Wädenswil

Parteien wollen die neuen Stadtteile von Wädenswil erobern

Die neuen Ortsteile Schönenberg und Hütten sind parteipolitisch noch weitgehend weisse Flecken in der Landschaft. Für die Wädenswiler Parteien sind sie deshalb besonders interessant.

Im Gemeinderat Wädenswil politisiert seit dieser Woche ein BFPW-Politiker vom Berg.

Im Gemeinderat Wädenswil politisiert seit dieser Woche ein BFPW-Politiker vom Berg. Bild: Archiv André Springer

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Mit der Eingemeindung von Schönenberg und Hütten Anfang 2018 ist die stimmberechtigte Bevölkerung in Wädenswil um fast 2500 Personen gewachsen. Zwar sind das nur etwas mehr als zehn Prozent aller Wädenswiler Stimmberechtigten. Sie stehen aber im Fokus der politischen Parteien von Wädenswil.

Die beiden ehemaligen Berggemeinden weisen nämlich eine Besonderheit auf. Die politischen Parteien waren dort wenig präsent. In Hütten existierte nicht eine einzige Ortssektion. In Schönenberg waren immerhin die FDP und die SVP organisiert. Die Aktivitäten der SVP Schönenberg ist aber bereits vor Jahren eingeschlafen. Einzig die FDP-Ortspartei war noch aktiv. Sie stellte auch Behördenvertreter und machte sich für die Fusion mit Wädenswil stark.

BFPW hat Nase vorn

Die Chance, dass sich Politiker vom Berg ins Wädenswiler Parlament oder den Stadtrat wählen lassen können, ist vertan, weil die Fusion wegen eines Rechtsstreits um ein Jahr auf Anfang 2019 verschoben wurde.

Dass diese Woche doch ein Schönenberger im Parlament Einsitz genommen hat, sorgte für Aufsehen. Es ist das Bürgerliche Forum positives Wädenswil (BFPW), welches mit dem 34-jährigen Pascal Rubin den ersten Gemeinderat eines neuen Ortsteils stellt. Er konnte nach dem Rücktritt von Ivo Peyer nachrücken. Dies war möglich, weil alle Kandidaten auf der Wahlliste auf eine Wahl verzichtet haben (diese Zeitung berichtete). Das BFPW habe bereits vor den Wahlen 2018 intensive Gespräche für Kandidaturen geführt, sagt BFPW-Stadtrat Ernst Brupbacher.

Doch auch die anderen Parteien sind daran, das Gebiet parteipolitisch zu erobern. Es geht darum, neue Wähler zu finden oder Parteimitglieder zu rekrutieren. Die FDP hat bereits Politikerinnen und Politiker vom Berg eingebunden. Sie hat kürzlich die bisherigen Schönenberger Gemeinderatsmitglieder Antoine Schuler und Brigitte Käser Hägin in den Vorstand der FDP Wädenswil berufen. Brigitte Käser Hägin war während ihrer Gemeinderatszeit in Schönenberg parteilos und ist der Partei Anfang Jahr beigetreten. Antoine Schuler ist neu Mitglied der Sozialbehörde Wädenswil.

Die FDP verspreche sich durch deren Mitarbeit, auf die Themen zu stossen, welche die Bevölkerung in den neuen Stadtquartieren beschäftige, sagt Parteipräsident Franz Blankl. «Sie sind nah am Puls und stellen sicher, dass die FDP nicht an den Befindlichkeiten der Bevölkerung vom Berg vorbeipolitisiert.» Unterstützung erhalte die FDP auch vom ehemaligen Schönenberger Gemeindepräsidenten Willi Schilling, der dem Parteivorstand beratend zur Seite stehe.

Eine Stimme verleihen

Quer durch die Parteilandschaft zeigt sich, dass die Wädenswiler Parteien die Fühler behutsam ausstrecken. Sie alle geben auf Anfrage an, sie wollten in Erfahrung bringen, wo der Schuh drückt. Es sei ihnen ein Anliegen, den Bewohnerinnen und Bewohnern vom Berg eine Stimme zu verleihen, damit sie ihre Anliegen weiterhin selber in der Politik vertreten können.

Die SP hat Anfang Jahr eine schriftliche Befragung über ihr Parteiorgan «So!» durchgeführt. Geäussert wurde der Wunsch, dass das Altersheim Stollenweid in Schönenberg nicht geschlossen wird. Die Bevölkerungsumfrage ergab, dass die SP sich für eine bessere Familienpolitik und mehr bezahlbaren Wohnraum, auch für Senioren, einsetzen soll. Die SP, die sich monatlich in Lokalen trifft, ist auch ein Mal pro Jahr in Schönenberg, Hütten und der Au anzutreffen.

Ziel sei es, in den Berg-Quartieren präsent zu sein, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, sagt SP-Fraktionschefin Edith Brunner. Die SP hoffe, einige Neumitglieder zu finden, auch wenn die Berggebiete nicht zu den Stammlanden der Partei gehört.

Wie schwierig es ist, neues Terrain zu erobern, musste ausgerechnet die SVP erfahren, von der man annehmen könnte, sie habe im ländlich geprägten Hütten und Schönenberg einen Heimvorteil. Obwohl sie mit Flyern in alle Haushalte zu Treffen mit der SVP in den Restaurants eingeladen habe, sei nur gerade eine Handvoll Interessierter erschienen, sagt Parteipräsident Walter Portmann.

Er habe den Eindruck, Schönenberg und Hütten grenzten sich noch gegen Wädenswil ab. Wichtiger sei ihnen momentan noch die Gründung von eigenen Dorfvereinen. «Ich werte das aber überhaupt nicht negativ», präzisiert der SVP-Präsident, «wir müssen ihnen Zeit geben.» Dabei denke er bereits an die Wahlen in drei Jahren. Die Suche nach Kandidaten müsse früh beginnen.

Präsent sein

Die CVP habe bereits einzelne Mitglieder in Schönenberg und Hütten, sagt Parteipräsident Beat Wiederkehr. Die CVP versuche nun, ihre Parteibasis auf dem Berg zu stärken. «Das ist aber nicht ganz einfach.» Die Partei wolle Präsenz zeigen, etwa an den öffentlichen Anlässen. Sie näherte sich den neuen Stadtteilen aber auch örtlich an. So führte die CVP ihre letzte Parteiversammlung in Schönenberg durch und liess sich durch den Präsidenten des Dorfvereins über deren Aktivitäten informieren. Präsenz auf dem Berg markierten auch die Grünen, die schon Mitte Januar eine öffentliche Fraktionssitzung im «Rössli» in Schönenberg durchführten.

Um als Kleinpartei auf dem Berg Fuss fassen zu können, seien persönliche Kontakte wichtig, sagt EVP-Präsident Harald Lenz. Die Ortsgruppe Wädenswil habe jene Mitglieder aufnehmen können, die Mitglied der EVP Bezirk Horgen waren. Die GLP-Mitglieder aus Schönenberg und Hütten gehörten schon immer zur Wädenswiler Sektion, sagt GLP-Präsident Pierre Rappazzo. Da die GLP eine kleine Partei sei, hätten die Personen, die sich engagieren, grossen Einfluss.

Erstellt: 21.05.2019, 16:38 Uhr

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