Thalwil

Rote Ostereier statt Liebesbriefe

Rund 800 dekorative Ostereier aus der ganzen Welt sind im Besitz von Emilie Swoboda. Sie selber dekoriert Eier mit einer besonderen Ätz-Technik.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Emilie Swoboda, gebürtig aus dem katholischen Niederbayern, weiss um die religiöse Bedeutung des Hühnereis, das neues Leben in sich birgt. Nicht umsonst wurde das Ei zum Symbol des ranghöchsten Festes der Christen. Gerne erinnert sich die 78-jährige Thalwilerin an das traditionelle «Eiertütschen» nach dem Ostergottesdienst, das sie schon als Kind beeindruckte.

Längst sind geschmückte Ostereier für Emilie Swoboda aber auch zum liebgewordenen Sammelgut geworden. Rund 800 dekorierte Eier darf sie ihr eigen nennen. Dabei gleicht kein Ei dem anderen. Gerne nimmt sie die verzierten Kleinode aus Schachteln und der Vitrine in der Wohnstube und zeigt sie Interessierten.

Straussenei als Behälter

«Besonders angetan haben es mir die roten Liebes-Eier», gibt Emilie Swoboda zu. Dabei überlässt eine Verehrerin einem Mann heimlich ein verziertes Hühnerei als Zeichen ihrer Liebe. Dabei hofft sie auf die Erwiderung der Gefühle. Bekannt sind die herkömmlichen Liebesgeschenke in Deutschland, Österreich und in der Schweiz.

Die Thalwilerin kreiert auch selber rote Eier dieser Art, heute zwar weniger als in früheren Jahren. Gerne verschenkt sie ein während drei bis fünf Stunden angefertigtes Unikat zu einer Taufe, zur Kommunion oder Konfirmation, zur Hochzeit oder im Trauerfall. «Meine Eier-Geschenke werden als Zeichen des Mitgefühls sehr geschätzt», sagt sie.

Die Seniorin weiss auch Bescheid über die Traditionen rund um das Liebesei: Im Balsthal gab es etwa eine Familie Heim, die sich über vier Generationen in dieser Eierkunst profilierte. Auch in Richterswil blieb (beispielsweise) noch ein Liebesei aus dem 19. Jahrhundert erhalten.

Neben der weltlichen wird auch die göttliche Liebe in den kunstvoll gestalteten Eiern dargestellt. In einem aufgeklappten Ei, das die Sammlerin zeigt, liegt in der einen Hälfte ein Osterlamm und in der andern der auferstandene Christus. Emilie Swobodas kostbarstes Stück ist ein Kelch aus dem 19. Jahrhundert: Der Hostienbehälter ist ein Straussenei, das mit Gold, Silber und Perlen verziert ist.

Emilie Swoboda verziert gerne kolorierte Eier, indem sie mit einem kleinen japanischen Papierschneidemesser Dekorationen in die Schale ritzt. Manche reden bei dieser Technik auch von Kratzen oder Gravieren. Die «Ei-Künstlerin» sagt: «Es braucht Feingefühl und künstlerischen Sinn, Gesehenes umzuformen und auf das runde Ei zu bringen». Als Sujets nennt sie etwa Muster des Kaffeegeschirrs, Ornamente von Tapeten, eine Stickerei oder Illustrationen aus Büchern.

Auch in der Batik-Technik mit Wachs ist die Thalwiler Künstlerin bewandert. Ihre «Spezialität» zur Dekoration des Eis ist aber eine Ätz-Technik, die sie selber entwickelt hat. Sie erklärt: «Ich behandle gewisse Bereiche der ausgeblasenen Eier mit Säure». Dadurch entstehen filigrane Gebilde mit «Durchblick». Leicht und schön präsentieren sich diese Ostereier. Emilie Swoboda sagt: «Das Schnitzen mit Chemie braucht viel Gespür, andernfalls zerbricht das Ei». Die künstlerischen Ergebnisse von abgeätzten Eiern seien aber einmalig.

Vielfältige Kostbarkeiten

Fasziniert ist die Thalwilerin von den vielen Techniken, die auf dem handgrossen Kleinod ausprobiert werden können. Sie zeigt Eier, auf die Scherenschnitte, Strohsterne und Perlen appliziert sind. Andere sind mit Kupferdraht umwickelt, umhäkelt oder umstrickt. In der Sammlung sind zudem Eier mit Frivolité- und Klöppelspitzen zu bewundern. Neben den traditionellen mit «Böllesud» gefärbten Eiern zeigt sie «hessische Blauholz-Eier», mit Wollfäden oder mit Binsenmark von Schilfrohren beklebte oder sogar mit kleinen Hufeisen beschlagene Glücksbringer.

Die kleinen Kunstwerke stammen aus der Schweiz, aus Österreich, Deutschland, Tschechien, Ungarn und Rumänien. Weiter sind Holzeier mit Ikonen aus Russland und sogar sogenannte Floheier aus Frankreich zu bewundern.

Emilie Swoboda bedauert, dass die Jungen kaum mehr Zeit hätten, sich der Kunst am Osterei zu widmen. Sie sagt: «Ich hoffe, dass die nach alter Tradition geschmückten Eier zumindest in der Osterzeit weiterhin an vielen Orten zu sehen sind».

Erstellt: 09.04.2019, 16:51 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben