Richterswil

Nach schwerer Krankheit greift sie wieder zum Pinsel

Malen als Antrieb in schwierigen Zeiten: Vor sieben Jahren ist Vreni Gerig schwer erkrankt. Nun bestreitet die Frau aus dem «Chacheli» bald ihre erste grössere Ausstellung.

Zuhause in Samstagern nimmt sich Vreni Gerig täglich zwei Stunden Zeit, um zu malen – etwa Aquarelle von Mohnblumen.

Zuhause in Samstagern nimmt sich Vreni Gerig täglich zwei Stunden Zeit, um zu malen – etwa Aquarelle von Mohnblumen. Bild: Manuela Matt

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Flink streichen ihre Finger über den Bildschirm. In schneller Abfolge lässt er bunte Blüten, Bäume oder Schneelandschaften erkennen. Da und dort kommentiert Vreni Gerig das Gesehene. Das macht sie mit einiger Bescheidenheit, in beiläufigen, knappen Worten. Dabei zeigen die Bilder, die da auf dem Tablet durchwischen, allesamt Werke aus ihren Händen.

Dann aber hält die 72-Jährige inne. Auf dem Gerät ist nun blühender Mohn zu erblicken – Gerigs Lieblingsblume, festgehalten als Aquarell. Auch die grobe Struktur des Hintergrunds ist deutlich.

«Handgeschöpftes Papier», erklärt Gerig, «es macht das Aquarellieren noch weniger korrigierbar, als es ohnehin ist.» Gerade das ist es aber unter anderem, was die Richterswilerin an der Technik fasziniert. «Man muss das Resultat sein lassen können.» Ein paar Bilder weiter ist ein Zweig von Magnolien zu sehen. Durchsichtig wirkt er, schwerelos und luftig. «Das war nicht einfach, es so hinzukriegen», sagt Gerig. Nicht einfach war aber noch ganz anderes in ihrem Leben.

2019 im Bären

Vor gut sieben Jahren war an Malen nicht mehr zu denken. Gerig konnte ihre Arme nicht mehr bewegen, nicht mehr gehen, nicht mehr selbständig essen. Die Ursache war unbekannt – «man wusste nicht recht, ob es ein Rückfall meiner Kinderlähmung war oder etwas anderes». Längere Zeit lag sie im Universitätsspital Zürich. Bis die Ärzte endlich ein Medikament gefunden hatten. «Dann ging es täglich besser», erinnert sich Gerig.

Vreni Gerig zeigt eines ihrer Werke.

Und nun ist sie für ihre erste grössere Ausstellung angefragt worden: Ab Donnerstag zeigt sie in Kloten ein halbes Jahr lang 40 Werke mit Motiven aus allen Jahreszeiten. Ihre ganz erste Ausstellung ist dies allerdings nicht: Letztes Jahr war sie an einer Gruppenausstellung im Richterswiler Ortsmuseum Bären mit einigen ihrer Baumbilder dabei.

«Das Malen hat mir Kraft und Antrieb gegeben», sagt sie rückblickend. Schon lange vor ihrer Erkrankung hatte sie indes Farbe und Pinsel schätzen gelernt: als Kontrast zu ihrer täglichen Arbeit. Letztere ist es auch, die Gerig in Richterswil zu einer ortsbekannten Person gemacht hat. 35 Jahre lang hat sie dort das «Chacheli» geführt. Das Geschäft für Keramik, Glas, Schmuck und vielem mehr war ihr Lebenstraum.

«Das Malen hat mir Kraft und Antrieb gegeben»Vreni Gerig

Sie erfüllte ihn sich nach einer Lehre im Bürobereich und einigen Jahren entsprechender Berufserfahrung. «Durch die Folgen der Kinderlähmung war die Auswahl an Berufen eingeschränkt», erklärt sie. Dann aber bot sich in dem Sportgeschäft ihres Cousins Willi Streuli eine freie Verkaufsecke. Gerig ergriff die Gelegenheit. Sie richtete sie mit dem Sortiment «an schönen Sachen» ein, für die sie schon immer ein Faible hatte.

Zudem bot sie Töpferkurse an, die bald alle belegt waren, ohne dass sie sie je ausgeschrieben hätte. «Sie haben mir das Erdige gebracht», erläutert sie, «und das Luftige der Aquarellmalerei den Ausgleich dazu.» Bis zu sechs Kurse habe sie pro Woche durchgeführt. Inzwischen war sie mit Laden, Kurslokal und Wohnung umgezogen und betrieb das «Chacheli» im historischen Gebäude an der Dorfstrasse. «Ich treffe noch immer regelmässig eine Gruppe aus einem Töpferkurs», freut sich Gerig.

Zwei Stunden täglich

Überhaupt, sagt sie, «sind wir während meiner schweren Erkrankung stark vom Dorf unterstützt worden.» Damit meint sie auch ihren Mann, der sie die Zeit hindurch gepflegt hat. Und die Bevölkerung sei immer zu ihr gestanden, als sie wegen ihrer Krankheit Laden, Kurse und Wohnung aufgeben musste.

Selber töpfern könne sie indes nicht mehr. Dafür liessen ihr die Beschwerden zu wenig Kraft. «Zwei Stunden malen täglich liegen drin», erklärt sie. Dass sie sich so regelmässig ihrem Hobby widmet – davon zeugen denn auch einige Wände in ihrem Zuhause in Samstagern.

Vernissage am Donnerstag, 23. Januar, 18.30 Uhr. Ausstellung bis 21. August. Geöffnet täglich von 9 bis 18 Uhr. Pflegezentrum im Spitz, Schulstrasse 22, Kloten.

Erstellt: 21.01.2020, 16:29 Uhr

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