Wädenswil

Rekurs stoppt Entfernung von Kirchenbänken

Die reformierte Kirchgemeinde beschloss, 16 Kirchenbänke aus der Grubenmann-Kirche zu entfernen. Gegen diesen Beschluss ist Rekurs eingelegt worden.

So viel Freiraum in der Grubenmann-Kirche ist momentan eine Wunschvorstellung vieler.

So viel Freiraum in der Grubenmann-Kirche ist momentan eine Wunschvorstellung vieler. Bild: Manuela Matt

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Für Konzertgottesdienste und Tanzveranstaltungen bleibt es in der reformierten Kirche Wädenswil vorläufig eng. Dabei hat die Kirchgemeinde im Dezember mit einer Vierfünftelmehrheit entschieden, das zu ändern: Je acht Bankreihen links und rechts des Taufsteins sollten für zehn Jahre aus der Grubenmann-Kirche entfernt werden.

Wegen eines formalen Fehlers während der Behandlung dieses Geschäfts reichte ein Stimmberechtigter nun aber bei der Bezirkskirchenpflege Horgen Rekurs ein. Um wen es sich handelt, ist der Öffentlichkeit nicht bekannt. Der Rekurs wurde gutgeheissen. Statt mehr Freiraum in der Kirche zu erhalten, sieht sich die reformierte Kirchenpflege mit rechtlichen Auseinandersetzungen konfrontiert.

Nicht-religiöse Events

Die Grundlage für diese Differenzen entstand bereits im Jahr 2017. Im Jubiläumsjahr der Grubenmann-Kirche wurden die Bänke seeseitig vorübergehend entfernt, um auch nicht-religiösen Veranstaltungen Platz zu machen. Die Kirchenpflege organisierte etwa Talk-Gottesdienste, eine Ballnacht oder gemeinsame Essen. Diese Art der Nutzung brachte eine Gruppe von Kirchengängern auf den Geschmack. Sie formierte sich in der Interessengemeinschaft Freiraum Kirche und forderte in einer Petition mit 500 Unterschriften, die Bänke dauerhaft aus dem Gebäude zu entfernen. Die Kirchenpflege empfand das Vorhaben, die Kirche vielfältiger und häufiger zu nutzen, als positiv. Auch Nicht-Religiöse könnten so in die Kirche geholt und nicht zuletzt neue Mitglieder gewonnen werden.

«Es entsteht nicht attraktiver Freiraum, sondern eine kalte Leere.»Andreas Hauser, Kunsthistoriker und Mitglied der reformierten Kirche Wädenswil

Kritische Stimmen blieben nicht aus. Für Kunsthistoriker Andreas Hauser, Mitglied der reformierten Kirche Wädenswil, sind 16 Bankreihen zu viel. «Es entsteht nicht attraktiver Freiraum, sondern eine kalte Leere», sagte er im Vorfeld der Kirchgemeindeversammlung im Dezember 2018 gegenüber der ZSZ. Mit Gleichgesinnten startete er eine Unterschriftenaktion, die den Abbau auf maximal sechs Bankreihen beschränken und so den historischen Charakter der Kirche bewahren sollte.

Antrag ignoriert?

Die Kirche braucht zur Entfernung der Bankreihen die Zustimmung der Denkmalpflege. Diese stellte als Bedingung, dass die Kirchgemeinde dem Vorhaben zustimmen müsse. Das Resultat war deutlich. 215 Reformierte stimmten letzten Dezember für den Antrag der Kirchenpflege, nur 54 waren dagegen. Die Sache schien abgehandelt, dann erfolgte der Rekurs. Der beklagte formale Fehler ist damit begründet, dass der Leiter der Versammlung und Präsident der reformierten Kirchenpflege, Peter Meier, «auf Antrag etwas verwechselt hat», sagt Kirchenpflege-Mitglied Dieter Müller, der für Rechtliches verantwortlich ist.

Die Kirchgemeindeordnung sieht vor, dass während der Versammlung eine Urnenabstimmung über ein bestimmtes Geschäft gefordert werden kann, wenn mindestens ein Drittel der Anwesenden dem zustimmt. Der Rekurrent bemängle, dass Meier die Stimmenzählung derjenigen, die eine Urnenabstimmung über das Geschäft forderten, nicht zugelassen habe. «Ob am Ende der Versammlung auf die Frage nach Einwänden reagiert wurde oder nicht, ist unter anderem Gegenstand des Rekurses», sagt Müller.

Rekurs gegen den Rekurs

Die Kirchenpflege will den Rekurs nun bei der Rekurskommission der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich anfechten. Sie legt also Rekurs gegen den Rekurs ein. Die Frist beträgt fünf Tage. «Am Montag schicken wir unser Gesuch ab», sagt Peter Meier. Ob es zu einer Wiederholung der Versammlung kommt, an der dann wie gehabt eine Urnenabstimmung gefordert werden könnte, entscheidet der Beschluss der Rekurskommission. Meier weist indessen erneut darauf hin, dass sich die Kirchenpflege mehr Platz in der Grubenmann-Kirche wünscht. «Beim sehr beliebten Rock-Gottesdienst am Sonntag zwängten sich Chor und Musiker auf engem Raum.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.02.2019, 17:33 Uhr

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