Richterswil

Pilgerfiguren auf Kreisel sind Geschichte

Pilgerfiguren dekorierten bis letzten Sommer den Wachthusplatz-Kreisel. Während Umbauarbeiten mussten sie weichen. Zurückkehren werden sie nicht mehr, was in Richterswil bedauert wird.

Die Pilger sind weg, doch der Kreisel am Wachthusplatz soll bald nicht mehr so kahl aussehen.

Die Pilger sind weg, doch der Kreisel am Wachthusplatz soll bald nicht mehr so kahl aussehen. Bild: Sabine Rock

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Dass eine Gruppe von alteingesessenen Pilgern ohne Aussicht auf Rückkehr aus Richterswil verbannt wurde, stösst in der Gemeinde auf Missfallen. Das Pilgerwesen ist in Richterswil von historischer Bedeutung. Während Jahrhunderten legten gläubige Wanderer auf dem Weg nach Einsiedeln dort Rast ein, bevor sie zu Fuss den Etzel überquerten. Eines der Zeugnisse des einst regen Pilgerwesens war bis im letzten Sommer im Strassenverkehr zu finden: Mannshohe Pilgerfiguren aus Metall zierten den Kreisel am Wachthus­platz.

Im Rahmen von Umbauarbeiten der Zuger- und Glarnerstrasse durchlief auch der Kreisel eine Umgestaltung. Das kantonale Tiefbauamt baute eine neue Betonfahrbahn ein und vergrösserte den Kreiseldurchmesser um drei Meter. Die Pilgerfiguren wurden dabei entfernt – und blieben fern. Es ist der Gemeinde überlassen, den neuen Kreisel zu gestalten. Für den Gemeinderat kommt die Pilgergruppe als Kreiseldekor aber nicht mehr infrage. «Sie standen mehr als 20 Jahre dort», sagt Gemeindeschreiber Roger Nauer.

«Viele Leute hatten Freude an den Pilgerfiguren und verkleideten sie etwa während der Fasnachtszeit.»Ruedi Weber, Präsident des Ortsmuseums Richterswil

Ruedi Weber, Präsident des Ortsmuseums Richterswil, findet es schade, dass die Figuren auch künftig fehlen. «Viele Leute hatten Freude an den Pilgerfiguren und verkleideten sie etwa während der Fasnachtszeit», sagt er. Dass der Abschnitt der Lokalgeschichte, auf den die Figuren hinwiesen, in Vergessenheit gerate, bezweifelt Weber aber. «In der Schule wird ja weiterhin vom Pilgerwesen in Richterswil erzählt.» Auch Nauer glaubt nicht, dass dieser wichtige Teil der Ortsgeschichte wegen einer Kreiseldekoration vergessen gehe. «Es hat ausserdem nicht jeder die Figuren als Pilger erkannt», ergänzt er.

Durchsicht verhindern

Bei der Gestaltung von Kreiseldekorationen spielt der «Durchblick» eine Rolle. Während beim kantonalen Kreisel auf der Bergstrasse Höhe Autobahneinfahrt ein mit Pflanzen bewachsener Hügel die Sicht auf den Verkehr auf der gegenüberliegenden Seite versperrt, waren die Pilgerfiguren für Blicke durchlässiger. Diese Weitsicht im Kreisverkehr dürften wohl viele Verkehrsteilnehmer geschätzt haben. Doch in Bezug auf die Verkehrssicherheit ist die Weitsicht anders zu beurteilen, worauf Gemeindeschreiber Nauer hinweist: «Durchsicht bei Kreiseln ist von kantonalen Fachstellen nicht erwünscht.» Kreisel sollten den Verkehr schliesslich verlangsamen. Er empfindet den vom Kanton erbauten Kreisel sowie den von der Gemeinde gestalteten Preisig-Kreisel mit seinen Sandsteinsäulen als beispielhaft.

Aus Sicherheitsgründen sei der Wachthusplatz-Kreisel auch verschoben worden. «Der aus der Glarnerstrasse kommende Verkehr war zu schnell. Von der Kreiseleinfahrt Gartenstrasse her hatte man kaum eine Chance, diese Fahrzeuge zu sehen», sagt Nauer. Für das neue, diesen Frühling entstehende Kreiseldekor sieht der Gemeinderat «etwas Natürliches» vor, wohl eine Art Bepflanzung. Der Kanton wird den Kreisel genehmigen müssen. Für Kunstgegenstände sei weiterhin Platz eingeplant, sagt Nauer. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.02.2019, 21:46 Uhr

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