Verkehr

Politiker stellen sich gegen Tempo-50-Pläne auf der Seestrasse

Die FDP des Bezirks Horgen stört sich an den Temporeduktionsplänen der Planungsgruppe Zimmerberg auf der Seestrasse.

Wie schnell soll auf der Seestrasse gefahren werden dürfen? Diese Frage sorgt für Diskussionen.

Wie schnell soll auf der Seestrasse gefahren werden dürfen? Diese Frage sorgt für Diskussionen. Bild: Archiv Sabine Rock

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Die Zürcher Planungsgruppe Zimmerberg (ZPZ) möchte die Höchstgeschwindigkeit auf der Seestrasse innerorts von 60 auf 50 Stundenkilometer reduzieren. Ende November wurde der entsprechende Antrag an die Kantonspolizei überwiesen. Der ZPZ zufolge, hätten sich die Exekutiven der linksufrigen Gemeinden im Rahmen eines Anhörungsverfahrens für eine Temporeduktion innerorts ausgesprochen.

Auf dem Gemeindegebiet von Kilchberg, Rüschlikon, Thalwil und Oberrieden, sowie Richterswil könnte demnach nur noch 50 Stundenkilometer schnell gefahren werden. Ebenfalls langsamer fahren müsste man in Richterswil zwischen der Kantonsgrenze Schwyz und dem Beginn der Ausserortsstrecke nach Wädenswil. Faktisch würden die Pläne der ZPZ zu einer durchgehenden Tempo-50-Strecke zwischen Horgen und der Stadt Zürich führen. Davon erhofft sich die ZPZ mehr Verkehrssicherheit und weniger Lärm für die Anwohner der Seestrasse.

«Das ist Zwängerei»

Gegen das Vorhaben der ZPZ stellt sich nun die FDP des Bezirks Horgen. «Die Pläne der ZPZ gleichen einer unverständlichen Zwängerei», sagt der Horgner FDP-Gemeinderat Hans-Peter Brunner. Die Argumente der Planer, eine Temporeduktion würde für mehr Sicherheit sorgen, lässt er nicht gelten. «Die Seestrasse ist für viel Geld mit zahlreichen Fussgänger-Sicherheitsinseln ausgestattet worden und bildet keinen Unfallschwerpunkt im Bezirk.» Ausserdem führe die Strasse ab Horgen nicht durch Dorfkerne, wie es am rechten Seeufer der Fall sei. Sogar dort gebe es nur wenige Tempo-50-Abschnitte. «Ab Meilen kann bis zur Zürcher Stadtgrenze 60 Stundenkilometer schnell gefahren werden», argumentiert Brunner.

«Es ist befremdlich, dass die ZPZ die Temporeduktion als Wunsch der linksufrigen Exekutiven verkaufen will.»Astrid Furrer (FDP), Wädenswiler Stadträtin

Auch die Wädenswiler Stadträtin Astrid Furrer hält nichts von der Idee der Planungsgruppe. «Es ist befremdlich, dass die ZPZ die Temporeduktion als Wunsch der linksufrigen Exekutiven verkaufen will», sagt Furrer. So habe sich etwa Wädenswil negativ zum Tempokonzept der ZPZ geäussert. «Wir wollen das jetzige Temporegime mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf unserem Gemeindegebiet beibehalten.» Wie Brunner bemängelt auch Furrer, dass die ZPZ zwar die Gemeinden gefragt habe, was sie von Tempo 50 innerorts hielten. Ausserorts sei aber die Rede von Tempo 60 gewesen. Dass darauf basierend nun jedoch eine durchgehende Temporeduktion von Horgen bis Zürich erreicht werden solle, kann die Kantonsrätin nicht nachvollziehen.

Wädenswils Stadtpräsident und ZPZ-Geschäftsleitungsmitglied Philipp Kutter (CVP) relativiert indes: «Die ZPZ hat den Wunsch Wädenswils an den jetzigen Tempi festzuhalten respektiert.» Die Planer verlangten einzig, dass die Geschwindigkeit mit der Inbetriebnahme des Gymnasiums in der Au, reduziert werden müsse. «Das ist ein vernünftiger Kompromiss.»

Glaubensfrage Tempo 50

Martin Arnold (SVP), Präsident der ZPZ und Gemeindepräsident von Oberrieden nimmt die Einwände der FDP gelassen. «Es überrascht mich nicht, dass eine allfällige Temporeduktion auf der Seestrasse nun zu einer Glaubensfrage hochstilisiert wird.» Er sei jedoch erstaunt, dass die FDP ihrem Unmut erst jetzt Luft mache. Schliesslich seien die Exekutiven schon länger über die Pläne der ZPZ informiert gewesen.

Ausserdem würde sich mit einer Temporeduktion auf der Seestrasse nur wenig ändern. «Bereits heute ist die tatsächlich gefahrene Höchstgeschwindigkeit auf der Seestrasse Richtung Zürich näher bei 40 Stundenkilometern, als bei den erlaubten 60», sagt Arnold. Eine Angleichung der erlaubten Geschwindigkeit an die Realität sei folglich sinnvoll. Zudem gibt er zu bedenken, dass an der Seestrasse viele Wohnhäuser stehen. «Ihnen würde eine tiefere Höchstgeschwindigkeit eine deutliche Lärmentlastung bringen.»

Bis zu einer definitiven Entscheidung dürfte es indes noch dauern. «Neben der Kantonspolizei werden noch verschiedene andere Instanzen, wie etwa die Baudirektion, zu den Plänen Stellung nehmen», erklärt Arnold. Auch die Gemeinden und die Bevölkerung werde noch die Gelegenheit haben, sich zur geplanten Temporeduktion auf der Seestrasse zu äussern.

Erstellt: 11.12.2018, 17:39 Uhr

So soll das neue Temporegime am linken Seeufer aussehen (anklicken für grössere Ansicht).

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