Horgen

Lückenlose Aufklärung im Horgner Schulkonflikt gefordert

Ein Konflikt um die Schulpräsidentin Carla Loretz (parteilos) beschäftigt derzeit den Bezirksrat. Die Parteien bemängeln die dünne Informationslage.

In der Schulpflege von Horgen, hier im Bild das Primarschulhaus Rotweg, ist ein Streit um das Präsidium eskaliert.

In der Schulpflege von Horgen, hier im Bild das Primarschulhaus Rotweg, ist ein Streit um das Präsidium eskaliert. Bild: Manuela Mat

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In der Horgner Schulpflege hängt der Haussegen schief. So schief, dass sich inzwischen nicht nur der Gemeinderat, sondern auch die übrigen Mitglieder der Schulpflege hilfesuchend an den Bezirksrat gewandt haben.

Im Zentrum des Konflikts steht Schulpräsidentin Carla Loretz (parteilos). Ihr wird unter anderem mangelnde Kommunikation, fehlende Transparenz und schlechte Erreichbarkeit vorgeworfen. Zudem habe Loretz sich nicht an das Kollegialitätsprinzip gehalten und sei nicht Willens ihre Führungsverantwortung wahrzunehmen, schreiben die übrigen Mitglieder der Schulpflege in einem Brief an den Bezirksrat. Nach den Sommerferien eskalierte der Konflikt in der Schulbehörde derart, dass es zu einem Misstrauensvotum der Schulpflege gegen ihre Präsidentin kam.

Die Präsidenten der Ortsparteien, äussern sich zurückhaltend über die Differenzen in der Schulpflege. Auf Anfrage dieser Zeitung fordern sie unisono eine rasche und umfassende Aufklärung des Konflikts, sowie eine transparente Kommunikation durch den Gemeinderat.

Recht auf Information

«Wir wissen nicht mehr, als das, was in der Zeitung steht», sagt der Präsident der CVP-Ortspartei Adrian Moser. Die CVP erwarte deshalb, dass der Gemeinderat die Bevölkerung zeitnah und vollständig über die Sache informiere. «Die Bürger haben ein Recht auf Information. Vor allem im Hinblick auf die nächste Gemeindeversammlung ist es wichtig, dass jetzt alle Fakten auf den Tisch kommen.»

«Die Bürger haben ein Recht auf Information.»Adrian Moser,
Präsident der CVP-Ortspartei

Für die hiesige SVP ist klar, dass Carla Loretz als Schulpräsidentin nicht mehr tragbar wäre, sollten sich die Vorwürfe gegen sie bestätigen, sagt Ortsparteipräsidentin Kerstin Steiner-Keller. «Entsprechend muss unverzüglich und konsequent gehandelt werden, damit Ruhe einkehrt und die Schule nicht weiter unter dieser Situation leidet. Wir erwarten zudem, dass die Mitglieder der Schulpflege Ihre Verantwortung als gewählte Behördenvertreter wahrnehmen und der Schulbetrieb nicht beeinträchtigt wird.»

«Schulpflege ist Teamsache»

Die FDP sieht die Behörden in der Pflicht, eine Lösung zu finden. «Wichtig ist dabei, dass der Schulbetrieb von dem Konflikt nicht beeinflusst wird und die Qualität unserer Schule nicht leidet», sagt Walter Reutimann. Die Arbeit in der Schulpflege sei eine Teamsache. «Wenn diese Teamarbeit nicht klappt, ist es Aufgabe des Teams das Problem zu lösen.» Loretz habe von ihrer Vorgängerin Elisabeth Oberholzer (FDP) eine gut funktionierende Schule übernommen. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche erste Amtszeit als Schulpräsidentin seien mehr als gegeben gewesen.

«Wichtig ist dabei, dass der Schulbetrieb von dem Konflikt nicht beeinflusst wird.»Walter Reutimann, FDP

Zur Erinnerung: Bei den Erneuerungswahlen letztes Jahr hat die FDP das Schulpräsidium nicht verteidigen können. Ihre Kandidatin Nathalie Böttinger, die inzwischen aus der Partei ausgetreten ist, ist Vize-Präsidentin der Schulpflege. Sie betont, dass der Schulbetrieb zu keinem Zeitpunkt gefährdet war oder ist.

Bei der SP sei man konsterniert über die Eskalation innerhalb der Schulpflege, sagt Co-Präsident Alfred Fritschi. «Man fragt sich natürlich wie es so weit kommen konnte, dass der Bezirksrat einschreiten muss.» Zudem stelle man sich bei der SP die Frage nach der Zuständigkeit. «Wer das Schulpräsidium inne hat entscheidet die Bevölkerung. Doch wem obliegt die Kontrolle des Präsidiums?» Laut Fritschi müsste sie in einer Gemeinde wie Horgen — also ohne Parlament — in die Zuständigkeit der Gemeindeversammlung fallen. «Umso wichtiger ist, das der Gemeinderat und Schulpräsidentin die Bevölkerung nun klar informieren», sagt Fritschi, der eine Einzelinitiative für die Einführung eines Parlaments eingereicht hat.

«Man fragt sich natürlich wie es so weit kommen konnte, dass der Bezirksrat einschreiten muss.»Alfred Fritschi, 
Co-Präsident SP

Da die EVP in der Schulpflege nicht vertreten sei, kenne er die Details des Konflikts zwar nicht, sagt Co-Präsident Walter Tanner. Dass ihre Amtskollegen Loretz vorwerfen sie kommuniziere schlecht, überrasche ihn jedoch nicht. «Als sie 2017 für die Schulpflege kandidierte, luden wir sie und ihren Gegenkandidaten zu einem Hearing ein. Frau Loretz ist dem Treffen damals ferngeblieben, ohne sich abzumelden.» Folglich habe die EVP Carla Loretz weder damals, noch bei ihrer Kandidatur um das Schulpräsidium letztes Jahr unterstützt. «Dass die Situation innerhalb der Horgner Schulpflege jetzt so eskalieren konnte, ist skandalös», sagt Tanner.

Anfragen bei den Parteipräsidenten der hiesigen GLP und den Grünen blieben gestern unbeantwortet. Carla Loretz weilt bis am 2. Oktober in den Ferien und hat in Aussicht gestellt danach zu den Vorgängen Stellung zu nehmen.

Erstellt: 26.09.2019, 17:26 Uhr

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