Adliswil

Rettung aus luftiger Höhe

Zum Ende der jährlichen Revisionsarbeiten führt das Team der Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg jedes Jahr eine Bergungsübung durch. Abgeseilt wird eine Schulklasse.

Die Rettungsübung der Luftseilbahn sorgte bei den Schülerinnen und Schülern für Nervenkitzel.
Video: Solvej Oettli

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«Achtung, Achtung. Aus technischen Gründen kann die Bahn nicht weiter fahren. Bitte verhalten sie sich ruhig.» Über diesen Satz freut sich niemand. Vor allem nicht, wenn man in einer kleinen Kabine in 30 Metern Höhe schwebt. Genau das war am Dienstag bei der Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg (LAF) der Fall.

Nach der Revisionsarbeit führt die LAF jeweils die Bergungsübung durch. Seit acht Jahren immer mit dabei ist Lehrer Alois Kälin mit seiner Schulklasse aus Adliswil. «Bisher hat immer super geklappt, deshalb kommen wir jedes Jahr gerne wieder», meint Kälin. Einmal sei sogar ein Hund abgeseilt worden.

Auch die Fünft- und Sechstklässler freuen sich. Angst ist an der Talstation keine zu spüren. Die Älteren durften sich schon letztes Jahr abseilen lassen. Diese wagen sich heute an die höhere Stelle, auf fast 60 Meter über dem Boden. Die andere Kabine wird circa 30 Meter über dem Boden stehen bleiben. Aufgeregt drängen sich die Schüler in die Kabinen.

Durchgeplanter Ablauf

Im Falle einer Bergung werden die Mitarbeiter der LAF zusätzlich durch acht Mitarbeiter der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) unterstützt. Das ganze Bergungsteam besteht aus 18 Personen, von welchen mindestens zehn für eine Bergung benötigt werden. Verschiedene Aufgaben müssen übernommen werden. Pro Kabine gibt es je einen Retter, welcher in die Kabine kommt und den Menschen aus der Kabine hilft. Auf jeden Retter kommt ein Bodenteam von drei bis fünf Personen, welches die Bergung von unten bestreitet und die Passagieren in Empfang nimmt. Der Einsatzleiter in der Talstation koordiniert und überwacht das ganze Geschehen über Funk. Im Ernstfall werde auch die Feuerwehr aufgeboten.

«Bei schönem Wetter wie heute würden wir eigentlich zusätzlich einen Helikopter haben, welcher bei der Bergung helfen würde», sagt Patrick Zimmermann, Leiter Technik und Betrieb der LAF. «Damit geht es schneller und wir brauchten weniger Leute.» Geprobt wird heute aber die Schlechtwetterbergung ohne fliegende Hilfe.

Probe für den Ernstfall

Plötzlich stoppt die Fahrt auf 30 Meter Höhe, die Kabine wackelt hin und her. Auch wenn der Stopp erwartet wurde, schrecken alle kurz zusammen. «Angst habe ich keine», meint Alyssia, die sich zum ersten Mal abseilt. «Ein bisschen nervös bin ich schon, aber ich glaube, dass es cool wird.»

Der kleine Schreck verfliegt aber bald. An der Stütze sieht man schon zwei Retter in orangen Leuchtwesten hochklettern. Rettung ist auf dem Weg. In der warmen und stickigen Kabine vertreiben sich die Schüler die Zeit mit Klatschspielen, Schoggistängeli und Wahrscheinlichkeitsrechungen über die Absturzgefahr.

In der anderen Kabine hat das Abseilen auf 60 Metern schon begonnen. Auch hier beginnt das Seil über den Köpfe zu surren. Retter Damian Berger fährt mit einem Seilfahrtgerät von der Stütze aus zu der Kabine. Durch die Dachluke steigt er in die Kabine ein und erklärt ruhig, was passieren wird.

Über Funk ist er immer im Austausch mit dem Bodenteam und dem Koordinator. Er öffnet die Bodenluke und entnimmt das 60 Meter lange Helferseil. Mit diesem wird aber noch nicht abgeseilt. «Dass wäre nicht verantwortungsbewusst», erklärt Damian Berger. «Das Seil ist hier allen Witterungen ausgesetzt und könnte einen Schaden haben.»

Hilfe von unten

Das Bodenteam bereitet die Rettungsseile, die Rettungsgestältchen und das Bergungsgerät vor und schickt diese mit dem Helferseil nach oben. Das Bergungsgerät ist ein Motor, welcher das Abseilen etwas abbremst. So wird man mit 1.5 Meter pro Sekunde dem Boden entgegen schaukeln. «Das Ganze ist eine sehr sichere Sache», meint Damian Berger.

Der Retter entfernt nun auch noch das letzte, schützende Gitter. Ein circa 0,25 Quadratmeter grosses Loch klafft im Boden der Kabine. Spätestens jetzt, beim Anblick der 30 Meter unterhalb der Kabine, werden auch die Mutigsten ein bisschen nervös. Alles ist bereit, Smilla traut sich als Erste nach unten. Ihre Klassenkameraden schauen gebannt zu, wie sie sich immer mehr von der Kabine entfernt und dem Boden nähert.

Die Bergung soll höchstens drei Stunden dauern. Gemessen wir ab dem Stillstand der Kabine, bis sich alle Personen in der Talstation eingefunden haben. «Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass es unter Umständen bis zu einer Stunde dauern kann, bis alle Mitarbeiter und der Helikopter hier sind», sagt Zimmermann.

Die obere Gondel ist fertig evakuiert. Da diese von der Bergstation aus evakuiert werden konnte, waren die Retter schneller. Smilla ist heil unten angekommen und nun werden auch ihre Klassenkameraden abgeseilt. Alyssia meint stolz:«Am Anfang hatte ich schon ein bisschen Angst, aber dann war es doch sehr cool. Ich freue mich schon darauf, es nächstes Jahr nochmals zu machen.» Nach rund eineinhalb Stunden haben alle wieder festen Boden unter den Füssen.

Zum Schluss wird das ganze Rettungsequipment in gelbe Rucksäcke verpackt, damit es im Notfall parat wäre. Die Schlussbilanz fällt wenig überraschend sehr gut aus. Es sei alles nach Plan gelaufen. Zimmermann sagt: «Das Bergungsteam konnte in dieser realistischen Übung sehr gut handeln.» Auch Retter Damian Berger ist zufrieden. «Alles hat gut funktioniert. Die Abläufe sitzen. Nur dass es so heiss wird, habe ich nicht erwartet.»

Die Felseneggbahn ist bereit den Betrieb am Samstag, 6. April wieder aufzunehmen. Die erste Gondel fährt um 8 Uhr 05.

Erstellt: 03.04.2019, 17:51 Uhr

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