Zürichsee

Schiffe sollen langsamer fahren und weniger Stationen bedienen

Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft plant ihre Zukunft. Der Fahrplan 2020/21 sieht neue Kurse und ein gemächlicheres Tempo vor. So steht ist in einem Protokoll der Verkehrskonferenz Zürich.

Vieles wird neu im Fahrplan 2020/21 der «Weissen Flotte» vom Zürichsee, vor allem setzt die ZSG verstärkt auf Rundfahrten.

Vieles wird neu im Fahrplan 2020/21 der «Weissen Flotte» vom Zürichsee, vor allem setzt die ZSG verstärkt auf Rundfahrten. Bild: Michael Trost

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Langsam kristalliert sich heraus, welche Richtung die Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) mit ihrem Auftrag zur höheren Rentabilität einschlägt. Bekannt war seit einer Medienkonferenz Ende Mai und der Generalversammlung vom 25. Juni, dass die ZSG Anpassungen im Fahrplan 2020/21 vornehmen will, wo es die Nachfrage gebietet. ZSG-Direktor Roman Knecht beschrieb das Motto 2020/21 damals als «moderner und bedürfnissgerechter».

Was das konkret heissen könnte, zeigt das Sitzungsprotokoll der Regionalen Verkehrskonferenz Zürich, das jetzt auf der Website der Stadt Zürich aufgeschaltet wurde und aus der Pendlerzeitung «20 Minuten» zitierte. Darin gibt der Leiter Betrieb der ZSG, Marc Rizzi, wesentliche Veränderungen bekannt. Die Fahrplangeschwindigkeit sei mit 22 bis 23 km/h zu hoch. Auf anderen Schweizer Seen werde mit 18 bis 20 km/h gerechnet. Die Geschwindigkeit der ZSG-Flotte solle auf 20 km/h im See und auf 10 km/h im unteren Seebecken reduziert werden.

Zeitverlust kompensieren

Ein langsameres Tempo für dieselbe Strecke bedeutet Zeitverlust. Dazu kommt gemäss Rizzi, dass die Haltezeiten heute zu knapp bemessen und anzupassen seien. Denn Absicht der ZSG sei, «möglichst vielen Fahrgästen eine Schifffahrt zu ermöglichen und das Angebot kostenneutral der Nachfrage auszurichten», wie es im Protokoll heisst. Denn zusätzliche Schiffe wird es keine geben. Daher soll das Kursangebot neu strukturiert und vermehrt nach den Bedürfnissen der Fahrgäste ausgerichtet werden.

Mittel zur Umsetzung seien die Verschiebung von nachfrageschwachen Kapazitäten zugunsten von Nachfragespitzen, indem Saisonzeiten und Anzahl Kurse angepasst werden. Und, so wird Rizzi im Protokoll zitiert: «Die Reduktion der Geschwindigkeit bedeutet die Streichung von Schiffshalten.» Das gilt zum Beispiel auf der Limmat. Die Limmatboote sollen ab 2020/21 nur noch flussaufwärts die Stationen Limmatquai und Storchen anfahren. Der Hafen Enge soll nicht mehr bedient werden, antwortet Wiebke Sander, Mediensprecherin der ZSG auf eine Anfrage.

Neuer «Seebecken-Shuttle»

Weitere Details will die ZSG mit Rücksicht auf einen Informationstermin vom 11. September derzeit nicht bekannt geben. Dann orientiert das Unternehmen die Seegemeinden über alle Vorschläge zum Fahrplan 2020/21 .

Der Fahrplan 2020/21 sieht weitere gröbere Veränderungen vor, wie dem Protokoll der Regionalen Verkehrskonferenz Zürich zu entnehmen ist. Die grosse Rundfahrt Zürich — Rapperswil — Zürich soll seeauf- und seeabwärts an denselben Haltestellen anlegen. So würden ab jeder Station geschlossene Rundfahrten ermöglicht. Vor Zürich soll ein «Seebecken-Shuttle» regelmässig verkehren. Dabei handelt es sich um eine 55-minütige Rundfahrt ab Zürich mit Verbindungen zum linken und rechten Seeufer. Bis wohin diese Shuttles fahren würden, wird sich ebenfalls erst am 11. September zeigen. Kilchberg am linken Ufer wäre lohnenswert, denn 2020 eröffnet dort Lindt & Sprüngli sein spektakuläres Schokolade-Museum.

Geplant sind weiterhin die kleinen Rundfahrten (85 Minuten) Zürich — Thalwil — Erlenbach mit drei Schiffen im Halbstundentakt.

Die Querfahrt Küsnacht – Erlenbach – Thalwil soll die Anschüsse an die S-Bahn in Thalwil gewährleisten. Bei der Querfahrt Männedorf – Stäfa – Wädenswil, mit eher geringer Auslastung, werde das Angebot «am Samstag und Sonntag jeweils morgens und abends an die SBB-Anschlüsse in Wädenswil angepasst» — sprich reduziert. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.08.2018, 20:37 Uhr

Pläne auf dem Oberen Zürichsee

Auch auf dem oberen Teil des Zürichsees zeichnen sich Änderungen beim Fahrplan ab. Die Gemeinden der Agglo Obersee haben bei der ZSG einen Vierpunktekatalog eingereicht, um das Angebot in ihrer Region verbessern zu können.

Klar ist: Ab dem Fahrplan 2020/21 wird erstmals ein Schiff in Rapperswil stationiert. Damit können neue Rundfahrten ab der Rosenstadt realisiert werden. «Wir erhoffen uns, der ZSG einen Fahrgastzuwachs zu ermöglichen», sagt Peter Göldi, Geschäftsführer der Agglo Ober­see. Drei der vier Punkte aus dem Wunschkatalog habe die ZSG für die Ausarbeitung des Fahrplanentwurfs, welcher im September präsentiert wird, aufgenommen.

Erstens sollen die Verbin­dun­gen ab Pfäffikon auf die Insel Ufenau­ verbessert werden. Zweitens soll die Gemeinde Schmerikon weiterhin mit dem Schiff erschlossen bleiben. Eine Obersee-Rundfahrt ab Rapperswil soll dies möglich machen. Im Vergleich zu heute möchte die Agglo Obersee die Haltezeit des Schiffes von heute 50 Minuten im Seedorf deutlich reduzieren. Als dritter Wunsch in die Planung auf­genommen wird eine Rundfahrt im oberen Seeteil zwischen Rapperswil, der Ufenau, Pfäffikon sowie den Gemeinden bis auf die Höhe von Richterswil und Stäfa. Ob sich dabei Synergien für die Querfahrten Wädenswil– Männedorf/Stäfa ergeben, ist derzeit noch offen.

Abgelehnt hat die ZSG einen Vorschlag, von Lachen nach Buss­kirch (Rapperswil-Jona) ein Pendelschiff einzurichten, um für Wanderer auf dem Obersee-Rundweg einen attraktiven Transportweg zu schaffen. Dafür sei die Zeit noch nicht reif, sagt Göldi. Zu den Wünschen der Agglo­ Obersee sagt ZSG-Sprecherin Wiebke Sander: «Die Umsetzung ist abhängig von der Finanzie­rung des ausserkantonalen Angebots.» Diese sei aktuell noch nicht geklärt. (ckn)

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