eines Marathonläufers oder eben Radrennfahrers. An diesem leicht verregneten Vormittag hat er sich ins Renndress gestürzt, ehe er zu Hause in Wädenswil wieder seiner Arbeit als IT-Fachmann nachgeht. Seine Gedanken sind aber längst beim kommenden Wochenende, an dem er eine Rundfahrt nur für Hartgesottene absolviert, seine «Tour des Grisons», eine Rundstrecke durch und um seinen Heimatkanton Graubünden. Auf seiner Solofahrt legt er 800 Kilometer über 14 Alpenpässe zurück. Es geht über 16 000 Höhenmeter einzig hinauf und hinab.

Auf dem Ausschnitt einer Karte zeigt Flepp den Streckenplan, den er selbst entworfen hat. Vom Start in Chur führen die ersten rund 240 Kilometer noch durchs Bündnerland, via Oberalp, Gotthard und San Bernardino bis nach Splügen. «Der San Bernardino ist schwierig, weil sehr lang», lautet seine Einschätzung. «Zwischen Bellinzona und der Passhöhe sind es fast 2000 Höhenmeter.» In der Lombardei stattet Flepp Italien einen Besuch ab. Den höchsten Kulminationspunkt mit 2501 Metern über Meer erreicht er von Bormio aus auf dem Umbrail. Das Abenteuer führt schliesslich durch Österreich zwischen Tirol und Vorarlberg mit der Silvretta-Bielerhöhe als harter Brocken. Ziel des Rundkurses ist Jenins, rund 20 Kilometer nördlich von Chur.

HIER kann Louis Flepp ab Samstag während der Tour des Grison live via GPS verfolgt werden.

Hommage an Graubünden

Nach zwei Tagen und zwei Nächten will Louis Flepp die Tortur bewältigt haben. Er gewährt sich pro Tag einzig ein bis zwei kurze Pausen, während derer er ruht oder schläft. «Der Körper wird rebellieren», weiss der Athlet aus eigener Erfahrung. Selbstredend werde er nicht nur entlang der Grenzen des Bündnerlands fahren, sondern auch über seine eigenen physischen und mentalen Grenzen hinweg. Es gelte, die schlechten Phasen zu überwinden. «Bessere Zeiten kommen bestimmt. Läuft es wieder, führt dies zu Glücksmomenten.» Er fühle sich dabei unendlich zufrieden. Das sei zurückzuführen auf die Ausschüttung der Endorphine im Körper.

«Sie sind – ähnlich wie die Walliser – sympathische Chauvinisten. Sie glauben also an die Fähigkeiten der eigenen Gruppe.»

Der Wädenswiler versteht die Tour des Grisons als Hommage an seinen Heimatkanton. «Ich bin dort aufgewachsen, ich habe meine familiären Wurzeln in Chur.» Von den landschaftlichen Reizen will er gar nicht erst reden, vielmehr lobt er die Wesensart der Bündner: «Sie sind – ähnlich wie die Walliser – sympathische Chauvinisten. Sie glauben also an die Fähigkeiten der eigenen Gruppe.»

Mit Team an seiner Seite

Der Veteran wird auf seiner Fahrt tatkräftig unterstützt. Seine engsten Wädenswiler Familienmitglieder unternehmen alles, um es ihm zu ermöglichen, sein Projekt erfolgreich zu gestalten. Im Betreuerteam sind sein jüngerer Bruder Georg, sowie seine Söhne Simon und Christian. Dessen Zwillingsbruder Manuel ist gerade Vater geworden und stösst wohl erst am Zielort in Jenins zur Familie. Kollegen der Söhne und die Physiotherapeutin Fabienne Wolf vervollständigen das Team Flepp, das sich vor allem aus Fahrern, die sich in den Begleitwagen Tag und Nacht ablösen, sowie Mechanikern zusammensetzt.

Fast dieselbe Crew hat Flepp vor fünf Jahren betreut, als er das Race around Austria, den härtesten, fünftägigen Nonstop-Ultracycling-Event Europas, als Finisher bewältigte. Am Ziel in St. Georgen im Attergau überraschte ihn seine Frau Leni mit einem Strauss Rosen und einer innigen Umarmung. Dies war eine von der Familie geplante Überraschung. Womöglich setzt es ein ähnlich unerwartetes Geschenk am Sonntagabend in Jenins ab.

Weitere Informationen: www.teamflepp.ch.

Erstellt: 17.07.2019, 15:42 Uhr

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