Horgen

Richter halten «Hydranten-Killer» nicht für den Migros-Erpresser

Überraschung in Bellinzona: Trotz scheinbar klaren Beweisen der Bundesanwaltschaft wird ein 76-jähriger Horgner teilweise freigesprochen.

Der Horgner «Hydranten-Killer» ist nicht auch der Migros-Erpresser: Dieser Ansicht ist das Bundesstrafgericht.

Der Horgner «Hydranten-Killer» ist nicht auch der Migros-Erpresser: Dieser Ansicht ist das Bundesstrafgericht.

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Der «Hydranten-Killer» bleibt er. Dass er auch der «Migros-Erpresser» ist, kann einem 76-jährigen Horgner aber laut dem Bundesstrafgericht nicht nachgewiesen werden. Er wird vom Vorwurf der versuchten Erpressung freigesprochen. Auch ein Schliessfach in Zürich-Enge soll nicht durch sein Wirken in die Luft geflogen sein.

Hingegen verurteilt das Bundesstrafgericht den Landwirt unter anderem wegen Sachbeschädigung und mehrfacher Verletzung der Verkehrsregeln zu einer hohen unbedingten Geldstrafe von 150 mal 165 Franken. 24 Tagessätze werden abgezogen, da der Beschuldigte so viele Tage in Untersuchungshaft gesessen hatte.

DNA-Spuren gefunden

Im Fall der versuchten Erpressung hat der damalige Migros-Chef Herbert Bolliger 2016 einen Brief mit der Forderung erhalten, 210'000 Euro in einem Abfallkübel des Rastplatzes St. Margarethen SG zu deponieren. Sollte das Geld nicht abgegeben werden, würden in Migros-Läden Lebensmittel vergiftet. An einer Ettikette auf dem Couvert des Schreibens wurden DNA-Spuren des Beschuldigten gefunden. Auch an einer Schnur, die im gesprengten Schliessfach im Bahnhof Enge lag, waren DNA-Spuren des Horgners. Dennoch ist er jetzt in beiden Punkten freigesprochen worden.

Wie das Gericht zu diesem überraschenden Schluss gekommen ist, bleibt unklar. Eine Anfrage des «Blick» wurde vom Generalsekretariat des Bundesstrafgerichts damit abgetan, dass es keine Pressemitteilung geben wird. Das letzte Wort ist wohl noch nicht gesprochen. Der Entscheid kann ans Bundesgericht weitergezogen werden. Einfach ist an dem Fall fast nichts. Das schlägt sich auch im Honorar des Verteidigers nieder. Über 24'000 Franken erhält dieser aus der Kasse des Bundes. Die Verfahrenskosten von über 41'000 Franken übernimmt der Staat grösstenteils. Nur 2000 Franken muss der Beschuldigte selber bezahlen.

Linksextreme beschuldigt

Sechs Hydranten in Zürich und Horgen sind dem «Hydranten-Killer» zum Opfer gefallen. Bei einigen fanden sich Bekennerschreiben von berüchtigten Gruppierungen der linksextremen Szene. Diese sahen sich veranlasst, online klarzumachen, dass sie nicht für die Schäden verantwortlich seien. Ob der «Hydranten-Killer» verantwortlich war, bleibt aber ungeklärt. Mit Verweis auf die Verjährung wird das Verfahren gegen den 76-Jährigen in fünf Fällen eingestellt. Nur in einem Fall wird er verurteilt: Er hat einen Hydranten in Horgen manipuliert was den Verlust von einer unbestimmten Menge Wasser mit sich zog.

Klar ist für das Bundesstrafgericht, dass der 76-Jährige die Bürotür seines Nachbarn in Horgen zugeklebt hat. Für diese Tat muss er dem Geschädigten 608 Franken zahlen.

Die Verkehrsregelverletzungen betreffen eine abenteuerliche Fahrt: Vor zwei Jahren fuhr der 76-Jährige mit seinem Auto die halbe Zürcher Bahnhofstrasse entlang, trotz Fahrverbot. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.12.2018, 17:30 Uhr

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