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Richterswiler Industrie im Takt der Zeit

Hotels, Textilfabriken und Kunststoffindustrie: Die Richterswiler Industriegeschichte blickt auf bewegte Jahrhunderte zurück. Ein neues Buch widmet sich der Zeit von den Anfängen bis zum heutigen Tag.

Die Kattundruckerei prägte 1912 das Bild des Richterswiler Horn. Erst Anfang der 80er Jahre wandelte sich die Landzunge von einem Industrie- in ein Erholungsgebiet.
Die Kattundruckerei prägte 1912 das Bild des Richterswiler Horn. Erst Anfang der 80er Jahre wandelte sich die Landzunge von einem Industrie- in ein Erholungsgebiet.
zvg

Pilgerreisende, arbeitende Kinder in Textilfabriken und Industriegebäude auf dem Hornareal haben die vergangenen Jahrhunderte der lokalen Industriegeschichte geprägt. Der Richterswiler Rico Wengle zeigt in seinem neuen Buch «Industrie-Entwicklung am Beispiel von Richterswil» auf, wie sich diese seit ihren Anfängen vor 400 Jahren bis heute entwickelt hat.Bereits zur 750-Jahr-Feier vor zwei Jahren hat sich der Autor mit der hiesigen Industriegeschichte befasst. «In der Chronik der Gemeinde Richterswil war aber nicht genügend Raum für die Industrie-Entwicklung vorhanden», sagt Wengle. Deshalb sei es ihm wünschenswert erschienen, auch die Geschichte der Richterswiler Industrie in Buchform darzustellen.

Das fast 300-seitige und mit vielen Bildern versehene Werk zeigt auf, wie die Richterswiler Hotellerie durch Pilgerreisende entstanden und im 18. Jahrhundert von Richterswil als Kurort profitierte. Dass die Hotellerie klein begonnen hatte, vermittelt ein Verkaufsdokument des Hotels Engel aus dem Jahr 1639. In der Urkunde wird das Inventar mit «5 Betten, jedes mit zwei cleinen Cüssenen in zwei Cammeren, 4 Saltzbüchsli, 2 Dotzet hölzi Deller und 60 Pfund zinni Gschirr» aufgeführt.

Textil- und Gummi-Industrie

Nebst den Wirtshäusern entwickelte sich zunehmend auch eine lokale Textilindustrie. In ihren Anfängen mehrheitlich noch von Heimarbeitern geprägt, entstanden anfangs des 19. Jahrhunderts in Seenähe Textilfabriken.

Der Autor Wengle ist überrascht, dass der Handel aus jener Zeit deutlich macht, «dass Globalisierung nicht wirklich neu ist». So sei dem Industriellen Hürlimann schon 1819 Baumwolle aus Südamerika, den USA, aus Indien und Ägypten angeboten worden. «Und Absatzmärkte aus der Kattundruckerei finden sich Ende des 19. Jahrhunderts unter anderem in Japan, Indonesien und Ostafrika.»

Einzig die Geschwindigkeit war eine andere. Der Transport über die Weltmeere erfolgte per Segelschiff. Und als 1816 der Samstagerer Alt-Landrichter Bär den Transport der italienischen Post von Samstagern nach Zürich übernahm, erfolgte dieser zweimal wöchentlich «mit gutem, tauglichem Pferd und treuem, zuverlässigem und nüchternem Postillion».

Nachdem die Textilfabriken im 19. Jahrhundert die Hauptarbeitgeber in Richterswil waren, mussten in den Zwischenkriegsjahren fast alle ihren Betrieb einstellen. Auf Bestreben des damaligen Gemeinderates siedelten sich auf dem Horn die Gummiwerke Richterswil, die Gurit, an. In ihren besten Zeiten beschäftigte die Gurit bis zu 650 Mitarbeitende, 1979 zogen sie weg von Richterwil.

Weniger arbeiten im Dorf

Wengle widmet sich in seinem Buch jedoch nicht nur den verschiedenen Industriezweigen. Er porträtiert auch fünf Unternehmerpersönlichkeiten, Einzelunternehmen sowie Firmen, welche Richterswil bis heute prägen.

Mit der internationalen Ausrichtung der Unternehmen sowie der Frankenstärke seit den 70er Jahren nennt er Konstanten, welche die Unternehmer bis heute begleiten. Gleichzeitig führt er vor Augen, wie sich die Gewerbetreibenden dem dauernden Wandel anpassen mussten und müssen. Eines der zahlreichen Beispiele liefert die Gurit: Hatte sie in den 30er-Jahren gummierte Baby-Höschen verkauft, produzierte sie in den 90er-Jahren einen Klebstoff für Autos.

In den vergangenen zwei Jahrhunderten hat sich aber auch das Verhalten der Arbeitnehmer verändert. Arbeitete 1850 rund die Hälfte der heimischen Erwerbstätigen im Dorf, nahm dieser Anteil mit der zunehmenden Mobilität stetig ab. Heute sind es noch zehn Prozent der Richterswiler, die im Dorf arbeiten.

Buchvernissage: Freitag, 6. Oktober, 19.30 Uhr, Keller des Ortsmuseums Richterswil, Dorfbachstrasse 12.

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