Verkehr

SBB brauchen viel Zeit für behindertengerechte Bahnhöfe

Die Mehrheit der Bahnhöfe am linken Zürichsee-Ufer sind noch nicht behindertengerecht. Im Bezirk Meilen ist die Bahn schon weiter - und hat dennoch viel zu tun.

Erhöhte Perrons, Rampen oder Lifte: Bis Ende 2023 müssen sämtliche Haltestellen des öffentlichen Verkehrs behindertengerecht umgebaut sein. Am Donnerstag haben das Bundesamt für Verkehr und die SBB die Karten auf den Tisch gelegt, wie weit sie mit der Umsetzung sind. Heute gelten schweizweit 58 Prozent aller SBB-Bahnhöfe als behindertengerecht.

Und trotzdem ist schon jetzt klar, dass die Zeit bis 2023 nicht reichen wird, um alle Bahnhöfe zu modernisieren. Einer dieser rund 100 Bahnhöfe ist Wädenswil. Die 100 Millionen Franken teure Modernisierung des Bahnknotens am linken Zürichsee-Ufer muss mit den Anpassungen an das Behindertengleichstellungsgesetz koordiniert werden.

Wenigstens geplant

Das Bundesamt für Verkehr geht davon aus, dass sich die Projekte dieser betroffenen 100 Haltestellen bis Ende 2023 wenigstens in der Genehmigungsphase befinden oder schon im Umbau. Dieser Zeitplan gilt in der Region auch für die Bahnhöfe in der Gemeinde Horgen.

Schneller geht es bei den übrigen SBB-Bahnhöfen, die in der Region noch nicht behindertengerecht sind. Und das sind mit Ausnahme der Au alle. Das Bahnunternehmen prognostiziert die Umbauten 2020 in Kilchberg und Thalwil, 2021 in Oberrieden Dorf, 2022 in Richterswil und 2023 in Rüschlikon und Oberrieden. Die Bahnhöfe Thalwil und Horgen galten eigentlich bereits einmal als behindertengerecht, weil diese Bahnhöfe aber teilweise in Kurven liegen, müssen die SBB dem Bundesamt für Verkehr noch den Nachweis liefern, dass die Bahnhöfe trotzdem für Behinderte im Rollstuhl benutzbar sind. An verschiedenen Orten sind deshalb nochmals bauliche Anpassungen an Perrons notwendig.

Vorbildlicher unterwegs sind im Bezirk Horgen die Südostbahn (SOB) und die Sihltal Zürich Uetliberg-Bahn (SZU). Die Südostbahn hat ihre drei Haltestellen angepasst, am Bahnhof Burghalden ist nur eine einzelne Rampe zum selten benutzten Gleis 2 noch nicht komplett behindertengerecht. Bei der SZU sind im Bezirk nur noch Anpassungen an den Haltestellen Sihlwald und Wildpark-Höfli notwendig.

Im Bezirk Meilen sind die SBB besser unterwegs. Nur noch Küsnacht Goldbach (voraussichtlich 2023) und Uetikon (voraussichtlich 2022) müssen umgebaut werden. Besonders Uetikon stellt die SBB vor Herausforderungen. Dort will das Bahnunternehmen nämlich auch noch die Perrons verlängern – unter anderem um Kapazitäten für die vielen Kanti-schüler zu schaffen, die dereinst nach Uetikon reisen werden. Wegen der Kurvenlage des Bahnhofs ist das nicht ganz einfach. Details zum Bahnhofprojekt in Uetikon will die SBB derzeit wegen einer laufenden Objektstudie noch nicht kommunizieren

Auch Bushaltestellen müssen umgebaut werden

Ebenfalls angepasst werden müssen bis Ende 2023 Bushaltestellen. Dafür verantwortlich sind Kantone und Gemeinden. Als behindertengerecht gelten Haltestellen dann, wenn die Verkehrsmittel von Menschen mit Behinderung «autonom und spontan» erreicht werden können. Das Bundesamt für Verkehr appelliert an die verschiedenen Transportunternehmen, die Umbauten zu koordinieren. Trotzdem: Ob ein Bahnhof behindertengerecht ist, wird nur oft isoliert aufgrund der vorhandenen Zugänge betrachtet, wie das Beispiel Stäfa zeigt. Die Rollstuhlrampe ist dort am Perronende – weit weg vom Busbahnhof. Trotzdem sind von den SBB die Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes erfüllt. (zsz.ch)

Erstellt: 06.12.2018, 16:53 Uhr

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