Richterswil

Richterswil bekämpft ein Tabu

Psychische Erkrankungen verbreiten sich in allen Altersstufen. Die Gemeinde Richterswil will mit dem Projekt «RICHTIg gsund» dagegen vorgehen, indem sie gemeinsam mit den grössten Richterswiler Arbeitgebern das Kader im Umgang mit psychisch erkrankten Mitarbeitenden schulen wird.

Das Projekt «RICHTIg gsund» zur Förderung der psychischen Gesundheit wurde gestern von Evelyne Bucher, Jens Weber, Roger Nauer, Melanie Züger und Hans-Jörg Huber den Medien vorgestellt (von links).

Das Projekt «RICHTIg gsund» zur Förderung der psychischen Gesundheit wurde gestern von Evelyne Bucher, Jens Weber, Roger Nauer, Melanie Züger und Hans-Jörg Huber den Medien vorgestellt (von links). Bild: Michael Trost

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Grippe und Beinbrüche werden gemeinhin als Krankheit und körperliche Einschränkung anerkannt. Nicht so aber psychische Erkrankungen, diese sind bis heute vielerorts ein Tabu. Arbeitgeber sehen sich immer wieder mit Mitarbeitenden konfrontiert, die an einer Lebenserschöpfung leiden.

Die Gemeinde Richterswil will nun mithilfe des Projekts «RICHTIg gsund» dafür sorgen, dass es gar nicht erst so weit kommt. Gestern hat sie das Projekt den Medien vorgestellt. Ziel ist es, für psychische Erkrankungen zu sensibilisieren, gleichzeitig sollen sie enttabuisiert werden. Um dies zu erreichen, wird die Gemeinde einerseits mit der Kampagne «Unsere Psyche? Kein Tabu!» arbeiten, andererseits werden Kadermitarbeitende geschult. «Es ist ein einzigartiges Projekt. Mit dem Paracelsus-Spital und der KMU-Vereinigung Richterswil/Samstagern als Kooperationspartner vertreten wir die grössten Arbeitgeber der Gemeinde», sagt Gemeinderätin Melanie Züger (FDP).

Symptome erkennen

«Das Kader werden wir gemeinsam mit dem Paracelsus-Spital und den KMUs schulen», sagt Gemeindeschreiber und Personalchef Roger Nauer. Dabei handle es sich um eine Führungs-, nicht um eine Therapieschulung. «Personen in leitenden Funktionen sollen lernen, Symptome von psychischen Erkrankungen zu erkennen und wie sie Mitarbeitende ansprechen können, die womöglich unter einem psychischen Problem leiden», konkretisiert der Gemeindeschreiber. Gleichzeitig müsse das Kader selber in den Spiegel schauen und feststellen, was ihr Verhalten bei Angestellten bewirke.

Hans-Jörg Huber, Präsident der KMU-Vereinigung Richterswil/Samstagern, erhofft sich durch die gemeinsamen Schulungen Hilfe, wie die Ziele des Projekts in kleinen Betrieben umgesetzt werden können. «Und ich hoffe, dass wir Netzwerke schaffen, damit wir langfristig nicht auswärts auf Hilfe angewiesen sind, sondern mit Arbeitskollegen das Gespräch aufnehmen können.» Der Direktor des Paracelsus-Spitals, Jens Weber, ist gespannt über den Austausch mit den KMUs. «Die Haltung psychisch Erkrankten gegenüber muss sich in den Unternehmen ändern.» Erschöpft zu sein sei normal. «Das darf nicht mehr länger ein Tabu sein», sagt Weber.

Projekt zur Verfügung gestellt

Für die breite Öffentlichkeit wird das Projekt am Frühlingsmarkt am 29. April lanciert. Mehrere Anlässe werden die Bevölkerung das ganze Jahr hindurch auf psychische Erkrankungen aufmerksam machen. Evelyne Bucher, Leiterin Gesellschaft und Projektverantwortliche der Gemeinde, erklärt, dass die Sensibilisierungskampagne auch mit augenfälligen Sprüchen geführt werde. «Diese beziehen sich zuerst immer auf eine Sache und erst dann auf den Menschen.» Ein Aufkleber, der künftig an Spiegeln haften dürfte, lautet: «Ich bin zerbrechlich. Bei Spiegeln kann das sein. Bei Menschen auch.»

Das Projekt «RICHTIg gsund» musste allerdings nicht komplett neu aus dem Boden gestampft werden. «Die Werner Alfred Selo Stiftung hat das Projekt in ähnlicher Form geschaffen», sagt die Gemeinderätin Züger. Anschliessend hat es die Genossenschaft Migros Luzern auf ihre Bedürfnisse angepasst und in ihren Betrieben angewendet. «Diese überarbeitete Kampagne gefiel uns sehr gut, so dass wir sie für Richterswil übernehmen konnten.» Die Genossenschaft Migros Luzern hat Richterswil die Kampagne kostenlos zur Verfügung gestellt. Für die Umsetzung des Projekts in Richterswil wurden zirka 20 000 Franken budgetiert, die sich gemäss Roger Nauer auf verschiedene Ressorts verteilen.

«Mit diesem Projekt nimmt Richterswil eine Pionierrolle ein», sagt Züger, indem die Gemeinde gemeinsam mit anderen Arbeitgebern das Projekt umsetzen werde. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.04.2017, 18:00 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Panorama Portugal, fernab vom Meer

Ein Abschied, der Spuren hinterliess

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!