Horgen

Ein Reiseführer durch Horgens Industriegeschichte

«Klein Lyon» am Zürichsee: Das neue Buch von Beat Frei lässt Horgens Industriegeschichte wieder aufleben.

Das grosszügige Backsteingebäude an der Seestrasse wurde um 1900 von der Wanner AG errichtet. Damals waren eine Werkstatt und eine Eisengiesserei darin untergebracht. Heute befinden sich darin die Seehallen.

Das grosszügige Backsteingebäude an der Seestrasse wurde um 1900 von der Wanner AG errichtet. Damals waren eine Werkstatt und eine Eisengiesserei darin untergebracht. Heute befinden sich darin die Seehallen. Bild: PD/Ortsbildarchiv Horgen

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Wissen Sie, was mit Klein-Lyon, Oetiker Briden, oder mit der Ziegelhütte in Horgen gemeint ist?» Dies fragte Horgens Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP) am Dienstagabend zu Beginn der Vernissage des Buches «Horgner Industriegeschichte» in den Seehallen in die Runde. Er wartete jedoch nicht auf Antworten, sondern stellte gleich klar: Wer die Ausdrücke nicht problemlos erklären könne, dem empfehle er das neue Buch des Historikers Beat Frei. Dieses biete nicht nur eine spannende Reise in die industrielle Vergangenheit, sondern sei auch Ansporn, die Gemeinde neu zu erforschen.

Der Historiker Beat Frei vertiefte mit seinen Erläuterungen das Wissen um die interessante Vergangenheit seines Dorfes. Er erinnerte daran, dass Horgen während langer Zeit die am meisten industrialisierte Gemeinde am Zürichsee war. Dabei habe sich in Horgen die Industrie nicht nur am Dorfrand, sondern mitten im Siedlungsgebiet etabliert. Das führte zu einer starken Prägung des Dorfbildes durch die Industrie. Das gilt noch heute, wie das Buch verdeutlicht. Allerdings nicht mehr so ausgeprägt wie vor einigen Jahrzehnten, was das Buch mit der Beschreibung von inzwischen abgebrochenen Gebäuden hervorhebt.

In den Hallen der Feller AG (hier im Bild) wurden seit 1909 Elektroschalter und Steckdosen hergestellt. Bis heute befindet sich der Firmenhauptsitz in Horgen.

Im Buch werden die Standorte der wichtigen Seiden- und Textilindustrie genannt. Im 19. Jahrhundert war die Seidenindustrie in Horgen von grösster Bedeutung. In Anlehnung an Lyon, die grosse französische Seidenstadt, wurde das Dorf sogar Klein-Lyon genannt. In den rund 100 Jahren zwischen 1835 und 1940 entstanden in Horgen etwa zwei Dutzend verschiedene Seidenfirmen.

Rund 130 Schauplätze

Vorgestellt werden in der neuen «Horgner Industriegeschichte» aber auch viele andere Industriebranchen. Die interessierten Leser werden an insgesamt 130 Horgner Schauplätze geführt. Gezeigt werden nicht nur Industriebauten, sondern auch die damit verbundenen Wohnbauten, etwa Villenpromenaden oder Arbeiterwohnungen. Heute ist Horgen keine Industriemetropole mehr. Das Dorf hat sich weiterentwickelt und kann mittlerweile vorrangig im Dienstleistungssektor punkten.

Vielschichtig führt Beat Freis Buch durch die komplexe Vergangenheit der Horgner Industrie. Es ist darum besonders gefällig, dass es in der Art eines Reiseführers geschrieben ist. Das handliche Taschenbuch hat 276 Seiten und verfügt über ein Register zu Firmen, Personen, Adressen und Quartieren. Es gibt auch Kartenausschnitte und übersichtliche Infoboxen, also Kästchen zu speziellen Themen oder zur Erklärung von Begriffen. Wie in einem Reiseführer üblich, gibt es auch einen «Serviceteil» mit Texten, die einen Überblick zur Horgner Industriegeschichte geben. Darin werden etwa die verschiedenen Etappen der Industrialisierung und die Situation der Arbeiterschaft aufgezeigt.

Das Buch wurde Beat Frei vor mehr als zwei Jahren von der Gemeinde Horgen in Auftrag gegeben. Begleitet wurde das Projekt von einer Arbeitsgruppe. Es ist für 25 Franken erhältlich (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.12.2018, 16:23 Uhr

Artikel zum Thema

Historisches Fabrikareal erwacht aus Dornröschenschlaf

Horgen Das frühere Grobareal beim Bahnhof wird neu genutzt und für das Publikum geöffnet. In den Seehallen Horgen sind verschiedenste Geschäfte eingezogen, weitere kommen hinzu. Mehr...

Lidl öffnet seine Tore im Zentrum Seehallen

Horgen Am Donnerstag eröffnet Lidl seine neuste Filiale im Bezirk. Als eines der ersten Geschäfte nimmt der Detailhändler in der Überbauung Seehallen seinen Betrieb auf. Mehr...

Philips zieht mit 130 Arbeitsplätzen in das Grob-Areal

Horgen Philips verlegt seinen Schweizer Hauptsitz von Zürich-Manegg mitsamt den 130 Arbeitsplätzen ins künftige Dienstleistungs- und Gewerbezentrum Seehallen nach Horgen. Das Areal nahe von Bahnhof und See war lange Zeit auch als Gymistandort im Gespräch gewesen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben