Kirchgemeinden

Regionale Kirchen wollen Zusammenarbeit verlängern

Die Kirchgemeinden Horgen, Oberrieden und Thalwil wollen auch künftig im Projekt H2OT zusammenarbeiten. Nötig ist dazu der Segen der Kirchgemeindeversammlungen.

Am Pfingstsonntag blieben die Türen der reformierten Kirche Horgen geschlossen. Das führte zu Protest gegen das Projekt H2OT.

Am Pfingstsonntag blieben die Türen der reformierten Kirche Horgen geschlossen. Das führte zu Protest gegen das Projekt H2OT. Bild: Manuela Matt

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Von einer bereichernden Zusammenarbeit sprechen alle Beteiligten, die im Projekt H2OT der Kirchgemeinden Horgen-Hirzel, Oberrieden und Thalwil gemeinsame Angebote realisiert haben. H2OT läuft unter dem Titel «KirchGemeindePlus», ein Reformprozess, der von der Landeskirche Zürich 2015 angestossen wurde.

Gemeint ist damit eine Zusammenarbeit der Kirchgemeinden über die Gemeindegrenzen hinaus. Diese Vernetzung besteht innerhalb der drei Gemeinden seit zwei Jahren. Nun soll sie auf weitere drei Jahre verlängert werden. Dazu müssen die Kirchgemeindeversammlungen zustimmen, in Horgen und Thalwil am 2. Dezember, in Oberrieden am 19. Dezember.

Vier Projektgruppen haben sich seit 2017 in übergemeindlichen Aktivitäten engagiert, beispielsweise in einem Crash-Kurs zur Reformation oder den gemeinsam durchgeführten Reformationssonntagen. Viel Anklang gefunden habe der erste Anlass der Jugendkirche. Im Projekt «vom Mushafen zum Sunnedörfli» tauchten 9- bis 14-jährige spielend in die Zeit der Reformation ein, berichtet Pia Schlechtriemen, Kirchenpräsidentin in Thalwil. «Dass wir etwas gemeinsam machen, das kam bei den Eltern sehr gut an», sagt sie. Sie ist neben dem Thalwiler Pfarrer Jürg-Markus Meier, dem Horgner Kirchenpräsidenten Markus Rauber und der Oberriedner Kirchenpflegerin Ursula Stauffacher in der Projektleitung von H2OT tätig.

Geplant sind neben Bibelabenden, Kirchenkino und einer Gemeindereise nach Ostfriesland, dass ein Treffpunkt für Langzeitarbeitslose, der in Thalwil bereits etabliert ist, auch für Horgner und Oberriedner offen steht.

Protest gegen geschlossene Kirche

Wie Meier betont, stellt die geplante Weiterführung der Zusammenarbeit, die theoretisch auch schon vorher möglich war, auf eine verbindliche Basis. Die verschiedenen Aktivitäten von H2OT scheinen unbestritten. Einziger Kritikpunkt sind die gemeinsamen Gottesdienste, vier bis fünf pro Jahr an einem Kirchenort. Da gab es in Horgen Proteste, als die Horgner Kirche am Pfingstsonntag geschlossen war und die Horgner nach Thalwil zum Gottesdienst hätten gehen müssen.

An hohen Sonntagen sollten Kirchen nicht geschlossen sein, waren Stimmen vom Hirzel zu hören und die Befürchtung, ob man da nicht treue Kirchgänger verärgere. «Ein emotionales Thema», das bestätigt auch Pfarrer Meier. «Nur, eine gute Zusammenarbeit bedingt auch, dass wir gemeinsam feiern», sagt er und verweist auf Pfingstaktivitäten 2019. Dann werde es am Pfingstsamstag neu eine H2OT-Taufe am See in Thalwil geben und der Sonntags-Pfingstgottesdienst werde in Horgen gefeiert.

«Die Kontakte und der Austausch haben mir und den Beteiligten sehr viel gebracht», sagt Schlechtriemen. Dies bestätigt auch die Oberriedner Kirchenpflegerin Ursula Stauffacher: «Die Vielfalt wird grösser, die Kontakte beispielsweise in Sachen Musik empfand ich als sehr wertvoll.» Der Horgner Kirchenpräsident Markus Rauber ergänzt: «Die Zusammenarbeit im Rahmen von H2OT hat zwischen den beteiligten Kirchgemeinden einen aktiven Dialog ausgelöst.» Die Strukturen seien mittlerweile gefestigt, womit in den kommenden Jahren der Fokus auf die inhaltliche Arbeit gelegt werden könne.

Netzwerk für weitere Zusammenarbeit

Die Reformierten haben nicht nur die KirchGemeindePlus etabliert, sie haben auch, um dem Rückgang ihrer Mitglieder Rechnung zu tragen, ihre Kirchenordnung revidiert, der im September deutlich zugestimmt worden ist. Diese legt unter anderem auch die Stellenprozente einer Kirchgemeinde fest. Ab 2024 rechnet man zehn Stellenprozente für 200 Kirchenmitglieder. Derlei Vorgaben stellen kleine Gemeinden unter Fusionsdruck, wie Hütten und Schönenberg, die sich bereits zusammengeschlossen haben.

Zu erwähnen ist auch die Fusion von Langnau und Adliswil. Horgen mit Hirzel zählt 6500 Reformierte, Thalwil deren 5000. «Diese beiden Gemeinden haben eine Grösse, mit der sie als Kirchgemeinde noch gut funktionieren können», sagt Meier. Oberrieden als kleine Gemeinde hat derzeit 1800 Mitglieder, steht mehr unter Fusionsdruck. Wenn Gemeindemitglieder und damit auch Einnahmen weiterhin zurückgehen, so legt KirchGemeindePlus schon einen Boden und spannt ein Netzwerk für weitere Zusammenarbeit, so sehen es auch die Delegierten in der Projektleitung.

Im Vorfeld der Kirchgemeindeversammlungen hat bereits ein Diskussions-Abend im Hirzel stattgefunden, ein weiterer ist am 26. November in Oberrieden geplant. Dass das Projekt H20T weitergeführt werden kann, braucht es die Zustimmung aller drei Kirchgemeinden.

Kirchgemeindeversammlungen, Sonntag, 2. Dezember in Thalwil und Horgen, 11.15 Uhr, in Oberrieden am Mittwoch, 19. Dezember, um 19.30 Uhr (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.11.2018, 14:38 Uhr

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