Horgen

Romeo und Julia küssten sich am Zürichsee

Autorin Hanna Steinegger stellt ihren neuen historischen Roman «Der unheilvolle Kuss» vor der Kulisse vor, in der die Geschichte spielt.

Zur Re­cherche zieht es die Autorin Hanna Steinegger immer wieder ins Dorf ihrer Vorfahren. Am 3. Oktober präsentiert sie ihr neues Buch im Hotel Schwan in Horgen.

Zur Re­cherche zieht es die Autorin Hanna Steinegger immer wieder ins Dorf ihrer Vorfahren. Am 3. Oktober präsentiert sie ihr neues Buch im Hotel Schwan in Horgen.

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«Der unheilvolle Kuss» – der ­Titel lässt einiges an Spekulationen über den Inhalt zu. Eines sei vor­aus­geschickt: Zur Zeit der Auf­klä­rung herrschten andere Moralvorstellungen als heute. Die Autorin Hanna Stein­egger legt die Geschichte einer verbotenen Liebe vor. Das 1747 erbaute Haus des Protagonisten Andreas Hüni steht heute noch: am Hüniweg mitten in Horgen.

Die Schriftstellerin ist eine geborene Hüni. In Horgen aufgewachsen, lebt sie heute in Schönenberg, hat zwei Söhne und fünf ­Enkel. Vor fünf Jahren hat sie ange­fangen, historische Romane zu schreiben. Zur Re­cherche zieht es sie immer wieder ins Dorf ihrer Vorfahren.

«Wenn ich durch Horgen spaziere, stehen meine Romanfiguren plötzlich hinter mir und erzählen mir aus ihrem ­Leben», schmunzelt die fantasiebegabte Frau. Ihre Geschichten drehen sich um reale und erfundene Personen, denen sie Charakter­züge andichtet: «Ich schreibe Romane, keine Geschichtsbücher.»

Bei aller gestalterischen Freiheit: Die Rahmenbedingungen sind akribisch recherchiert. «Meine Fundgrube ist das Buch der Familie Hüni, unsere Genealogie, die ich von meinem Vater geerbt ­habe», erzählt Stein­egger, die den Namen Hüni bis zu ihrer Hochzeit mit einem Urner trug. In diesem umfangreichen Familienverzeichnis finden sich Einträge, wann die Personen geboren und gestorben sind, wann sie geheiratet haben, wo sie lebten und wie viele Kinder sie hatten. «Dank diesem Buch fing ich an, in meiner Familiengeschichte zu forschen, und fand das unglaublich spannend», erzählt die Steinegger.

Ein Zeitfenster öffnen

Ihr Vorgehen beschreibt sie als intuitiv: «Ich schlage die Genealogie auf und lese den ersten Eintrag, der mir ins Auge springt. Dann überlege ich mir, was sich dar­aus für eine Geschichte schrei­ben ­liesse.» Sie greift in der Geschichte ein Zeitfenster von 50 bis 70 Jahren aus dem geschicht­lichen Kontext her­aus und entspinnt davon ausgehend ihre Geschichte. Unermüdlich sucht sie Informationen: im Staatsarchiv, in der Geschichte der Gemeinde Horgen von Paul Kläui (1952) und von Johannes Strick­ler (1882). Das sei ausschlaggebend, sagt die Autorin: «Der historische Rahmen muss stimmen – und der Zeitgeist.»

In Europa herrschte zur ge­schil­der­ten Zeit vielerorts Armut; die Medizin steckte in ­ihren Kinderschuhen. «Erst 1833 gab es eine medizinische Fakultät», weiss Stein­egger und betont die Wichtigkeit der kräuterkundigen Hebammen. Als sie das medizin­historische Museum besuchte, fand sie «die alten medizinischen Geräte faszinierend, dar­unter Keuschheitsgürtel und Gebär­hilfen.» Am Tod der Patienten war meist mangelnde Hygiene schuld.

Als Mentor hat der Historiker ­Peter Zieg­ler die Autorin begleitet: «Er hat dar­auf geachtet, dass die historischen Fakten stimmen», erklärt die vielseitig interessierte Frau, die sich intensiv mit der Dorfpolitik im alten Horgen befasst hat. Dar­in spielte das heutige Hotel Schwan eine zen­trale Rolle: Das «Gesellenhaus», im Sinne eines «Gesellschaftshauses», war 1462 erbaut worden. Die Buchvernissage findet in diesem historischen Ambiente statt, was die Autorin freut: «Ich schätze den Schwan sehr; man ­atmet dort die Vergangenheit.»

Vernissage am Montag, 3. Oktober, um 18.30 Uhr im Hotel Schwan, Am Schwanenplatz / Zugerstrasse 9, Horgen. Anmeldungen unter ­Telefon 044 725 52 52. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.09.2016, 15:32 Uhr

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