Immobilien

Preise für Wohneigentum am See erreichen neuen Höchststand

Wer heute ein Einfamilienhaus in den Bezirken Horgen oder Meilen kaufen will, muss doppelt so viel dafür bezahlen wie vor 15 Jahren. Das zeigt eine Auswertung der ZKB. Konsequenzen hat dies vor allem für junge Familien.

Wer in Horgen 2003 eine Wohnung gekauft hat, würde heute bei einem Verkauf mehr als das Doppelte dafür erhalten.

Wer in Horgen 2003 eine Wohnung gekauft hat, würde heute bei einem Verkauf mehr als das Doppelte dafür erhalten. Bild: Patrick Gutenberg

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Wer sich ein Eigenheim am Zürichsee wünscht, muss zur Erfüllung seines Traumes tief in die Tasche greifen. Dass die Preise für Einfamilienhäuser in den Bezirken Horgen und Meilen vergleichsweise sehr hoch sind, ist bekannt.

Die neueste Auswertung der Zürcher Kantonalbank, welche einen Grossteil des Wohneigentums in der Region finanziert und unter anderem über die Daten von Homegate verfügt, zeigt nun auf, wie rasant die Preise in den letzten Jahren nach oben geschossen sind.

Die Preise für Wohneigentum steigen zwar in allen Bezirken des Kantons Zürich, abgesehen von der Stadt Zürich war der Anstieg der Werte aber nirgends so hoch wie in der Zürichsee-Region. Wer 2003 Wohneigentum im Bezirk Horgen kaufte, zahlte im Durchschnitt etwa 5500 Franken pro Quadratmeter. Im Bezirk Meilen waren es rund 5800 Franken.

Mittlerweile haben sich diese Zahlen mehr als verdoppelt. Bei Einfamilienhäusern nahm der Wert im Bezirk Horgen um 104 Prozent zu, im Bezirk Meilen gar um 110. Bei Stockwerkeigentum kletterten die Preise noch stärker nach oben. In Horgen um 119 Prozent und in Meilen um 115. Zum Vergleich: Die Eigentumswerte in der Stadt Zürich haben mit 145 Prozent noch mehr zugelegt als in den Bezirken Horgen und Meilen. In Bezirken wie Bülach (+82%), Andelfingen (+68%) oder Winterthur (+92%) weniger.

Am teuersten ist der Quadratmeterpreis für ein Standardobjekt eines Neubaus an durchschnittlicher Lage am rechten Seeufer in Küsnacht und Zollikon mit je 15700 Franken. Im Jahr 2003 hatte der Preis noch rund 7000 Franken betragen. Die günstigste Gemeinde ist Oetwil mit 8200 Franken. Im Bezirk Horgen ist Adliswil mit 10400 Franken am günstigsten und Kilchberg mit 15'500 Franken am teuersten.

Weshalb sind nach der Stadt Zürich ausgerechnet in den Bezirken Horgen und Meilen die Preise in den vergangenen 16 Jahren am stärksten angestiegen? Michael Hess, Filialleiter der ZKB in Horgen, hat mehrere Erklärungen: «Die tiefen Zinsen oder gar Negativzinsen spielen eine entscheidende Rolle.» Auch wegen der tiefen Steuersätze seien Eigenheime am Zürichsee besonders gesucht.

Dass bei Stockwerkeigentum in Horgen ein jährlicher Preisanstieg von 3,5 Prozent besteht, erklärt sich Hess folgendermassen: «Einfamilienhäuser sind oft derart teuer, dass sich Interessierte eher Stockwerkeigentum leisten.» Dies nur schon, damit die Tragbarkeit gegeben sei.

Einen anderen Grund für die grosse Nachfrage nach Wohneigentum, welche die Preise in die Höhe schnellen lässt, sieht Hess bei der Standortattraktivität. «Horgen und Umgebung sind sehr gut an den öffentlichen Verkehr und an die Autobahn gebunden und liegen nur wenige Minuten von der Stadt Zürich entfernt.» Während die Preise in stadtnahen Seegemeinden wie Kilchberg, Rüschlikon, Thalwil oder Oberrieden noch höher als in Horgen sind, dehne sich die Preisentwicklung langsam auch auf den Bezirkshauptort aus. Diese Tendenz zeigt sich auch am rechten Seeufer.

Nachfrage trotzdem da

Einen Richtungswechsel erwartet Michael Hess nicht. «Solange tiefe Zinsen bestehen, die Zuwanderung am Zürichsee hoch ist und die Arbeitslosenquote tief, wird sich kein Wandel abzeichnen.» Gerade institutionelle Investoren wie Pensionskassen würden auf der Suche nach Renditen vermehrt in Immobilien investieren.

Der sehr tiefe Leerwohnungsbestand von 0,7 Prozent in Horgen zeigt, dass die Nachfrage trotz hohen Preisen da ist. Hess ist durch die Entwicklungen der Eigenheimpreise trotzdem besorgt. «Zwar werden Einfamilienhäuser immer noch gekauft, gerade junge Familien gehören aber immer weniger zu den Käufern.» Viele könnten sich aufgrund der extremen Preise den Traum vom eigenen Haus am Zürichsee nicht mehr erfüllen.

«Einfamilienhäuser sind oft derart teuer, dass sich Interessierte eher Stockwerkeigentum leisten.»Michael Hess, Filialleiter der ZKB in Horgen

Um trotzdem Wohneigentum zu kaufen, nehmen die meisten eine Hypothek auf. Da bei Hypotheken ein Eigenanteil von 20 Prozent gesetzlich vorgeschrieben ist, bedeutet dies zwar eine gewisse Sicherheit für die Bank, erschwert den Kauf allerdings für junge Interessenten. Wenn eine Familie für 1,5 Millionen Franken ein Haus kaufen möchte, muss sie also mindestens 300'000 Franken selber berappen.

Damit sich eine Familie den Zins einer solchen Hypothek leisten kann, bedarf es eines gewissen Familieneinkommens. Das macht die Aufnahme einer Hypothek weniger flexibel. «Viele Kunden verlangen langfristige Hypotheken, um günstige Zinsen möglichst lange anzubinden», sagt Hess. Es sei aber nicht nur wichtig, auf die aktuellen Zinsen zu achten, sondern auch die richtige Hypothek zu wählen und mögliche Rückzahlungen einzuberechnen.







Erstellt: 14.11.2019, 19:51 Uhr

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