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Regierung setzt weiter auf den Entlastungsstollen

Der definitive Entscheid für den Sihl-Hochwasserschutz verzögert sich bis 2017/18. Bis dahin plant der Zürcher Regierungsrat den Entlastungsstollen weiter. Möglich bleibt auch die zweite Hochwasserschutz-Option, ein Ausbau des Etzel-Wasserkraftwerks am Sihlsee.

Die Sihl bei Hochwasser im Mai 2015: Der Zürcher Regierungsrat will die Schutzvariante Entlastungsstollen weiter vorantreiben.
Die Sihl bei Hochwasser im Mai 2015: Der Zürcher Regierungsrat will die Schutzvariante Entlastungsstollen weiter vorantreiben.
Archiv Manuela Matt

Auslöser des Jahrhundertprojekts «Hochwasserschutz an Sihl, Zürichsee und Limmat» war das Hochwasser im Sommer 2005, wie der Zürcher Baudirektor Markus Kägi (SVP) am Freitag vor den Medien in Thalwil ZH sagte. Die Stadt Zürich entging damals nur knapp grossen Hochwasserschäden. Limmat und Sihl waren nach intensiven Regenfällen randvoll.

Die Kantone Zürich und Schwyz stellten im April 2012 dann zwei mögliche Lösungen für den Hochwasserschutz an Sihl, Zürichsee und Limmat vor: einen Entlastungsstollen zwischen Langnau am Albis und Thalwil sowie eine Kombination von Massnahmen am Sihlsee mit einem Ausbau der Pumpspeicherung beim Etzel-Kraftwerk - dies im Rahmen der Neukonzessionierung des Kraftwerks.

Der Zürcher Regierungsrat bewilligte für die Konkretisierung der beiden Konzepte 4,25 Millionen Franken. In den letzten zwei Jahren seien sehr viele Entscheidungsgrundlagen erarbeitet worden, sagte Kägi weiter.

Aufwendige Neukonzessionierung

Gleichzeitig zeigte sich, dass die Neukonzessionierung des Etzelwerks «hoch komplex und sehr aufwendig» ist, wie der Schwyzer Landammann Andreas Barraud (SVP) sagte. So ist bereits klar, dass es eine Übergangskonzession geben wird, wenn die bestehende Konzessionierung im Mai 2017 ausläuft.

Daher dauerten auch die Abklärungen für die «Kombilösung Energie» länger als angenommen, sagte Barraud weiter. Involviert ist dabei auch die SBB, der das Kraftwerk nach Auslaufen der Konzession gehören wird. Die SBB könne den Hochwasserschutz bei der «Kombilösung Energie» aber erst im Rahmen eines im März 2015 gestarteten Vorprojekts untersuchen.

Der Zürcher Regierungsrat will der «Kombilösung Energie» die Türe aber nicht verschliessen, wie Kägi weiter sagte. Volkswirtschaftlich wäre dies gemäss dem Baudirektor die sinnvollere Variante, da sich der Hochwasserschutz und die Produktion von Strom verbinden liessen. Kägi räumte aber auch ein, dass Wasserkraft heute defizitär sei. Die Wirtschaftlichkeit spiele eine wichtige Rolle, betonte auch Barraud.

Die Verzögerung und Ergänzung bei der «Kombilösung Energie» haben nun zur Folge, dass der Zürcher Regierungsrat erst im Winter 2017/18 und nicht wie vorgesehen schon im laufenden Jahr über die Wahl eines der beiden Hochwasserschutzkonzepte entscheidet.

4,65 Millionen für Projektierung

Um aber die Zeit bis dahin zu nutzen, hat sich der Regierungsrat entschieden, mit der Projektierung des Entlastungsstollens Langnau am Albis-Thalwil zu beginnen. Das hohe Sachwertrisiko von bis zu 5,5 Milliarden Franken alleine in der Stadt Zürich rechtfertige diesen Entscheid, sagte Kägi weiter.

Die Zürcher Regierung bewilligte dafür einen Objektkredit von 4,65 Millionen Franken. Der Bund subventioniert die Projektierungskosten mit 35 bis 45 Prozent. Sollte im Winter 2017/18 der Entscheid für den Entlastungsstollen fallen, würde dieser aufgrund der vorgezogenen Projektierung rund drei Jahre früher zur Verfügung stehen und könnte bereits 2022 in Betrieb gehen.

Die Kosten für den Entlastungsstollen werden auf 122 Millionen Franken geschätzt. Bei der «Kombilösung Energie» lassen sich die voraussichtlichen Kosten für den Kanton Zürich noch nicht beziffern. Diese dürften aber wesentlich tiefer ausfallen als beim Entlastungsstollen, wie Kägi sagte. Diese Lösung könnte bis frühestens 2025/26 realisiert werden.

Weitere unabhängige Projekte

Neben den langfristigen Konzepten gibt es aber noch weitere Hochwasserschutz-Projekte, wie Matthias Oplatka, Gesamtprojektleiter beim Amt für Abfall, Energie und Luft (AWEL), sagte. Diese sind unabhängig vom Variantenentscheid. Unter diesen mittelfristigen Massnahmen ist etwa der Bau eines Schwemmholzrechens in der Sihl. Anfang Juli bewilligte der Kantonsrat dafür 26 Millionen Franken.

Weitere Projekte sind die Erneuerung des Platzspitzwehrs, die Sihlaufwertung bei der Allmend Brunau und in Adliswil sowie die Sanierung der Rathausbrücke in Zürich.

Wie das Tiefbauamt der Stadt Zürich mitteilte, soll die Sanierung der Brücke genutzt werden, um zusätzlich den Engpass für Hochwasser zu reduzieren. Gemäss Tiefbauamt ist es wahrscheinlich, dass die Brücke neu gebaut werden muss.

SDA/mst

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